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Freispruch für Hells Angel

Nach Schlägerei in der Markthalle bleiben viele Zweifel

In dubio pro reo: Der Hells Angel, der im Juni 2009 bei einer Nachtschwärmer-Party einen Mann niedergeschlagen und schwer verletzt haben soll, wurde gestern freigesprochen. Zu groß waren die Zweifel an seiner Täterschaft.

04.02.2010
  • uschi kurz

Nach Schlägerei in der Markthalle bleiben viele Zweifel
Haben Mitglieder der Hells Angels mit Vorurteilen und Vorverurteilungen zu kämpfen, weil sie die Gesinnung auf ihrer Kutte tragen? Bild: Franke

Reutlingen. „Sie sind nicht immer schuld Herr P.“, lautete das Schlusswort in der Urteilsbegründung von Steve Schulze. Zuvor hatte der Amtsrichter mit seiner Kritik an den Ermittlungen nicht hinterm Berg gehalten. Wie berichtet, waren in der fraglichen Nacht in der Markthalle, nachdem es dort den Hinweis gegeben hatte, ein Hells Angel könnte der Täter sein, die beiden ermittelnden Beamten abgezogen worden: „Dies war absolut unnötig.“ Viel sinnvoller wäre es gewesen, wenn am Tatort weitere Befragungen erfolgt wären.

Gleichwohl hegte er keinerlei Zweifel an der Aussage des ermittelnden Beamten. Der habe die Aussagen mit Sicherheit richtig protokolliert, aber wo der Zeuge seine Aussage her habe, könne nicht mehr nachvollzogen werden: „Da schrien alle rum, der mit der Kutte war‘s.“ Ein Grundproblem, gab Schulze dem Angeklagten recht, sei, dass, „wann immer einer mit der Kutte dabei war“, es gleich heiße der Hells Angel war‘s. Das könne nicht sein. Er betonte allerdings auch, wie zuvor bereits Staatsanwalt Helmut Zach, dass „einiges gegen den Angeklagten“ spreche.

Beispielsweise die Tatsache, dass der 45-Jährige nach dem Vorfall fluchtartig die Markthalle verlassen hatte und später zunächst sogar bestritt, dort gewesen zu sein. Anders als der Staatsanwalt, der auf Freispruch plädierte, weil die Schuld nicht bewiesen werden konnte, war der Richter schließlich sogar überzeugt, dass der Angeklagte nicht der Schläger war. Auch die Version vom unbekannten Dritten, einem südländischen „Kickboxer“, der sich dem Angeklagten nach dessen Angaben in der Nacht aufgedrängt hatte, hielt er für wahrscheinlich: „Dass es eine dritte Person gab, die sich profilieren wollte“, sei durchaus denkbar.

Verteidigerin Martina Kohler zeigte sich zufrieden über den Freispruch, im Gegensatz zum Staatsanwalt, hielt sie Zweifel an der Unschuld des 45-Jährigen jedoch für gänzlich ausgeräumt. Die Ermittlungen hätten zweifelsfrei ergeben, „dass es mein Mandant gar nicht gewesen sein kann“.

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04.02.2010, 12:00 Uhr

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