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Ein Tag wie fünf Minuten

Nach drei Wochen Toben fällt der Abschied vom Spatzennest schwer

Von oben bis unten eingematschte Kinder, selbstgebaute Schokokussschleudern, Seifenkisten und Staudämme: Im Evangelischen Waldheim Spatzennest gab es wieder drei Wochen Kontrastprogramm zum Stadtleben.

19.08.2015
  • Nathalie Schmid

Tübingen. „Jeder Tag hier geht so schnell vorbei wie fünf Minuten,“ sagt Immanuel, 8, über das Evangelische Waldheim Spatzennest. Heute endet die erste der zwei Freizeiten der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Tübingen. Hier können sich die Kinder drei Wochen lang austoben, länger als in anderen Waldheimen. „Da bilden sich richtige Spatzennest-Freundschaften,“, sagt Diakonin Elke Schwendowius, die das Spatzennest seit 2004 leitet.

Die Kinder und Jugendlichen haben viele Möglichkeiten, ihren Tag zu gestalten. Vorgegeben sind dabei nur wenige Aktivitäten. Jeden Morgen bringen Busse die 5- bis 16-Jährigen zu dem Gelände bei Pfrondorf, das eine große Wiese und ein Waldstück mit Schlucht einschließt, und abends geht es wieder zurück. Morgen- und Abendbühne sind ein fester Bestandteil für alle Teilnehmer. Das Programm der Abendbühne gestalten die Kinder mit den 80 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Wer mag, kann zum Beispiel vortanzen, singen, oder ein Theaterstück präsentieren. „Auf der Abendbühne spiele ich gerne Sketche vor,“ erzählt Immanuel, der bereits zum fünften Mal am Spatzennest teilnimmt. Andere feste Programmpunkte sind die vier Mahlzeiten am Tag, die vor Ort vom Küchenteam zubereitet werden.

Die freien Stunden können die Freizeitteilnehmer unter anderem mit Spielen auf dem großen Gelände füllen. Sie nehmen an Fußballturnieren teil und spielen Beachvolley- oder Basketball. Die Jüngeren bauen Staudämme im Fluss, der durch die Schlucht fließt. Zu Beginn der Freizeit bemalte jede Altersgruppe ihre Holzhütte im Wald. Zum Basteln und Werken steht eine improvisierte Werkstatt bereit, in der die Kinder die verrücktesten Ideen umsetzen. In der „Stillen Stunde“ können Interessierte die biblische Geschichte hören, in der es dieses Jahr um König David geht. Die Mitarbeiter helfen den Kindern Ideen zu verwirklichen und bieten Programmpunkte an. „Im Gegensatz zur Schule sollen die Kinder, hier selbst wählen, wie sie ihren Tag gestalten. Dabei lernen sie auch, selbst Entscheidungen zu treffen,“ so Schwendowius. Daher gebe es kein Animationsprogramm.

Die „Spatzen“ bleiben nicht nur im Nest, sie fliegen auch aus: Zum Beispiel bei schönem Wetter ins Freibad. Und manchmal bleiben sie auch über Nacht.

Nicht nur die meisten Kinder, sondern auch die Mitarbeiter kommen Jahr für Jahr wieder. So auch Matthis Raidt, 20, der dem Spatzennest seit seinem fünften Lebensjahr treu ist. Inzwischen hat er die Seite gewechselt und ist Mitarbeiter. „Insgesamt habe ich schon über ein Jahr meines Lebens im Spatzennest verbracht,“ sagt Raidt. Stephan Ganglitz kam über Schulfreunde als Mitarbeiter zum Spatzennest. Er beschreibt, was für ihn an der Freizeit das Besondere ist: „Die Zeit mit den Kindern ist ein guter Ausgleich zum normalen Leben.“

Im Gegensatz zu anderen Freizeiten hat Schwendowius keine Probleme, genügend Mitarbeiter zu finden: „Im Gegenteil, dieses Jahr musste ich sogar Leute abweisen.“ An drei Wochenenden haben die Mitarbeiter das Waldheim vorbereitet. Die Betreuer investieren also viel Zeit. Die Mitarbeiterin Anke Böhm beschreibt das Spatzennest so: „Hier kann man sein, wie man will, und tun, wozu man Lust hat.“ Das könne auch manchmal bedeuten, einfach nichts zu tun. „Wenn ich das Spatzennest verpassen würde, wäre das wie Weihnachten ausfallen lassen.“ Zum Abschied werden sicherlich wieder ein paar Tränen vergossen. Auch das hat schon Tradition.

Nach drei Wochen Toben fällt der Abschied vom Spatzennest schwer
Die Abendbühne im Spatzennest: Die Moderatorin führt durch das von den Kindern mitgestaltete Programm.Bild: Faden

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19.08.2015, 12:00 Uhr

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