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Viel Ärger über Kabel BW

Nach TAGBLATT-Berichten meldeten sich weitere betroffene Kunden

Plötzlich ist das Telefon tot und das Internet gleich mit – und das für viele Wochen. Bei einer anderen Kabel-BW-Kundin wurde das E-Mail-Fach gesperrt. Und es gibt weiter Ärger um einen dreist bis bedrohlich auftretenden, angeblichen „Medienberater“ des Unternehmens.

28.06.2014
  • Volker Rekittke

Kreis Tübingen. „Wir wollen mit denen nichts mehr zu tun haben – es reicht jetzt“, sagt Regina Brehm. Die Tübinger Altstadtbewohnerin und ihr Mann Michael sind seit zwei Monaten ohne Festnetztelefon und Internet. Von jetzt auf nachher habe Kabel BW am 28. April beides abgestellt: „Wir sind von der Außenwelt abgeschnitten.“

Nach TAGBLATT-Berichten meldeten sich weitere betroffene Kunden
„Solange die Verträge verkaufen können ist alles super – aber helfen tut einem danach keiner mehr“, sagt Regina Brehm, hier mit ihrem Mann Michael vor dem Kabel-BW-Shop in der Kornhausstraße in der Tübinger Altstadt. Seit ihr Festnetz tot ist, können sie nur noch mit dem Handy telefonieren.

Nach etlichen ebenso nervigen wie teuren Handy-Anrufen bei der Hotline des Unternehmens, nach Beschwerdebriefen und zwei erfolglosen Techniker-Besuchen platzte dem Ehepaar der Kragen: Sie nahmen sich eine Anwältin, kündigten die Einzugsermächtigung und den Vertrag, stellten Schadensersatzforderungen über bislang mehrere hundert Euro für Mobilfunk, einen Internet-Stick zum mobilen Surfen und für die Anwältin. Und sie wechseln demnächst zur Telekom.

Schwer genervt von Kabel BW ist auch Klaus Lehmann. Der Mähringer wollte eigentlich nur einen Zusatzdienst und einen Zweitanschluss bestellen. Auf das versprochene neue Modem („kommt innerhalb einer Woche“) wartete er einen Monat, die Leitung für den zweiten Anschluss legte er schließlich selbst. Was ihn besonders ärgerte, waren die endlosen Warteschleifen in der Firmen-Hotline – einmal dudelte die Musik 75 Minuten lang – und, wenn er schließlich durchkam, die schlechte Beratung. Auch er kündigte seinen Vertrag.

„Ich will meine persönlichen Daten wiederhaben“, sagt Anja Mollenhauer, die sich selbst als „Kabel BW-Kundin der ersten Stunde“ bezeichnet. Sie kommt zwar noch ins Internet, kann aber keine E-Mails mehr abrufen, seit ihr Mailfach vor über zwei Monaten einfach abgeschaltet wurde. Rechnungen und Schul-Korrespondenz des Sohnes, persönliche Bilder und das kompletten Adressbuch – alles futsch. „Man kann doch niemanden ein Stück Lebensgeschichte einfach löschen“, sagt die Hirschauerin. Sie will von Kabel BW wissen: „Wo sind meine Daten geblieben?“ Es beunruhigt sie, dass in den Mails viele persönliche Daten standen – „die sind hoffentlich keinen Hackern in die Hände gefallen“, sagt sie angesichts von zuletzt Millionen gestohlenen E-Mail-Adressen und Passwörtern.

Und was sagt Kabel BW? Auf Mails kommt keine Antwort, und die Presse-Hotline der Bochumer Unitymedia-Kabel BW ist in Wahrheit eine Mailbox, „die mehrmals täglich abgehört wird“. Man werde sich „umgehend melden“, wird da versprochen. Was trotz mehrfacher Nachfragen bis gestern nicht geschah.

Ein anderer Fall beschäftigt einige Tübinger/innen nun schon seit Wochen. Kurz vor Pfingsten schrieben Leser, dass ein Kabel-BW-„Medienberater“ in der Gartenstraße Haushalte belästigen würde (das TAGBLATT berichtete: „Ich möchte mal an Ihre Dose“, 7. Juni, wie auch über den Fall eines anderen Mähringers: „Seit Wochen abgehängt“, 25. Juni). Daraufhin meldete sich unlängst eine weitere Betroffene, die auf dem Herrlesberg wohnt – und die mit ihren Erlebnissen schließlich sogar zur Polizei ging.

Sie sei auf ihrem Handy von eben jenem „Medienberater“ angerufen worden: Sie könne über ihre Kabel-BW-Dose, über die sie telefoniert und ins Internet geht, auch umsonst fernsehen. Das sei illegal, möglicherweise müsse sie nun Jahre rückwirkend für den TV-Anschluss zahlen. Die völlig konsternierte Frau habe sich dann noch anhören müssen: „Ich kann jederzeit bei Ihnen vorbeikommen und die Dose prüfen – und dann haben Sie richtige Probleme.“ Von der „aggressiven“ Art des Mannes habe sie sich bedroht gefühlt. Im Mai sagte sich der „Berater“ tatsächlich zu einem Besuch an, den sie verweigerte. Seltsam: Von einem Mitarbeiter im Kabel-BW-Shop in der Mühlstraße hörte sie, der Mann sei „ein Betrüger“. Dem TAGBLATT hatte ein Kabel-BW-Sprecher hingegen mitgeteilt: „Der Mitarbeiter ist im Auftrag von Kabel BW tätig.“

Was tun, wenn Telefon und Internet seit Wochen oder immer mal wieder tageweise tot sind? Kunden haben einen Anspruch auf die vertraglich zugesicherte und bezahlte Leistung, so die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Kann der Anbieter die ihm gemeldeten Störungen nicht abstellen, sollte der Kunde per Einwurf-Einschreiben eine Frist (z.B. 14 Tage) setzen und ihn auffordern, das Problem zu beheben. Geschieht dann immer noch nichts, hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht – er darf den Vertrag kündigen und kann auch Schadenersatzforderungen stellen, etwa über zusätzliche Mobilfunkkosten, die zu diesem Zweck dokumentiert werden sollten. Doch Obacht: Vor einer Kündigung sollte man zunächst prüfen, ob es vor Ort einen anderen Breitbandanbieter, etwa die Telekom, gibt. Problematisch kann bei einer kurzfristigen Kündigung auch die Mitnahme der bisherigen Rufnummer werden.

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