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Der Offenbarungseid

Nach dem Debakel gegen den Letzten: VfB zerfällt in seine Einzelteile

Der desaströse Auftritt beim 0:4 gegen Augsburg hat selbst den treusten Anhängern vor Augen geführt, wie unausgereift und instabil das Spiel der Stuttgarter ist. Zeitweise schien es wie Arbeitsverweigerung.

23.11.2015
  • ARMIN GRASMUCK

Stuttgart Am Ende konnten es die eingefleischten Fans in der Cannstatter Kurve nur mit dem wuchtigen Schuss voll Sarkasmus ertragen. Zehn Minuten vor dem Schlusspfiff schubsten sie "La Ola", die Welle, an. Sie riefen, klatschten, warfen die Hände in die Höhe - und animierten die anderen Zuschauer in der Arena zum Mitmachen. Die Welle lief allerdings immer wieder ins Leere, weil das Stadion am Neckarufer zu diesem Zeitpunkt bereits halb leer war. Dann johlten sie die Siegerhymne "Oh, wie ist das schön!". Die Höchststrafe für die Spieler des VfB Stuttgart, die 0:4 zurück lagen und sich längst aufgegeben hatten. Als sie wenig später vom Platz trotteten, wurden sie von einem Pfeifkonzert begleitet. Alexander Zorniger, der Trainer, war da längst in der Kabine verschwunden.

Nach dem Debakel gegen den Letzten: VfB zerfällt in seine Einzelteile
Entsetzt vom Auftritt ihrer Mannschaft: Trainer Alexander Zorniger (stehend) und Manager Robin Dutt (2. v. r.). Foto: Eibner

Selbstverständlich hatte auch der eigentlich von Natur aus angriffslustige und ausgesprochen selbstbewusste Fußballlehrer den derben Absturz der Atmosphäre auf der Tribüne registriert. Viel schlimmer dürfte ihm jedoch der Auftritt seiner Mannschaft auf den Magen geschlagen haben. Das Debakel im Heimspiel gegen den Tabellenletzten aus Augsburg offenbarte eindrucksvoll und ausgeprägt, wie weit die Stuttgarter von den eigenen Ansprüchen und von Fußball auf dem Niveau der Bundesliga entfernt sind. Kein Biss, keine Idee, kein Rückgrat - es mangelte an allem und in allen Bereichen. "Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren und waren nicht in der Lage, zuzulegen", so analysierte Zorniger ungewohnt offen - und fügte in kryptischen Worten hinzu: "Die Körpersprache hat nicht gepasst. Es muss irgendwas gegeben haben, was ich übersehen habe, deshalb ziehe ich mir den Hauptschuh an." Was er konkret damit meinte, wollte er keinem erläutern.

Der Trainer des VfB wirkte erschüttert und desillusioniert. Gerade die Art und Weise, wie sich seine Spieler in der zweiten Hälfte ihrem Schicksal ergeben hatten, schien wie eine einzige Bankrotterklärung - speziell für ihn und seine Arbeit. Es war kein Wille, kein Aufbäumen zu erkennen. Vielmehr wirkten die VfB-Profis schrecklich hilflos bis lustlos, von den kapitalen Fehlern, hinten wie vorne, ganz abgesehen. Die Partie gegen Augsburg war mit Abstand die dürftigste in dieser Saison. Der Trend spricht klar gegen Zorniger und seine hoch gesteckten Ziele.

Zumindest einige der Klubverantwortlichen sehen sich nach dem Untergang gegen das Schlusslicht auf schmerzliche Weise in ihren Zweifel an der Arbeit des in vielerlei Hinsicht ungestümen, unprofessionellen und unbelehrbaren Trainers bestätigt. Zorniger spielt bereits seit Wochen auf Bewährung.

Es ist allein die zögerliche Haltung der VfB-Bosse, die ihn bis heute unbeirrt arbeiten lassen. Der verheerende Auftritt vom Samstag erhöht den Druck auf Präsident Bernd Wahler und seine Mitstreiter an der Spitze des Traditionsvereins. Der Kredit, den sie dem Trainer und sich selbst für die Umsetzung des neuen sportlichen Konzepts gegeben haben, scheint aufgebraucht. Jede weitere Schlappe fällt auch auf sie zurück. Die Kluboberen, intern rege im Dialog, verweigern konsequent die offene Analyse. Sportvorstand Robin Dutt, auf seinem Posten ähnlich unerfahren und offensichtlich überfordert wie Zorniger, scheint von der brutalen Talfahrt genauso überrascht wie der Präsident - den Plan B, der aus der Krise herausführt, lässt er vermissen.

Diese Serie aus bitteren Pleiten, Pech und Pannen steckt zwangsläufig die Spieler an. Auch die Anhänger sind mit der Geduld am Ende - ihre Hohn- und Spottgesänge waren sehr deutlich im Ausdruck.

Keine Ausreden Nach dem Debakel gegen Augsburg waren die Spieler des VfB fix und fertig. Für ihre kaum zu erklärende Darbietung fanden sie keine Entschuldigungen. Kapitän Christian Gentner sprach von „einer Katastrophe“. Florian Klein gestand: „Ich habe zum ersten Mal in dieser Saison das Empfinden, dass wir versagt haben.“ Sportvorstand Robin Dutt drohte eine schonungslose Analyse an: „Wir können nach so einem Spiel nicht sagen: Mund abwischen und weiter.“ Statt mit dem fest eingeplanten dritten Heimsieg hintereinander sich etwas aus der Gefahrenzone absetzen zu können, stecken die Stuttgarter nun noch tiefer im Abstiegskampf. Mit 31 Gegentoren nach 13 Spieltagen entwickelt sich die amateurhaft wirkende Abwehr zur Schießbude der Liga. dpa

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23.11.2015, 12:00 Uhr

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