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Die Sicherheit auf der Dußlinger Unglücks-Baustelle war auf fatale Weise vernachlässigt

Nach tödlichem Unfall: Grauschleier über dem Ort

Kein Verbau, keine Böschung: Wesentliche Maßnahmen für den Arbeitsschutz fehlten nach Auskunft Beteiligter auf der Baustelle der Dußlinger Sporthalle. Am Donnerstag wurde dort ein Arbeiter verschüttet.

07.08.2015
  • Eike Freese

In Dußlingen kam ein Arbeiter ums Leben

In Dußlingen kam ein Arbeiter ums Leben --

01:19 min

Dußlingen. Fest steht bislang nur eins: Der fünf Meter tiefe Graben, in dem Bauarbeiter in den vergangenen Tagen Rohre verlegten und der dann zur Todesfalle für einen Mann wurde, war völlig unzureichend gesichert. Während sich Behörden und Unternehmen derzeit noch weitgehend in Schweigen hüllen, berichten mehrere Quellen übereinstimmend, dass die Wände und Hänge der Grube weder befestigt noch abgeböscht waren. Eine detaillierte Stellungnahme von Polizei, Baugenossenschaft oder Landratsamt bleibt indes noch aus.

Auch die Bau-Firma, die an dem Graben gearbeitet hat, will derzeit nicht mit dem TAGBLATT über die Ursache des tödlichen Unglücks sprechen. „Termine“ hieß es zur Begründung gestern knapp aus der Zentrale der F. Kirchhoff Systembau aus Münsingen. Das Unternehmen ist aktiv auf Baustellen vor allem im Südwesten, hatte 2013 einen Umsatz von gut 50 Millionen Euro und hat bereits an Vorzeige-Bauten wie der Marc Cain-Firmenzentrale in Bodelshausen oder dem Tübinger Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen gearbeitet. Knapp 1,2 Millionen Euro bekommt das Unternehmen für den Rohbau des ersten Teils der Dußlinger Sporthalle.

Noch nicht bestätigt ist, dass der Verschüttete zumindest vertretungsweise Mitverantwortung für die Sicherheit auf der Baustelle trug. Entsprechende, gleichlautende Angaben hochrangiger Beteiligter dem TAGBLATT gegenüber will die Polizei nicht bejahen.

Nach tödlichem Unfall: Grauschleier über dem Ort
Erst spät am Unglückstag gelangte eine so genannte Verbaubox (links) auf die Baustelle. Doch mit ihr hätten nur noch die Helfer gesichert werden können. Der steile und fünf Meter tiefe Graben, in dem der Bauarbeiter am Donnerstag verschüttet und tödlich verletzt wurde, war während des Betriebs größtenteils ungesichert.Bilder: Franke

Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch sagt, der Gemeinderat habe viel für die Sicherheit getan, etwa mit der Verpflichtung von etablierten Betrieben auf der Baustelle – oder auch mit der Extra-Bestellung eines Ingenieur-Büros für die Sicherheit. „Und doch ist es sehr belastend für uns alle“, so Hölsch: „Momentan liegt ein Grauschleier über dem Ort.“

Jenes Büro, Weber aus Pforzheim, übernimmt zwar die Sicherheitskoordination vor Ort. Das bedeutet indes nicht, dass es für Details im Baubetrieb verantwortlich wäre, sagt Dieter Kastner von der Weber-Geschäftsführung. Sein Büro sei lediglich für die Koordination der einzelnen beteiligten Firmen und die Gestaltung der Arbeitsabläufe zuständig – auf der erst seit wenigen Tagen exisitierenden Baustelle habe man noch gar nicht aktiv werden müssen.

„Die Sicherstellung des Arbeitsschutzes ist Aufgabe des Arbeitgebers“, sagt Frank Wolters, Leiter der Abteilung Umwelt und Gewerbe beim Landratsamt: „Da hier ein Mensch gestorben ist, war das ganz offensichlich unzureichend“. Wolters weist darauf hin, dass beteiligte Mitarbeiter wie auch unbeteiligte Beobachter seine Abteilung informieren können, wenn ihnen entsprechende Mängel bei Baustellen auffallen. Der Beruf des Bauarbeiters sei schließlich um ein Vielfaches gefährlicher als die meisten anderen Jobs.

Derzeit wird nicht weitergebaut auf der großen Baustelle zwischen der Dußlinger Steinlach und dem Rathaus-Ensemble am Bahnhof. Nicht mehr lange, so ist zu hören, wird die Polizei beschäftigt sein – doch auch die Bau-Aufsicht muss die Sicherheitslage unter die Lupe nehmen, bevor sie die Freigabe erteilt. Entsprechende Baustellen werden im weiteren Verlauf stets engmaschiger kontrolliert, sagt Frank Wolters vom Landratsamt Tübingen.

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07.08.2015, 12:00 Uhr

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