Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kunstradfahren: Weltmeisterliche Geschwister

Nach „Seuchenjahr“ verteidigt Benedikt Bassmann den WM-Titel

Daran hat Benedikt Bassmann, Kunstradfahrer des SV Mergelstetten, vor zwei Jahren wohl nur im Traum geglaubt: Zusammen mit seiner Schwester Luisa sicherte sich der 20-jährige Lehramtsstudent der Uni Tübingen 2011 im ersten Jahr im Erwachsenenbereich den Weltmeistertitel in der offenen Klasse. In diesem Jahr wiederholten die Geschwister das Meisterstück.

15.12.2012
  • Florian Rotberg

Tübingen. Bei der Heim-Weltmeisterschaft am 2. November in Aschaffenburg verteidigte das Kunstrad-Duo den Titel, den es 2011 in Kagoshima (Japan) gewonnen hatte. Nach einem Jahr, das sich aus Benedikt Bassmanns Sicht als „Seuchenjahr“ bezeichnen lässt, war der Titel ein krönender und nicht zu erwartender Abschluss. „Ich hatte im Januar eine Blinddarm-Operation, die mich einige Zeit außer Gefecht gesetzt hat. Zudem hatte ich mir den Ellenbogen auskugelt und musste zwei Wochen wegen einer Gehirnerschütterung pausieren“, berichtet Benedikt Bassmann, der neben Sport noch Mathe für das Lehramt studiert. „Daher habe ich nicht geglaubt, dass es mit der Titelverteidigung so schnell klappt, und es war umso erfreulicher.“

Die Weltmeisterschaft in Aschaffenburg war für den Heidenheimer, der in Kusterdingen in einer Wohnung lebt, stimmungstechnisch ein ganz anderes Erlebnis als 2011 in Japan. Die Kulisse von etwa 4500 Zuschauern in der Großsporthalle in Aschaffenburg, in der normalerweise die Handballer des TV Großwallstadt auflaufen, sei schon besonders gewesen. „Die Halle war ein Hexenkessel, da die Besucher nur vier bis fünf Meter von der Wettkampffläche entfernt saßen“, sagt Bassmann.

Wenn man so will, haben die Bassmanns im Kunstradfahren bereits mit 18 (Luisa) und 20 Jahren alles erreicht. Den zwei WM-Titeln 2011 und 2012 in der offenen Klasse – hier dürfen seit einer Reglementänderung neben Männerpaaren auch gemischte Paare antreten – ging unter anderem ein Europameistertitel im Juniorenbereich voraus. Lässt sich die Karriere der Sportler des SV Mergelstetten überhaupt noch toppen, da Kunstradfahren nicht-olympisch ist? „Ein dritter WM-Titel wäre natürlich schön. Wir haben alles erreicht, wollen jetzt aber nicht nur im Mittelfeld mitfahren. Im Kunstradsport ist man erst ab Anfang 30 alt“, sagt Bassmann.

Wie an den beiden Weltmeistertiteln unschwer zu erkennen ist, gelingt Bassmann der Spagat zwischen Sport und Studium ganz gut. An der Uni ist er dankbar für die Unterstützung durch die Spitzensportfördderung, die Dozentin Verena Burk verantwortet. Sein Stundenplan wird so ausgerichtet, dass er keine Traningseinheiten verpasst. „Durch das Training fehlt mir natürlich etwas Zeit zum Lernen. Daher sollte ich die Zeit für das Studium optimal nutzen, was mir aber nicht immer gelingt“, gesteht er schmunzelnd. Unter der Woche trainieren die Bassmanns einmal in Wendlingen. Für beide Geschwister eine gute Lösung, da Luisa bei Ulm eine Ausbildung zur Physiotherapeutin macht und die Wege ansonsten zu weit wären.

Beim Training ist Mutter Elke immer mit dabei, die Trainerin ihrer Kinder ist. Das familiäre Umfeld beim Kunstradfahren bringt einige Vorteile. „Bei der eigenen Schwester ist es einfacher, Kritik zu äußern. Auf der anderen Seite brauchen wir weniger Worte, um uns zu verstehen. Mit einem anderen Partner wäre dies schwieriger“, sagt Benedikt Bassmann.

Am Wochenende investiert der 20-Jährige die meiste Zeit in den Kunstradsport. Dann stehen Lehrgänge in ganz Deutschland oder Training von Freitag bis Sonntag an. Mit Kraft- und Ausdauertraining summiert sich sein Aufwand auf 15 bis 17 Stunden die Woche. Dies erklärt, dass der Weltmeister, der bis 2007 noch alleine Kunstrad gefahren ist, bisher noch kein Wochenende seit Beginn des Studiums in Tübingen verbracht hat. „Es ist schade, dass ich das Wochenende hier nicht mitbekomme“, sagt Bassmann, der aber weiß, wo man unter der Woche feiern kann: „Ich war zwar erst zwei bis drei Mal dort, aber meine Lieblingslocation ist das Top Ten.“

Trotz zweier WM-Titel lässt sich im Kunstradsport kein Geld verdienen. „Wir suchen immer nach Sponsoren, aber in Heidenheim wird eben die Drittliga-Fußballmannschaft gesponsert. Da ist es schwer für uns“, sagt Bassmann. Bei der Sportlerwahl 2011 der Heidenheimer Tageszeitungen drehte das Kunstrad-Duo allerdings den Spieß um, ließ die Fußballer hinter sich und gewann in der Kategorie Mannschaft den Titel „Sportler des Jahres“. Obwohl er in einer Randsportart aktiv ist und damit kaum was verdienen kann, mag Bassmann nicht klagen. Er liebt seinen Sport. Räder und Reifen spielen in seinem Leben eine große Rolle – seine Hobbies: Auto-, Rennrad- und Mountainbikefahren.

Nach „Seuchenjahr“ verteidigt Benedikt Bassmann den WM-Titel
Benedikt Bassmann mit Schwester Luisa beim Weltmeisterschafts-Triumph 2011 in Kagoshima.

Nach „Seuchenjahr“ verteidigt Benedikt Bassmann den WM-Titel
Benedikt Bassmann im Atrium im Institut für Sportwissenschaft an der Uni Tübingen.

Die größten sportlichen Erfolge von Benedikt Bassmann: Deutscher Meister und Europameister 2010 bei den Junioren (offene Klasse), Deutscher Meister 2012 im Erwachsenenbereich (offene Klasse), Weltmeister bei den Erwachsenen 2011 und 2012 (offene Klasse), erster Platz im UCI-Ranking 2011.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.12.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball