Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Absturz am Geburtstag

Mutter, Tochter und der Alkohol - ein Suchtfilm aus Tübingen hatte Premiere

"3 Tage" heißt der Spielfilm, den die Tübingerin Mira Keßler zum Thema Alkoholismus gedreht hat. Am Freitag, 12. Juni, wird der 45-Minüter im Kino Atelier uraufgeführt.

10.06.2015
  • che

Als Mandy (Marie-Teres Mayer) am Nachmittag nach Hause kommt, hat ihre allein erziehende Mutter Susanne (Dagmar Jesussek) schon einiges intus – schließlich ist ihr 36. Geburtstag, "und den muss man feiern". Trotzdem rückt die Tochter mit dem lange verschwiegenen Plan heraus, dass sie demnächst ausziehen wird – was die Situation noch weiter verschärft. Aus Angst vor der Einsamkeit säuft sich Susanne bis zum Abend vollends besinnungslos. An den folgenden zwei Tagen versuchen Mutter und Tochter, die Trümmer des Absturzes wegzuräumen – mit durchwachsenem Erfolg.

Beeindruckend intensiv schildert Mira Keßler in ihrem ersten längeren Spielfilm den Teufelskreis, in dem sich ein Alkoholkranker befindet, wie auch die psychischen Belastungen, denen Angehörige ausgesetzt sind. Man merkt, dass die Regisseurin kennt, wovon sie erzählt. Ausgangspunkt war eine Tragödie im Bekanntenkreis, das Schicksal einer zweifachen Mutter, die an den Folgen ihrer Sucht gestorben ist. "Der Film ist eine Hommage an sie", sagt Keßler. Vor allem aber wollte die 33-Jährige dem vorherrschenden Klischeebild von pöbelnden Säufern ein psychologisch differenziertes Porträt entgegenstellen.

Als Darsteller konnte Keßler zwei Bühnenprofis gewinnen. Marie-Teres Mayer ist Ensemblemitglied der Württembergischen Landesbühne in Eßlingen. Dagmar Jesussek, die auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, arbeitet frei an verschiedenen Theatern; 2012 hat sie in Heiner Kondschaks Kinderstück "In der Höhle des Prinzen" an der Reutlinger Tonne gespielt. Gedreht wurde "3 Tage" an drei Tagen in einer Hochhauswohnung in Waldhäuser-Ost.

Mit dem Drehbuch für den Film hatte sich Keßler vor fünf Jahren an einer Filmhochschule beworben, doch aus dem Plan wurde nichts. Stattdessen absolvierte sie den Studiengang Medienwissenschaft an der Uni Tübingen und arbeitet seitdem als freie Dokufilmautorin, unter anderem für den SWR. Ihre Spielfilm-Projekte finanziert sie aus eigener Tasche, nach dem Motto: „So einfach wie möglich gute Filme machen“. Momentan laufen die Vorbereitungen für ihr erstes abendfüllendes Werk: eine Tragikomödie an den Schauplätzen Tübingen und Kairo. che

INFO: Premiere von "3 Tage" ist am Freitag um 19 Uhr im Kino Atelier. Im Anschluss spielt die Bluesband The Heavy Dogs.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.06.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige