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Die anderen Erwachsenen

Nach 20 Jahren ist die Schulsozialarbeit in Rottenburg eine feste Größe

1994 wurde an der Hohenberghauptschule die erste Stelle für einen Schulsozialarbeiter in Rottenburg eingerichtet. Inzwischen sind Schulsozialpädagogen an allen weiterführenden Schulen der Stadt im Einsatz.

17.10.2014
  • Hete Henning

Rottenburg. Hatte die Hohenberghauptschule vor 20 Jahren das auf sozialen Zündstoff hindeutende Etikett „Brennpunktschule“, sei Schulsozialarbeit inzwischen selbstverständlich und ein schulisches Qualitätsmerkmal geworden, sagte Stefan Schmeckenbecher gestern bei einem Pressegespräch.

Schmeckenbecher leitet das Team „Schulbezogene Hilfen“ beim Verein Diasporahaus Bietenhausen. Der Jugendhilfeträger leistet inzwischen Schulsozialarbeit an allen weiterführenden Schulen Rottenburgs, auch an den Gymnasien. „Wir sind eine feste Größe im System Schule geworden“, sagt Frida Löffler, die Schulsozialarbeiterin am Eugen-Bolz-Gymnasium.

Gudrun Wahl-Nisi ist als Geschäftsbereichsleiterin Jugendhilfe beim Diasporahaus für den Raum Rottenburg zuständig. Sie spricht im Zusammenhang mit der Schulsozialarbeit von einer „noch relativ jungen Profession an der Schule“. Wie jung, zeigt sich daran, dass etwa das Paul-Klee-Gymnasium erst 2012 mit einer 25-Prozent-Stelle ausgestattet wurde. Schulsozialarbeit, so Wahl-Nisi, wirke vermittelnd, klärend, hinterfragend, gestaltend und trage mit neuen Blickwinkeln zum Miteinander von Schülern, Lehrern und Eltern bei. Und ganz wichtig: Sie wirke nicht disziplinarisch auf die Schüler und Schülerinnen ein.

Schmeckenbecher teilt sich mit Judith Witt eine volle Schulsozialarbeiterstelle an der Realschule im Kreuzerfeld. „Wir sind signifikant andere Erwachsene an der Schule“, beschreibt er seine Rolle und die seiner Kollegen und Kolleginnen. „Wir müssen niemanden beurteilen oder benoten.“ Das Gespräch sei für jeden Schüler, jede Schülerin freiwillig und der Inhalt vertraulich.

Beratung, Prävention und Krisenbewältigung: Das sind laut Frida Löffler die „drei Säulen“ der Schulsozialarbeit. Es gehe, verdeutlicht Wahl-Nisi, um die Beratung von Schülern, Eltern und Lehrern im Zusammenhang mit allen Problemen, die an der Schule entstehen. Über das soziale Kompetenztraining für Fünftklässler, aber beispielsweise auch über erlebnispädagogische Tage oder eine Outdoor-AG, wie Schmeckenbecher sie an der Kreuzerfeld-Realschule anbietet, machen die Schulsozialpädagogen sich als potenzielle Ansprechpartner bekannt.

Durch die Veränderung der schulischen Konzepte, hin zur Inklusion und vor allem hin zur Ganztagsschule, müssten auch die Schulsozialpädagogen vor Ort „ihre Zuständigkeit immer wieder neu definieren“, so Schmeckenbecher. Die Veränderungen zielten zwar auf eine Verbesserung des Bildungsangebots ab, „gleichzeitig schaffen sie aber wiederum Bedarfe“.

Ein Problem sei beispielsweise die „Dauerbegleitung“ der Kinder an der Ganztagsschule gekoppelt mit der pausenlosen Gruppensituation und dem dazu gehörenden Lärmpegel. Manchem Kind, das morgens vielleicht schon frustriert in die Schule komme, gehe da irgendwann „der Deckel hoch“.

Rückzugsräume gebe es etwa an der Realschule nicht. „Wir können unser eigenes Büro bieten“, sagt Schmeckenbecher, „wo es vielleicht einen Tee gibt und einen Keks, und wo man auch mal heulen darf.“ Der Platz in seinem Büro an der Hohenbergschule, fügt der dortige Sozialarbeiter Bruno Krauß hinzu, sei so eng bemessen, dass das kaum möglich sei. Dazu komme ein weiteres Problem: „Wir können nicht immer da sein, weil wir noch viele andere Aufgaben haben“ – Termine mit Eltern oder Lehrern beispielsweise. Eine Aufstockung der Schulsozialarbeiterstellen, findet Krauß, sei durchaus wünschenswert.

Der Jugendhilfeträger Diasporahaus Bietenhausen leistet in Rottenburg seit 1994 und an mittlerweile sechs Schulen Sozialarbeit in unterschiedlichem Umfang: Die Skala reicht von einer Zwölf-Prozent-Stelle für sozialpädagogische Beratung an der katholischen Privatschule St. Klara und einer 25-Prozent-Stelle am Paul-Klee-Gymnasium über eine 50-Prozent-Stelle am Eugen-Bolz-Gymnasium bis hin zu vollen Stellen an der Hohenbergschule, der Realschule auf dem Kreuzerfeld und der Gemeinschaftsschule Ergenzingen.
Außerdem ist das Diasporahaus Bietenhausen Träger der Schulsozialarbeit an der Grundschule Starzach sowie der Gemeinschaftsschule Rangendingen-Hirrlingen, wo in den Jahren 2012 beziehungsweise 2010 jeweils eine halbe Stelle eingerichtet wurde.

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17.10.2014, 12:00 Uhr

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