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Rottenburg: Starker Wunsch nach Ruhe

Nachbarn der Beruflichen Schule fürchten durch Flüchtlingswohnung Doppelbelastung

Vorbehalte und Befürchtungen gegen künftig in ihrer Nähe wohnende Flüchtlinge, aber ebenso gegen Schüler äußerten Nachbarn am Montag beim Info-Abend in der Beruflichen Schule. Aber zum Schluss waren die Leute zum Lachen fähig.

21.11.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Maximal sieben Asylbewerber will das Landratsamt in die ehemalige Hausmeisterwohnung bei der Schule unterbringen (wir berichteten). Karlheinz Neuscheler, Geschäftsbereich Gesundheit, Ordnung, Forst im Landratsamt, Karl-Heinz Meier (Abteilung Ordnung), Anke Armbrust (Schulen, Liegenschaften), Sozialarbeiter Michael Biesinger sowie Schulleiter Dominik Kugler waren gekommen, um 20 interessierte Nachbarn zu informieren.

Der Landkreis, sagte Neuscheler, habe die früher angemieteten Unterkünfte zurückgegeben. In Rottenburg waren das die Klause, die Einfachhäuser an Magdeburger und Siebenlindenstraße, auch in Tübingen und Mössingen hatte der Kreis Liegenschaften gemietet. Auf die meisten hat er keinen Zugriff mehr. „Wir rufen Gasthöfe an, wir sprechen Gemeinden an“, warb Neuscheler um Verständnis; „jetzt haben wir in Tübingen vielleicht etwas Größeres, aber da sind wir noch im Verfahren“. Deshalb kam es gelegen, dass der Hausmeister auszog.

76 Quadratmeter hat die Hausmeisterwohnung, vier Zimmer zwischen 9 und 20 Quadratmeter groß, plus Küche, Bad und Toilette. Welche Flüchtlinge sie beziehen, ob Alleinstehende oder Familien, welcher Nationalität sie sind, das sei noch offen. Zunächst muss die Stadt die Nutzungsänderung genehmigen.

Früher seien unter den Flüchtlingen etwa zwei Drittel Einzelpersonen gewesen, davon die meisten Männer, und ein Drittel Leute im Familienverband. Derzeit aber kämen viele Familien, aus Serbien und Mazedonien hauptsächlich Roma, „die es schwer haben überall, wo sie sind“, sagte Neuscheler. In neuen Unterkünften bekämen die Flüchtlinge sofort Geld, nicht mehr Sachleistungen wie bisher. Damit und auch mit der weniger engen Belegung setze das Landratsamt die Linie der Landesregierung um.

In den Fragen und Statements der Nachbarn zeigte sich, dass sie sich vorbelastet fühlen durch den Schulbetrieb. In den Pausen stünden die Schüler/innen auf der Straße und ließen Autos kaum passieren. Sie würfen Zigarettenkippen in die Gärten. Zudem werde häufig bis nachts Party gefeiert, besonders seitdem der Hausmeister nicht mehr dort wohnt. Die Polizei nehme schon gar nicht mehr ab, wenn Anwohner anrufen. Jetzt kämen womöglich Besucherverkehr und Feiern bei den Flüchtlingen hinzu. „Wer kontrolliert das, wie die Leute sich benehmen?“, fragte eine Frau.

In der Weggentalstraße habe das Landratsamt gute Erfahrungen mit der Flüchtlingsunterkunft gemacht, sagte Neuscheler. Kleine Schwierigkeiten gebe es immer, „drastische Sachen sind nicht der Alltag“. Andere meinten, dass einige Schüler keine Rücksicht auf die Nachbarn nehmen; sie würden deshalb auch keine auf die Flüchtlinge nehmen.

Eine junge Mutter sagte, sie achteten bei sich darauf, dass ihre Kinder je ein eigenes Zimmer oder ein Fahrrad haben. Sie fragte die Behördenvertreter, wie sie es ihren erklären soll, dass Flüchtlingskinder kein eigenes Zimmer und kein Fahrrad haben. Eine andere Frau befürchtet, dass Flüchtlingskinder über den Hügel am Zaun auf ihr Grundstück kämen. Ein weiterer Anwohner kommentierte: „Das Problem sehe ich nicht bei den Menschen, die kommen, sondern bei denen, die schon da sind.“

Das Flüchtlingsheim dauernd zu überwachen, hielt Neuscheler für „nicht adäquat“. Er versprach: „Wenn etwas ist, werden wir vor Ort sein.“ Und empfahl: „Wenn man ein freundliches Zueinander findet, wird sich das auszahlen.“ Eine Frau bat ihn lachend: „Gucken Sie, dass Sie Familien reinkriegen, keine Halbstarken – die haben wir schon.“

12,5 Prozent der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge nimmt Baden-Württemberg auf. Davon werden 2,1 Prozent von der Landesaufnahmestelle Karlsruhe in den Landkreis Tübingen geschickt. Hier hat ihnen das Landratsamt Wohnraum und Lebensunterhalt zu besorgen. Unterkünfte zu finden, falle der Kreisverwaltung „außerordentlich schwer“, berichtete Bereichsleiter Karlheinz Neuscheler.

Erstmals seit 2009 steigen die Flüchtlingszahlen wieder stark. Aus sechs Staaten kommen sie derzeit hauptsächlich: Serbien, Mazedonien, Kosovo, Syrien, Afghanistan und Bosnien-Herzegowina. Sehr viele seien unter ihnen, die bereits früher Asylantrag in Deutschland gestellt hatten und abgelehnt wurden. Sie kämen erneut und stellten einen Folgeantrag. Neuscheler: „Sie haben dann wieder alle Rechtsmittel, die man bei uns hat.“

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21.11.2012, 12:00 Uhr

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