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Schmiderers Abschied wie im Film

Nach fast 31 Jahren als Bürgermeister im Ruhestand

Wie kriegt man alle zum Reden und alle schnell wieder zum Schweigen? Mit einem Film, der insgesamt 31 Minuten dauert – eine für jedes Jahr. Die Gomaringer würdigten ihren Bürgermeister Manfred Schmiderer zum Abschied noch mit allerlei anderen Dingen, die zeigten: Da geht einer, den alle schätzten.

25.06.2012
  • Gabi Schweizer

Gomaringen. Er war immer ehrlich – nur in einer Sache nicht, attestierte Landrat Joachim Walter dem Gomaringer Bürgermeister Manfred Schmiderer: „Immer, wenn ich angerufen habe, haben Sie sich mit dem Satz ,Ihr ergebener Diener‘ gemeldet.“ Nein, als ergeben kann man sich Schmiderer nun wirklich nicht vorstellen – eher, wie ihn Walter auch beschrieb, als unbequemen Gegner, wenn es um die Kreisumlage geht. Kollegial, geradlinig, zu Frotzeleien aufgelegt, beim Streiten sachlich, als Autofahrer flott, als Redner bedacht, schwäbisch-schaffig, in Finanzdingen bewandert, ein „Fuchs“, stets zu 100 oder gar 150 Prozent Bürgermeister: So charakterisierten ihn die vielen Weggefährten, die – anders als Walter – nicht selbst ans Mikrophon treten durften, sondern im Abschiedsfilm zu Wort kamen.

Claudia Rapp vom Hauptamt, Schmiderers Sekretärin Verena Pink und die ehemalige Volkshochschul-Leiterin Lisa Kremsler-Hege hatten das Projekt geleitet und professionelle Unterstützung bekommen von einem Filmemacher, der weit über Gomaringen hinaus bekannt ist, wenngleich nicht unbedingt für Porträts: Naturfilmer Karlheinz Baumann war in den vergangenen Wochen immer mal wieder mit der Kamera zu sehen gewesen. Regie führte Alexander Eberhard.

Die Dokumentation ist eine Hommage an den Bürgermeister geworden und zeichnet die Geschichte eines Dorfes, das in den vergangenen 31 Jahren um 2100 Einwohner, etliche Betriebe und vor allem um viele soziale und kulturelle Einrichtungen gewachsen ist. Die Sport- und Kulturhalle, Ort der Verabschiedung, ist die wichtigste von ihnen – neben dem Schloss, das nur zu Beginn „nicht das liebste Kind von Manfred Schmiderer“ war. Willi Kemmler, zu Gemeinderatszeiten öfters anderer Meinung als der Schultes, sprach dennoch voll Anerkennung über ihn. Und Schmiderer wiederum dankte dem Gemeinderat für die „konstruktiv-kritische“ Zusammenarbeit: „Heute sage ich: gut so.“

Nach fast 31 Jahren als Bürgermeister im Ruhestand
„Es war auch in unserem Gremium alles andere als ein Ja-Sager und ein Abnicker“: Gemeindetags-Präsident Roger Kehle (hier in der Begrüßungs-Schlange) überreichte dem in Ruhestand gehenden Manfred Schmiderer (rechts, neben seiner Frau Doris) die im Wortsinn gewichtige Freiherr-von-Stein-Medaille. Die Goldene Ehrennadel des Gemeindetags hat er schon seit 2006. Aber damals bekam Kehle eine schwierige Aufforderung: „Mach’ mir jo koi Loch in mei schöns Häs.“

Seine letzte große Rede: Routiniert und doch mit großer Präsenz vorgetragen, mit Witz, durchaus auch mit Bedauern: „Ich hätte gern meine Amtszeit zu Ende gebracht, jetzt ist es halt anders gekommen“ – hier spielte er auf die Gesundheit an, die nicht mehr mitmachte. Und doch: Eine traurige Zeremonie wollte Schmiderer nicht haben. Es wurde auch keine. Moderatorin war – neben Verena Pink und Claudia Rapp – Friedel Kehrer, die als Bronnweiler Bezirksbürgermeisterin bekannt ist, aber bekannter als Mundart-Kabarettistin. Etikette ließ sie fröhlich beiseite: Dass Doris Schmiderer erst zum Schluss ein paar Blümle überreicht bekäme, das dürfe nicht passieren, beschied Kehrer und holte des Bürgermeisters Frau gleich zu Beginn auf die Bühne. Die Gemeinderäte dankten in Reimen für eine Zeit, in der „schön gestaltet, nicht nur verwaltet“ wurde, und überreichten ihm die Bürgermedaille.

„Dass er loslassen kann“ wünschen ihm die, die ihn gut kennen. Der Musikverein – neben dem Akkordeon-Club fürs Unterhaltsame zuständig – spielte „Mit 61 Jahren, da fängt das Leben an“. Der Reutlinger Volkshochschul-Leiter Ulrich Bausch will sich von Schmiderer das Golfen beibringen lassen. Die Rathaus-Kollegen schenkten ihm ein Bild des Ayers Rock – nach Australien wollte Schmiderer schon immer. Und Bauhofleiter Dietmar Junger verspricht im Film: „Wenn Sie was zu schaffen brauchen, dann kommen Sie. Ich hätt’ was.“

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25.06.2012, 12:00 Uhr

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