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Fahren oder nicht?

Nach den Anschlägen stellen Schulen geplante Paris-Reisen in Frage

Deutsch-französische Schulen wollen sich nach den Terrorattacken in Paris nicht einschüchtern lassen. Dennoch ist die Frage: Absagen oder nicht? Viele Schulen wollen nicht am Schüleraustausch rütteln.

23.11.2015

Von DPA

Stuttgart Die Terroranschläge in Paris haben im Südwesten auch Folgen für geplante Klassenfahrten. Bei Schüler-Reisen nach Frankreich gibt es mitunter Absagen - viele Schulen wollen den deutsch-französischen Austausch trotz mancher Ängste aber nicht einschränken. Vor allem Schulen im Nachbarland stoppen Fahrten nach Deutschland. Damit folgen sie einer Anweisung des französischen Bildungsministeriums.

"Wir wollen den Kontakt nach Frankreich eher intensivieren, als von terroristischen Anschlägen lahmlegen lassen", sagte die Schulleiterin des Stuttgarter Wagenburg-Gymnasiums, Petra Wagner. Dort sind 200 von gut 600 Schülern Franzosen. Am Freitag wollten Schüler und Lehrer mit einem Bus nach Straßburg reisen, um eine deutsch-französische Berufs- und Studienmesse zu besuchen. Dort hieß es von den Veranstaltern: "Wir sind bis ins Mark erschüttert, aber wir lassen uns nicht einschüchtern." Auch an einer für März geplanten Begegnung in Paris mit einer Klasse aus dem französischen Le Mans will Schulleiterin Wagner festhalten: "Wenn Paris nicht geht, treffen wir uns in Le Mans."

Eine Schülergruppe des deutsch-französischen Gymnasiums in Freiburg sagte eine Fahrt zu derselben Messe in Straßburg allerdings ab - laut Schulleitung nach Anordnung der französischen Schulaufsichtsbehörde.

"Das ist ärgerlich", sagte Schulleiter Johannes Remmer. "Wir wollen am liebsten ,Business as usual' machen und zeigen, dass wir uns vom Terror nicht in unserer Freiheit einschränken lassen." Doch der Terror beeinflusst das Leben an der Freiburger Schule mit ihren 818 Schülern, darunter gut 430 Franzosen, merklich: Im Dezember sollte eine Austauschgruppe nach Freiburg kommen, die jetzt abgesagt hat. Am Wochenende können sich Schülersprecher aus Freiburg nicht wie geplant mit französischen Kollegen in Saarbrücken treffen. Dennoch seien die Beziehungen nicht auf Eis gelegt, sagte Remmer. Er wolle jetzt abgesagte Reisen später nachholen.

In Nationalfarben beleuchteter Eiffelturm in Paris: Die deutsch-französischen Schulen im Land wollen Schüler-Austausche beibehalten. Foto: dpa

Der Terror in Paris hat die Europäische Schule in Karlsruhe besonders hart getroffen. Die Tochter einer Lehrerin wurde nach Aussagen des Direktors Daniel Gassner bei den Attentaten angeschossen. Damit die Schüler die Geschehnisse verarbeiten können, plant er einen Projekttag im Dezember. Ein anstehender Ausflug ins Europaparlament nach Straßburg steht womöglich auf der Kippe. "Wir werden den Ausflug nur machen, wenn es gewünscht ist." Rund 900 Kinder aus 50 Ländern besuchen die Europäische Schule in Karlsruhe, etwa 300 davon seien französischsprachig.

Die Lehrerverbände plädieren dafür, über bereits geplante Reisen mit Eltern und Schülern zu sprechen: Fahren oder nicht fahren? "Eine Anordnung kann keine Lösung sein", sagte der Sprecher des baden-württembergischen Landesverbands Bildung und Erziehung (VBE), Michael Gomolzig. Schulen müssten mit Blick auf die Nachrichten- und Sicherheitslage zusammen mit allen Beteiligten entscheiden. Das Elsass oder Südfrankreich könnten alternative und möglicherweise weniger gefährliche Ziele als die Hauptstadt Paris sein, meinte Gomolzig. Der Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW, Matthias Schneider, sagte: "Austausche völlig einzustellen, wäre Quatsch."

Das Kultusministerium überlässt die Entscheidung, ob Fahrten nach Frankreich abgesagt werden, den Schulen. Jedes Jahr werden zwischen 200 und 300 Schüleraustausche mit Frankreich von der Landesregierung gefördert.

Wenn nicht Paris, dann Le Mans: Petra Wagner, Schulleiterin des Wagenburg-Gymnasiums in Stuttgart. Foto: dpa

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Erstellt:
23. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. November 2015, 12:00 Uhr

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