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In Reutlingen schreibt Transtec schwarze Zahlen

Nach Schrumpfkur und Umzug in den Technologiepark will der Computer-Dienstleister wieder spürbar zulegen und zukaufen

Am neuen Standort im Technologiepark an der Reutlinger Stadtautobahn ist die Transtec AG nach langen Tübinger Krisenjahren wieder auf Wachstumskurs. Der Sparkurs hat gegriffen – jetzt will die Firma erneut expandieren. Das haben die Aktionäre bei der Hauptversammlung am Donnerstag im Bühler Schloss-Saal erfahren.

16.07.2015
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Die Schrumpfkur ist abgeschlossen. Und Transtec ist raus aus der langen Durststrecke mit Negativ-Bilanzen (siehe Kasten). Die Aktiengesellschaft hatte Ende vorigen Jahres international noch 119 Mitarbeiter, 86 am Standort Reutlingen. Vor zwei Jahren hat die Aktiengesellschaft 28 Prozent ihres Personals abgebaut – hauptsächlich durch die Auslagerung von Produktion und Logistik an einen externen Dienstleister in Herrenberg. Das Outsourcing sparte, wie geplant, 2,3 Millionen Euro Kosten ein.

Mittlerweile stellt das Unternehmen freilich wieder Mitarbeiter ein, sagt Vorstand Hans-Jürgen Bahde. Die Auftragseingänge hätten im ersten Halbjahr 2015 um 18 Prozent über dem Vorjahreszeitraum gelegen. Eine Kapitalerhöhung hat inzwischen neues Geld in die Kasse gespült. Auf zwei bisherige Aktien kam eine neue. Transtec hat 1,9 Millionen Aktien neu ausgegeben, die Nachfrage sei sogar höher gewesen.

Die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Adiuva Capital hält als Hauptaktionär nun 71,4 Prozent der Anteile. Firmengründer Bernhard Bruscha besitzt nur noch 15,9 Prozent der Aktien, der Rest ist in Streubesitz. Die Eigenkapitalquote stieg von 22 auf 35,4 Prozent. Und das Geld arbeitet schon. Ende 2014 hat Transtec die Reutlinger Romnus IT-Systeme GmbH mit neun Mitarbeitern geschluckt – und plant neue Zukäufe noch im laufenden Jahr. Der neue Hauptaktionär investiere und stelle Gesellschafter-Darlehen nicht zuletzt auch für Firmen-Zukäufe zur Verfügung, die dann aus dem zukünftigen Gewinn zurückbezahlt werden sollen, schwärmt der Vorstand.

„Die Transtec von heute hat nichts mehr mit der von gestern zu tun“, sagt Bahde im TAGBLATT-Gespräch. Im April war der Umzug aus der Tübinger Waldhörnlestraße in den Technologiepark Tübingen-Reutlingen im Industriegebiet Mark West abgeschlossen. Transtec hat dort drei Etagen gemietet. Mit dem Rechenzentrum im Untergeschoss sind es 1700 Quadratmeter Nutzfläche. Das i-Tüpfelchen auf dem Umbau ist das neue Warenwirtschaftssystem, das nach einjährigem Vorlauf im September in Produktion gehen soll.

Transtec hat den Schwerpunkt systematisch weg vom klassischen PC-Massengeschäft verlagert. Im Bereich „Produkte und Lösungen“, der zuletzt gut die Hälfte des Umsatzes ausmachte, geht es etwa um Server, Speicher und Cloud-Systeme. Zwölf Umsatz-Prozent machen Spezialsysteme nach Kundenwünschen aus.

Der eigentliche Trend geht aber zum „High Performance Computing“ für Rechenzentren: Entwicklung, Verkauf und Betreuung von Hochleistungsrechnern macht schon 34 Umsatz-Prozent aus – Tendenz steigend. „Wir vergleichen uns nicht mit IBM“: Transtec möchte in diesem Segment europäischer Marktführer bei konzernunabhängigen Anbietern werden, derzeit rangiere die AG unter den Top-Sechs.

Die Kundenliste reicht hier vom Genfer Teilchenbeschleuniger CERN über öffentliche Verwaltungen, Universitäten hin zu Autoindustrie und Gesundheitsforschung. Für ein Rechnersystem zur Gen-Sequentierung bei Bayer hat Transtec den renommierten „Beacon Award“ von IBM gewonnen.

Transtec ist derzeit in sechs europäischen Ländern vertreten und möchte durch neue Zukäufe noch internationaler werden. Im laufenden Geschäftsjahr will die AG in allen Feldern wachsen und wieder die 50-Millionen-Umsatzmarke knacken. Wie schon vor der Finanzkrise. Bahde: „Der Markt für Hochleistungsrechner wächst 7,4 Prozent im Jahr. Davon wollen wir profitieren.“

Nach Schrumpfkur und Umzug in den Technologiepark will der Computer-Dienstleister wieder spürbar
H.J. Bahde

Im Vorjahr war bei Transtec der operative Überschuss von 445.000 Euro noch dem Verkauf der Immobilie in der Waldhörnlestraße geschuldet gewesen. Für 2014 schlägt nun mehr als eine halbe Million Plus vor Steuern zu Buche – diesmal aus dem operativen Geschäft heraus, sagt Transtec-Vorstand Hans-Jürgen Bahde stolz: „Wir sind profitabel.“ Der Umsatz ist aufgrund neuerlicher Verschlankung des Produktportfolios wieder leicht auf 42,2 Millionen Euro gesunken. Den erzielten Gewinn von 439.000 Euro nach Steuern wolle Transtec reinvestieren. Mittelfristig, in zwei bis drei Jahren wolle die Aktiengesellschaft, erstmals seit dem Jahr 2000, wieder eine Dividende ausschütten. Bahde: „Das ist unser erklärtes Ziel.“ Der Aktienkurs stieg voriges Jahr bis auf 2,89 Euro, derzeit rangiert er bei 1,77 Euro.

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16.07.2015, 12:00 Uhr

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