Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Rechte, linke Tasche

Musikschule: 426 Prozent Mietpreiserhöhung

Na so was: Die Bundesregierung steigt gerade voll auf die Mietpreisbremse, da gibt die Stadt Tübingen so richtig Gas. Eine Mieterhöhung von 426 Prozent: Das ist rekordverdächtig und riecht verdammt nach Abzocke. Kann das sein? Gemach, es kann, und es hat sogar seine Richtigkeit.

18.12.2014
  • Wilhelm Triebold

Denn die Stadt, die Anfang des Jahres die Tübinger Musikschule übernommen und in einen Eigenbetrieb überführt hat, um sie zu retten, hat jetzt einmal nachgerechnet. Demnach wurde für das Musikschulgebäude in der Frischlinstraße entschieden zu wenig Mietzins veranschlagt und dem bisherigen Verein in Rechnung gestellt. Nämlich knapp 55.000 Euro pro Jahr.

Allerdings führt der alte Mietvertrag von 1980 auch nur eine Nutzfläche von 1233 Quadratmetern aus. Tatsächlich aber wird für den Unterricht in allen Räumen und für Veranstaltungen in der Musikschiul-Aula, samt Verkehrs- und Lagerflächen, deutlich mehr Fläche in Anspruch genommen, nämlich 3250 Quadratmeter. „Bei unverändertem Mietpreis“, hieß es neulich in einer Berichtsvorlage für den Kulturausschuss, „würde dies 1,14 Euro pro Quadratmeter bedeuten.“

Und das im hochpreisigen Tübingen? Das kann, das darf dann doch nicht sein. Anderseits wäre eine Anpassung der Musikschul-Miete auf marktgerechte sechs Euro, wie sie die Verwaltung empfiehlt, auch nicht ohne weiteres zu schultern. Da müsste die Musikschule statt 55.000 Euro künftig eben 234.000 Euro blechen – eben 426 Prozent so viel. Das wäre aber Wucher, wie er im Buche steht.

Wie gut allerdings, dass der Laden inzwischen der Stadt gehört. So gerät das ganze nur zu einem Buchungsvorgang, der am Ende sogar der Transparenz dient. Bevor das marode Gebäude ab kommenden Januar vom Bestand der GWG zur Verwaltung der Fachabteilung Gebäudetrieb wechselt, wird schnell noch bereinigt, was nach verdeckter Subvention aussehen könnte. Denn eines ist vor allem klar: Aus eigenen Mitteln könnte die Musikschule selbst weniger horrende Mieterhöhungen keinesfalls mittragen.

Also erhöht die Stadt künftig den kommunalen Zuschuss um jene 234.000 Euro, die dann vom Musikschul-Eigenbetrieb wieder an die Fachabteilung Gebäudebetrieb zurückfließen. Das ist, nach dem Prinzip „rechte Tasche, linke Tasche“, für die Stadt „haushaltsneutral“, wie es heißt. Und alles ist in bester Ordnung.

Überhaupt, findet Ingo Sadewasser, lässt es sich gut an seit knapp einem Jahr, seit der langjährige Saxophonlehrer nun an der Spitze der Musikschule steht. „Das ist auch mein Anliegen, die Kosten transparenter zu machen“, sagt Sadewasser. Und er sieht die Musikschule inzwischen auf dem richtigen Weg, es sei Ruhe eingekehrt. Viele Dinge hätten sich positiv verändert, die Lage am Haus habe sich, wie auch die Schülerzahlen, stabilisiert.

1241 Anmeldungen sind es derzeit zum Stichtag 1. Dezember. Zusammen mit den Kooperationen mit Kitas und Schulen, kommt die Musikschule auf 1575 Meldungen.

Und das nun so teure Gebäude, in das es hinein regnet – soll man bleiben oder sich eine neue Bleibe schaffen? Das sei ein Thema fürs neue Jahr, meint Sadewasser, da müsse was geschehen. „Wir haben jetzt erstmal unsere Hausaufgaben gemacht.“ Nun werde man mit der Stadt weitersehen. „Von unserem Nutzungsbedürfnis“, sagt Sadewasser, „passt das Gebäude gut.“ Zu hören ist aber auch , dass die Musikschul-Zukunft auf der städtischen Agenda schon wieder nach hinten rutscht. Schade, dass sie nun nicht mit Mietminderung drohen kann.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

18.12.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball