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Klassisch

Musik wie ein Geschenk

09.03.2018
  • BURKHARD SCHÄFER

Ulm. Emilie Mayer war – für die damalige Zeit ungewöhnlich genug – eine erfolgreiche Komponistin. Sie starb 1883 im Alter von 70 Jahren als hoch geachtete Persönlichkeit. Ihr Grab auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Berlin-Kreuzberg ist heute nicht mehr zu finden, ihr Œuvre hingegen schon – man muss sich nur die Mühe machen, es aufzuspüren und auf CD zu bannen. Das Mariani Klavierquartett (Philipp Bohnen, Violine; Barbara Buntrock, Viola; Peter-Philipp Staemmler, Violoncello; Gerhard Vielhaber, Klavier) hat sich dem lustvoll unterzogen und zwei besonders schöne Kammermusikwerke Mayers für das Entdecker-Label cpo eingespielt: die Klavierquartette in Es- beziehungsweise G-Dur aus den 1850er Jahren. Vor den Klavierquartetten ihrer männlichen Kollegen Brahms und Schumann brauchen sich Mayers Werke nicht zu verstecken. Ein toller Fund!

Frau Buntrock, wer war Emilie Mayer?

Emilie Mayer war eine der ganz wenigen Frauen, die im 19. Jahrhundert als Komponistin tätig war. Etwas zu erschaffen war damals vor allem eine Domäne des männlichen Teils der Gesellschaft. Frau Mayer war also offenbar eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit mit Mut zum Eigenen und großer Leidenschaft für die Musik, was man ihren Werken auch anhört. Das alles hat uns sehr neugierig gemacht.

Die Klavierquartette waren für Sie doch sicherlich Neuland, oder?

Ja, Neuland vor allem deshalb, weil wir auch keine anderen Werke von Emilie Mayer kannten. Wenn man zum Beispiel ein Quartett von Mozart oder Beethoven neu einstudiert, dann hat man schon eine Idee vom Stil des Komponisten. Im Fall von Mayer konnten wir als Ensemble ganz unbeeinflusst an das Studium der beiden Klavierquartette herangehen, was eine sehr erfrischende Erfahrung war. Die Annäherung an eine solche Persönlichkeit beziehungsweise ihr Werk nur mit Hilfe der Partitur ist für mich persönlich immer wieder ein unglaublich spannender Prozess – ähnlich wie das Geschenkeauspacken an Weihnachten (lacht).

Was können Sie uns über den Stil der Werke sagen?

Der Kompositionsstil von Emilie Mayer ist wirklich ein ganz eigentümlicher; in den beiden Quartetten zeigt er sich besonders schön. Auf den ersten Höreindruck hin mögen die Werke für unsere heutigen Ohren vielleicht erst einmal recht harmlos klingen. Lauscht man aber genauer, dann entdeckt man waghalsige harmonische Wendungen, instrumental überaus virtuose Passagen und wunderschöne Klangeffekte durch einen speziellen Gebrauch der einzelnen Instrumente.

Burkhard Schäfer

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09.03.2018, 06:00 Uhr

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