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Anwohner fühlen sich übergangen

Musikschul-Vorstand drängt auf Neubau beim „Museum“

An der Wilhelmstraße beim „Museum“ soll die Tübinger Musikschule nach dem Wunsch ihres Vorstands ein neues Domizil bekommen. Die Pläne dafür sind schon ziemlich konkret.

25.08.2010
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Eugen Höschele als Vorstandsvorsitzender der Musikschule hat Nägel mit Köpfen gemacht: Nachdem eine Klausurtagung mit Lehrern und Elternvertretern im Oktober die Idee eines Neubaus gut geheißen hatte, beauftragte er ein Heilbronner Architekturbüro mit einem Entwurf für den von Höschele bevorzugten Standort: Anstelle der Behelfsbauten des „Kommödle“ (wo unter anderem die Taxizentrale logiert) soll die Musikschule zwischen Altem Botanischem Garten und Wilhelmstraße neu erstehen.

Hintergrund ist der schlechte Zustand des bestehenden Musikschulgebäudes in der Frischlinstraße. Es müsste dringend saniert werden, auch energetisch; die finanziell klamme Musikschule bezahlt jedes Jahr über 100 000 Euro für die Heizung. Oberbürgermeister Boris Palmer geht von mindestens zwei Millionen Euro Sanierungskosten aus; Höschele von 3,5 Millionen. Eine Sanierung, so Palmer, sei derzeit aber „nirgendwo finanziell eingeplant“.

Mit einem Standortwechsel verbindet Höschele noch weitere Motive: Die Musikschule brauche im Hinblick auf den ausgeweiteten Nachmittagsunterricht an den Schulen einen zu diesen zentral gelegenen, gut erreichbaren Ort. Denn die Schüler hätten in Zukunft weniger verfügbare Zeit. Die Haltestelle Wilhelmstraße wird von fast allen Stadtbuslinien bedient.

Mehr Platz brauche die Musikschule in Zukunft dagegen kaum. Höschele geht davon aus, dass die Schülerzahlen aufgrund rückläufiger Geburten und der „extrem hohen“ Tübinger Unterrichtsgebühren allenfalls geringfügig zunehmen. Allerdings brauche sie mehr Räume für Ensemblespiel.

Mit Saalbau auch für Tagungen tauglich

Der kompakte Bau an der Wilhelmstraße soll etwa dasselbe Raumprogramm bieten wie die bestehende Musikschule: Im Untergeschoss Rhythmik und Musiktherapie, im ersten und zweiten Obergeschoss Unterrichtsräume, im dritten Leitung, Verwaltung, Lehrerzimmer, eventuell noch Wohnungen. In den Alten Botanischen Garten greift ein flacher Saal mit gerundeter Kante aus, innerhalb des Fußwegs, der dort entlang führt. Der Saal für maximal 450 Personen könnte für kleinere Veranstaltungen unterteilt werden.

Höschele ist überzeugt, dass der Entwurf den Kriterien für die Bebauung dieses Grundstücks entspricht, die der Tübinger Gestaltungsbeirat im Bebauungsplan zugrunde gelegt hat. Die dort geforderte „Durchlässigkeit“ zum Park soll mit einem offenen Foyer erreicht werden, das auch ein Café beinhaltet, mit dem Saaldach als Außenterrasse.

Als Bauträger hat Höschele die Kreisbau im Blick. Zur Entlastung der Kostenseite sieht er verschiedene „Synergie-Effekte“: So könne der Bauträger im Erdgeschoss mindestens drei Läden, in von der Musikschule nicht genutzten Teilgeschossen weiter oben Büros oder Wohnungen an Dritte vermieten, das Café verpachten und durch die Saal-Vermietung Geld einnehmen. In Verbindung mit den Sälen des „Museums“ sieht Höschele dort bereits ein „kleines Kongresszentrum“. Auch die Stadt beziehungsweise die GWG hätte durch den Abriss der alten Musikschule zugunsten von Wohnungen einen Gewinn.

Höschele drängt auf rasche Entscheidung, denn günstiger als zur Zeit könnten die Konditionen für Baugeld nicht werden. Die Stadt hält sich gegenüber dem Vorhaben jedoch vorerst zurück, zumal es in den städtischen Gremien noch nicht vorgestellt wurde. Für Baubürgermeister Cord Soehlke ist es „weit entfernt von spruchreif“.

Die Musikschule ist außerdem nicht der einzige Interessent an dem Grundstück. Ernst Seidl, der Leiter des Uni-Museums, brachte es schon für einen Showroom der Uni-Schätze ins Spiel. Eine Idee, die auch dem Vorsitzenden der Museumsgesellschaft Prof. Georg Braungart nicht schlecht gefällt. „Wir sind an der Musikschule nicht handlungsbeteiligt“, betont Braungart.

Die Bürgerinitiative Campus-Wilhelmsvorstadt und Wilhelmstraßen-Anwohner sind indes verärgert darüber, dass das Projekt Musikschule in keinem von drei Planungs-Workshops zur Sprache kam – obwohl Braungart und Soehlke daran teilnahmen. Eine Anwohnerin beruft sich darauf, dass OB Palmer ihr in einem Gespräch „Transparenz“ zugesichert habe. Von den Musikschul-Plänen erfuhr sie beiläufig in einem Fitness-Studio.

Wer redet mit bei der Tübinger Musikschule?

Die Tübinger Musikschule wird über ihre Einnahmen aus Unterrichtsgebühren hinaus durch einen Zuschuss der Stadt finanziert. Sie hat neben der Leitung (Annette Tinius-Elze) einen Vorstand. Dessen Vorsitz besteht seit Februar 2009 aus dem Regionalverbandsvorsitzenden und CDU-Kreisrat Eugen Höschele, der Steuerberaterin Ingrid Schneider-Hoffmann und kraft Amts Kulturamtsleiterin Daniela Rathe. Mitglied per Funktion ist der Vorsitzende der Museumsgesellschaft Prof. Georg Braungart.

Die Musikschule hat rund 1400 Schüler und 65 Mitarbeiter (Lehrer und Verwaltung).

Das jetzige Gebäude an der Frischlinstraße (die frühere Waldorfschule) gehört der städtischen Baugesellschaft GWG, die es an die Musikschule vermietet.

Musikschul-Vorstand drängt auf Neubau beim „Museum“
So könnte ein Musikschul-Neubau auf dem Gelände der heutigen „Kommödle“-Behelfsbauten (von links ragt das „Museum“ herein) nach dem Vorschlag des Heilbronner Architekturbüros Bechler, Krummlauf, Teske aussehen: Vorne sind die Unterrichtsräume mit dreieckigen Fenster-Erkern gekennzeichnet, nach hinten buchtet der Saal in den Alten Botanischen Garten aus. Im Erdgeschoss rechts wären Läden zu denken, links ein Foyer mit Durchgang zu Saal und Café. Bild: Sommer

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25.08.2010, 12:00 Uhr

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