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31-Jähriger wegen Betruges festgenommen

Nach der Hokuspokus-Geldwäsche kam die Polizei

Ein 31-Jähriger hat jüngst versucht, einen 59-jährigen Tübinger mit einer zauberhaften Betrugsmasche übers Ohr zu hauen. Über den Hokuspokus war die Polizei aber schon informiert: Als der 31-Jährige mit 10.000 Euro Beute aus einer Wohnung auf der Wanne abhauen wollte, erwarteten ihn vor der Türe die Beamten.

27.09.2010
  • tol

Mitte Januar hatte die Betrugsmasche mit einer E-Mail an den 59-jährigen Tübinger begonnen. Ein Paket im Wert von 900.000 Dollar wurde ihm darin versprochen. Er müsse nur eine Sicherheitsleistung von 210 Dollar bezahlen. Was in dem Paket war, blieb vorerst geheim, berichten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Dem 59-Jährigen kam die Geschichte komisch vor. Er spielte zum Schein mit, ging aber zur Polizei. Die nutzte den Mann als Lockvogel. Die Betrugsmasche selbst kannten die Beamten schon. Über die Monate hinweg gab es rege E-Mail- und Telefonkontakte zwischen dem Tübinger und dem 31-Jährigen.

Mitte September kündigte der Unbekannte an, einen Treff in Tübingen zu organisieren. Das Paket müsse von einem sogenannten „technician-delivery agent“ (technischer Auslieferer) überbracht und entschlüsselt werden. Nur mit 10.000 Euro in 500-Euro-Scheinen sei der Code zu knacken, forderte der 31-Jährige. Denn damit würden die mitgebrachten, unkenntlich gemachten Banknoten wieder sichtbar werden.

Nach mehreren gescheiterten Vorschlägen war es vergangenen Mittwochnachmittag soweit. Die Ermittler der Kripo hatten sich an die Fersen des Verdächtigen geheftet, den Anreiseweg von Belgien über Köln und Stuttgart bis nach Tübingen verfolgt und das mobile Einsatzkommando der Landespolizeidirektion Tübingen hinzu gezogen.

In der Tübinger Wohnung angekommen machte der 31-Jährige laut der Pressemitteilung "einen unglaublichen Hokuspokus". Erst mussten alle Zimmer verdunkelt werden, dann leuchtete der Mann seine Papierschnipsel mit einer UV-Lampe ab. Mit einem sogenannten Activity Powder staubte er alle Papiere voll, die er in einer Laptop-Tasche mitgebracht hatte. Der Puder war Baby-Puder, stellte sich später heraus.

Mit diesen Aktionen könne er das Geld waschen, sagte der Mann. Dann nahm er die bereit gelegten 10.000 Euro, mischte sie mit den leeren Scheinen und packte sie auf zwei Mal in Paketband ein. Mit einer Injektionsnadel spritzte der 31-Jährige eine braune Flüssigkeit in die Bündel. Erst so präpariert deponierte er die Pakete unter einer Lautsprecherbox und einer Kommode.

Dabei war der Mann kurz alleine im Esszimmer. Darauf mahnte er zur Eile. Er werde am nächsten Tag wiederkommen, wenn die chemische Reinigung abgeschlossen sei. Der Tübinger könne damit rechnen, dass sich das Geld bis dahin auf etwa 90.000 Euro vermehrt habe. Danach verabschiedete sich der Mann und verließ das Gebäude. Dort wurde er bereits von Polizeibeamten erwartet und festgenommen. In seinen Taschen fanden die Beamten 10.000 Euro, er hatte die deponierten Päckchen heimlich ausgetauscht.

Von der Aktion gibt es bei der Polizei nun Videoaufnahmen. Die Beamten hatten sich zuvor schon in der Wohnung des 59-Jährigen eingerichtet. Der 31-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.

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27.09.2010, 12:00 Uhr

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