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Der erste im Landkreis

Nach jahrelangen Vorarbeiten wurde gestern ein Obstlehrpfad in Belsen eröffnet

Wie bestellt kam die Sonne heraus, als sie gestern hinterm Belsener Schafhaus auf die neue Attraktion in der Streuobstlandschaft am Albtrauf anstießen – den ersten Obstlehrpfad im Landkreis.

27.09.2010
  • Ernst Bauer

Belsen. Rund sechzig Schilder an Bäumen und Büschen weisen den Weg – hinauf vom Schafhaus bis zum „Alten Morgen“, dem Belsener Aussichtspunkt und Ausgangspunkt vieler Wanderungen auf die Alb, zum Dreifürstenstein, entlang des Sträßchens verläuft der Pfad. Er führt auch Laien die ungewöhnliche Vielfalt des Obstbaus in der Region anschaulich vor Augen. Naturkunde an der frischen Luft.

Als Stellvertreter des Oberbürgermeisters und selber Mitglied im Belsener Obst- und Gartenbauverein, Aktivist im Netzwerk Streuobst, sprach Peter Looser davon, dass man wie „in ein vielseitiges Naturkundebuch“ hineinschaue, wenn man hier sich diesen Lehrpfad anschaue. Looser erinnerte daran, dass die Ursprünge der Anlage „viele Jahre“ zurückliegen, bis in die 1980er Jahre reichen und damals vom heutigen Ehrenvorstand Herbert Felger erste Anstrengungen dazu gekommen waren; auch Alt-OB und Ehrenbürger Hans Auer sei damals recht aufgeschlossen gewesen – beide waren gestern dabei, als am Fuße des Pfades zur Einweihung eine größe Übersichtstafel angebracht wurde; Felger im Rollstuhl, von seinem Sohn begleitet, dem Mössinger Stadtgärtnermeister Dieter Felger.

Als Vorstand des Belsener Obst- und Gartenbauvereins würdigte Ernst Steinhilber vor allem auch das Engagement seines Vorgängers Karl Egerter. In dessen Amtszeit sei die Idee für den Obstlehrpfad, die „schon länger in den Köpfen der Vereinsmitglieder spukte“, gereift. Man wollte damit den Lehrgarten unten am Schafhaus – wie ihn viele Vereine im Landkreis haben – mit dem 1984 gepflanzten „Obstsorten-Museum“ auf halber Strecke und dem Blockhaus des Vereins oben am Alten Morgen verbinden. Nach Steinhilbers Worten wurde viel ehrenamtliche Arbeit in das Projekt gesteckt und bereits 1989 mit der Umsetzung begonnen, indem man erste Sorten anpflanzte. Nach und nach habe man den jetzt rund ein Kilometer langen Lehrpfad erweitert, zuletzt habe die Beschilderung für viele angeregte Diskussionen gesorgt – bis man sich darauf einigte, mit farbigen Streifen auf den Täfelchen die verschiedenen Obst-Familien zu markieren. „Wer sich nur für Kirschen interessiert, braucht nicht den ganzen Lehrpfad abzugehen.“

Steinhilber erinnerte auch an andere wegweisende Aktivitäten des Vereins in den letzten Jahren: an den kleinen Park mit Ruhebank, den der Belsener Obst- und Gartenbauverein beim Bahnhöfle angelegt hat, und an den alten Brunnen oben bei der Kapelle, den man wieder aus der Versenkung holte. In der weiteren Umgebung finde man, so der Vorsitzende, keinen solchen Lehrpfad, wie man ihn nun heute eröffne. „Hier kann man sehen, wie so ein Busch und Baum wächst oder blüht – und man kann in der Erntezeit die Früchte probieren.“ Der OGV Belsen habe hier etwas verwirklicht, das sich wirklich sehen lassen könne.

Das fand auch Helmut Däuble, der Kreisverbandsvorsitzende der Obst- und Gartenbauvereine: Er komme immer wieder gerne nach Belsen, in diese herrliche Landschaft am Albtrauf, sagte er. Es gebe im Landkreis Tübingen einen Weinbaulehrpfad und einen Naturparkkurs – aber einen Obstlehrpfad in dieser Form bisher nicht, „das ist einfach die Krönung!“

Man müsse der Bevölkerung einfach zeigen, in was für einer wunderbaren Natur sie hier lebe – „mitten im größten zusammenhängenden Streuobstgebiet von Europa, und wirklich im Herzen davon ist Belsen!“ Und man müsse, so Däuble, auch den Kommunen und Politikern vor Augen führen, wie wertvoll dieses Gebiet ist, schon allein von der Landschaft, der Ökologie her. „Das ist so ein reichhaltiges Menü an tollen Pflanzen!“ Däuble würdigte in dem Zusammenhang auch die Aktivitäten des Mössinger Stadtgärtnermeisters Dieter Felger, der die weithin bewunderte „Blumenstadt“ Mössingen kreiert habe und immer wieder neu aufblühen lasse: „Ich denke, er hat auch von seinem Vater einige Gene abgekriegt“, merkte der oberste Obst- und Gartenbauer des Kreises im Beisein von Vater und Sohn launig an.

Peter Looser hieb, was die Forderung an die Kommunen und Politiker anlangt, in eine ganz ähnliche Kerbe: Die wunderbare Streuobstlandschaft um Mössingen mit zirka 40 000 Obstbäumen fasziniere und motiviere immer wieder. Doch, so der Stadtrat aus Belsen und SPD-Fraktionschef im Mössinger Gemeinderat: „Man muss sich um den Erhalt große Sorgen machen.“ Trotz dieses neuen Lehrpfades und des jüngst vom Netzwerk eröffneten Panoramaweges beim Schützenhaus sei leider nicht alles in bester Ordnung. Den Obst- und Gartenbauvereinen fehle es an Nachwuchs, in der Bevölkerung stoße man oft auf „allgemeine Interesselosigkeit“. Laut Looser ist es „unerlässlich“, sich auch kommunalpolitisch mit aller Kraft dem Erhalt der Streuobstwiesen zu widmen. „Das geht nicht nur ehrenamtlich, wir brauchen zusätzlich die verlässliche Partnerschaft der Stadt – und deren eigenes Engagement!“

„Was lange wächst, wird endlich gut“, resümierte Looser. Punkt 11.30 Uhr wurde der neue Lehrpfad eröffnet, mit Sekt und O-Saft begossen. Gemeinsam ging es dann hinauf zur Blockhütte, wo es später gleich Mittagessen und Kirbekuchen gab.

„Es passt ganz toll zusammen“, fand Sabine Mall-Eder, die federführend den Mössinger Streuobst-Panoramaweg mit konzipiert hat – auf dem kulturgeschichtlich, ökonomisch und ökologisch in die Materie eingeführt wird. Mitstreiter Hans-Günther Wener, der Mössinger Obst- und Gartenbauvereins-Vorsitzende, vermisste auf den neuen Obstlehrtafeln mit den vielen „Zwetschen“-Arten nur eines: „Mir tut es immer weh, wenn man das gute schwäbische ‚g‘ weglässt!“

Nach jahrelangen Vorarbeiten wurde gestern ein Obstlehrpfad in Belsen eröffnet
„Papa, darf man da auch was pflücken?“ Man darf, sagte der Mann vom Obst- und Gartenbauverein – zum Probieren. Vater und Tochter nehmen hier ein Schild des neuen Obstlehrpfades unter die Lupe, der vom Belsener Schafhaus bis zum „Alten Morgen“ hinaufführt.Bild: Rippmann

Nach jahrelangen Vorarbeiten wurde gestern ein Obstlehrpfad in Belsen eröffnet
Vorstand Ernst Steinhilber (rechts) bringt mit seinem Vereinskollegen Gerhard Haap die Übersichtstafel an.Bild: Rippmann

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27.09.2010, 12:00 Uhr

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