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NSU-Mann Mundlos hatte Tarnidentität
Die Angeklagte Beate Zschäpe spricht im Gerichtssaal mit ihrem vierten Anwalt, Mathias Grasel. Foto: dpa
Kripo-Beamtin sagt im Terrorprozess aus

NSU-Mann Mundlos hatte Tarnidentität

Wie schaffte es das mutmaßliche NSU-Terrortrio, 13 Jahre lang unerkannt im Untergrund zu leben? Eine Kripo-Ermittlerin schildert im NSU-Prozess, wie einer der drei eine neue Identität angenommen hat.

26.11.2015
  • DPA

Eine Ermittlerin des Bundeskriminalamtes (BKA) hat im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München detailliert beschrieben, wie sich der mutmaßliche Rechtsterrorist Uwe Mundlos eine Tarnidentität zugelegt haben soll. Mundlos war nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft neben Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Als Beweisstück präsentierte die Polizistin die Geburtsurkunde eines mutmaßlichen Helfers, dessen Name Mundlos verwendet haben soll. Das Dokument war im Schutt der ausgebrannten Wohnung des NSU-Trios in Zwickau gefunden worden.

Auf der Rückseite habe sie zahlreiche handschriftliche Notizen gefunden, sagte die Ermittlerin. Darin seien die aktuelle und frühere Adressen des Namensgebers vermerkt gewesen. Außerdem hätten sich darauf Einzelheiten zu seiner Familie befunden, etwa das Geburtsdatum seiner Schwester. "Im Ganzen sieht es so aus, als sei auf der Rückseite ein detaillierter Lebenslauf entstanden von jemandem, der versucht, sich diese Daten einzuprägen." Laut einer graphologischen Untersuchung stammt die Handschrift wahrscheinlich von Mundlos.

Auch der Namensgeber sei von der Polizei vernommen worden, sagte die Polizistin. Er habe dabei zugegeben, Mundlos einen Personalausweis gegeben zu haben. Damit habe Mundlos mit falschem Namen und einem eigenen Passbild einen Reisepass beantragen können. Dank des Reisepasses habe Mundlos weitere Dokumente bekommen, darunter eine Bahncard. Zudem habe er mutmaßlich den Pass verwendet, um ein Bankkonto einzurichten.

Das OLG wertete außerdem Beweismittel aus, die den mitangeklagten mutmaßlichen Terrorhelfer Holger G. belasten könnten. So zeigte das Gericht Fotos, auf denen G. und ein Freund an einem Tisch sitzen, auf dem ein Haufen weißes Pulver zu sehen ist. Dabei könne es sich um Kokain oder Speed handeln, sagte eine weitere Ermittlerin. Auf dem Handy von G. seien außerdem rechtsradikale Musiktitel sowie Fotos und SMS mit rechtsradikalen Bezügen gefunden worden.

Zschäpe-Anwalt Wolfgang Stahl warf G. daraufhin vor, er sei nicht glaubwürdig. G. hatte zu Beginn des NSU-Prozesses eine Aussage verlesen und Zschäpe belastet. Er hatte eingeräumt, dem Trio Personalpapiere und eine Krankenkassen-Karte beschafft zu haben. Das Trio habe er aus seiner Heimatstadt Jena gekannt und den Kontakt auch nach seinem Umzug nach Niedersachsen gehalten. 2004 sei er aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen. G. hatte ein Drogenproblem eingeräumt. Allerdings habe er die Sucht in den Griff bekommen.

Zschäpe ist im NSU-Prozess die Hauptangeklagte. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft bei zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen vor. Mundlos und Böhnhardt sollen sich nach einem gescheiterten Banküberfall im November 2011 in Eisenach das Leben genommen haben.

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26.11.2015, 08:30 Uhr

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