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Kulturelle Brücken und gesellschaftliches Engagement: Bosch kooperiert erfolgreich mit der KBF

„Nach zwei Tagen ist der Umgang fast normal“

Seit elf Jahren kooperiert die Firma Bosch mit der Köperbehindertenförderung Neckar-Alb (KBF) und zeigt deutlich, dass beide Seiten von diesem Vorreiter-Projekt profitieren können. Mittlerweile gibt es zahlreiche Nachahmer in unterschiedlichen Ausbildungsberufen, um Sozialkompetenz zu fördern.

03.11.2015
  • Claudia Jochen

Mössingen. Im Jahr 2000 ging Roland Strauß, Abteilungsleiter Hauptstufe der Dreifürstensteinschule mit einer Idee schwanger und überlegte sich, wie man Menschen mit und ohne Behinderung besser zusammenbringen könnte. Und zwar so, dass alle Beteiligten davon profitierten. Er schrieb verschiedene Firmen an und erkundigte sich, ob und vor allem wie man zusammen arbeiten könnte. Vier Jahre hakte er bei möglichen Kooperationspartnern nach und diese Beharrlichkeit zahlte sich aus.

Im Jahr 2004 übernahm gerade Gerd Buck die Ausbildungsleitung bei der Firma Bosch und überlegte sich, wie den Azubis mehr soziale Kompetenz vermittelt werden könnte. Sei es im Umgang mit Menschen im Ausland, die andere Sichtweisen oder Prinzipien pflegten, oder der alltägliche Umgang mit Schwächen einzelner Mitarbeiter oder sich selbst. Roland Strauß kam genau im richtigen Moment zu ihm und dann ging es „recht flott mit der Ideenfindung“, wie Buck erzählt. „KoSoLeP war nur der Arbeitstitel, aber dieser unmögliche Name hat sich etabliert“, findet Buck. „Kooperation Soziales Lernen in Projekten“ heißt das im Ganzen. „Das ist mein Baby und es hat sich prächtig entwickelt“, erklärt Buck schmunzelnd.

Eigentlich ist Gerd Buck seit September im Ruhestand. Aber das einstige „Baby“ wird heuer elf Jahre alt und da will er bei der großen Abschlussveranstaltung in der Schul-Aula dabei sein. Er hofft auf die gute Fortführung und den Ausbau der Kooperation durch seinen jungen Nachfolger Michael Löffler, denn: „Solche Projekte stehen und fallen mit ihren Verantwortlichen“, meint Buck. Löffler hat selbst als Azubi im Jahr 2010 bei „KoSoLeP“ teilgenommen und findet die Erfahrung für alle Beteiligten wichtig. „Azubis sollen soziale Kompetenzen lernen und erleben, wie man miteinander umgeht“, sagt Löffler. Anfangs sei die Kommunikation für die Azubis mitunter irritierend, sie lernten jedoch schnell, aufeinander einzugehen: „Nach zwei Tagen ist der Umgang untereinander fast normal und man erkennt die Stärken oder Schwächen auf beiden Seiten“, erklärt Ausbildungsleiter Löffler. Die Rückmeldungen der Azubis sind durchweg positiv, für manche ist die Zeit sogar viel zu schnell zu Ende und sie würden gerne länger in der Dreifürstensteinschule bleiben.

Azubi Deniz Tuç ist für die vielen tollen Erfahrungen dankbar. Einmal stand er nämlich hilflos vor einem Rollstuhlfahrer, der sich an einem Bordstein verkantet hatte. „Ich habe mich richtig geärgert, dass ich damals nicht helfen konnte. Jetzt kann ich es“, erzählt er strahlend. „Es ist erstaunlich, was in 14 Tagen hier passiert“, meint Löffler. „Mancher Mechatroniker entdeckt erst hier seine soziale Ader.“ Löffler ist sich sicher, dass die Kooperation sich weiter ausdehnt: „Dieses Jahr war alles dabei“, sagt der Ausbilder und meint damit nicht nur die Bästenhardtschule, die mit Grundschulkindern bei einem Projekt dabei war. Das Projekt „Kulinarische Köstlichkeiten“ hatte syrische Flüchtlingsfrauen aus Mössingen eingeladen, die ihre Rezepte mitbrachten und auch von ihren Fluchterfahrungen erzählten. „18 Stunden sind die von Polizeiautos begleitet durch Ungarn gelaufen. Ohne Pause und ohne zu trinken oder zu essen“, erzählt Neuntklässler Andreas Pankan. „Erst in Deutschland hat ihnen jemand eine Wasserflasche und Bananen gegeben.“ Klassenlehrer Dirk Waidmann findet es „spannend, was bei uns an der Schule passiert“.

Die Abschlussveranstaltung des Projekts moderiert Schülersprecher Matthis Kassner souverän und stellt die einzelnen Projekte vor. Moderationserfahrung hat er beim Freien Radio Tübingen „Wüste Welle“ gesammelt und diese Übung merkt man deutlich: Erfahrener Umgang mit Abläufen bei derartigen Festakten, spontan und reichlich eloquent wie ein Fernsehmoderator führt er durch das Programm.

„Nach zwei Tagen ist der Umgang fast normal“
Industriekaufmann-Azubi Deniz Tuç und KBF-Schüler Collin Gavez. Bild: Jochen

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03.11.2015, 12:00 Uhr

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