Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Urteil

Muslimische Mädchen müssen mit Jungs schwimmen

Der Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg stellt die Integration der Kinder über die Religionsfreiheit.

11.01.2017
  • DPA

Straßburg. Aus religiöser Überzeugung hat ein muslimisches Elternpaar aus Basel gegen die Teilnahme ihrer Töchter am gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen geklagt. Am Dienstag lehnte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Beschwerde ab. Die Eltern haben der Schweiz eine Verletzung der Glaubensfreiheit vorgeworfen.

Die Schweizer Behörden durften der Schulpflicht und der Integration der Kinder Vorrang einräumen gegenüber dem religiös begründeten Wunsch der Eltern nach einer Befreiung, entschieden die Richter in Straßburg. Den Eltern waren Bußgelder auferlegt worden, weil sie sich weigerten, ihre Töchter zum Schwimmunterricht zu schicken. Die Kläger kamen ursprünglich aus der Türkei, haben mittlerweile aber auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Außerdem sei es wichtig für die Kinder, an gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen, unabhängig von der Herkunft oder der religiösen Überzeugung der Eltern. Die Behörden hätten diesen auch angeboten, dass die Mädchen einen Ganzkörperbadeanzug tragen und sich getrennt von den Jungen umziehen können.

Das Alter der Mädchen spielte für das Straßburger Urteil im Gegensatz zu den Schweizer Behörden keine Rolle. Die Eidgenossen hatten eine Ausnahme von der Teilnahmepflicht noch mit der Begründung abgelehnt, dass die Mädchen die Pubertät noch nicht erreicht hatten. Die nationalen europäischen Gerichte werden das Straßburger Urteil bei künftigen Streitfällen berücksichtigen müssen.

Es liegt allerdings auf einer Linie mit der deutschen Rechtsprechung: 2013 war eine Frankfurter Schülerin vor das Bundesverwaltungsgericht gezogen. Die Eltern des marokkanisch-stämmigen damals elfjährigen Mädchens hatten die Befreiung vom Schwimmunterricht beantragt. Sie verwiesen auf muslimische Bekleidungsvorschriften. Auch hier stellten die Richter den staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag über die Glaubensfreiheit und verwiesen ebenfalls auf den sogenannten „Burkini“ als akzeptablen Kompromiss. Die Schülerin zog mit ihrer Beschwerde gegen das Urteil vor das Bundesverfassungsgericht, das die Verfassungsbeschwerde jedoch nicht zur Entscheidung annahm. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball