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Immer dieses Wumm-Wumm!

Nachbarn der Strandbar fühlen sich vor allem durch die Bässe belästigt

Sie wohnen zwar auf der anderen Seite des Neckar-Beach, aber an ihren Nerven nagt seit Wochen das Gewummer der Strandbar-Bässe. Anwohner der Gartenstraße beschweren sich über die Musik, die vom obersten Deck des Neckarparkhauses zu ihnen herüberschallt.

04.07.2014
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. Stanislava Kallfaß hat seit einigen Wochen wieder Probleme mit dem Herzen. Sie nimmt zwar Tabletten, doch ihr Blutdruck ist immer noch höher als sonst. Was ihr zu schaffen macht, sind die schnellen Bassschläge von gegenüber. Selbst wenn sie die Wohnung verlässt, spürt sie sie noch: „Man geht spazieren und hört Wumm-Wumm-Wumm“, sagt die 62-Jährige. Wenn es so bleibe, müsse sie ausziehen.

Nachbarn der Strandbar fühlen sich vor allem durch die Bässe belästigt
Eigentlich scheint die Strandbar im Neckarparkhaus weit genug weg, aber der Schall findet seinen Weg in die Gartenstraße 14. Deren Bewohner leiden unter dem Lärm (von links): Stanislava Kallfaß, Ruth Brendle, Torsten Kockler, Magdalena Block, Janina und Ralf Lisson.

Sie ist nicht die Einzige, die unter der Strandbar leidet. Fast alle Bewohner der Gartenstraße 14 haben schon bei der Polizei angerufen oder sich beim Ordnungsamt beschwert. Dabei hatten sie, wie sie versichern, zunächst nichts gegen eine Bar im Parkhaus einzuwenden. Zumal bei einem Vorab-Gespräch die Betreiber der Stadt und den Nachbarn ein Video gezeigt hatten, das über die zu erwartende Geräuschkulisse aufklären sollte. Darauf waren vornehmlich Stimmen mit etwas Hintergrundmusik zu hören. Definitiv versprochen wurde außerdem, dass es kein Public Viewing geben werde und um 22 Uhr Schluss mit lustig sei. Der Sichtschutz, der den Anwohnern versprochen worden sei, damit sie ihre Privatsphäre wahren können, ließ ebenfalls auf sich warten.

Mit Strandbar-Betreiber Stanislav Poliakof stehen einige der Anwohner in Dauerkontakt. Der Ton wird rauer. Poliakof will sich dem TAGBLATT gegenüber nicht äußern. Noch nicht einmal die Gründe für diese Gesprächsverweigerung will er nennen. Er lässt keinen Zweifel daran, dass vor allem die Berichterstattung der Zeitung schuld am Ärger um die Strandbar sei.

Schon der „Sturm“ verursachte Erdbeben

Die Anlieger sind jedoch ganz aus eigenem Antrieb verärgert. Magdalena Block und Ralf Lisson gehen selber gerne aus; sie stören sich weder an Musikveranstaltungen beim Neckarmüller noch an der mitunter lauten Neckarschifffahrt. „Nach zwei, drei Stunden ist es ja meist vorbei“, so Lissons Erfahrung, der selber auch Musik macht. Doch der Barbetrieb von gegenüber geht jeden Mittag aufs Neue los, und abends ab 19 Uhr macht es wieder „Wumm-Wumm-Wumm“. Die acht Monate alte Tochter hat seitdem einen unruhigen Schlaf.

Simon Schwägerle muss den Fernseher auf doppelte Lautstärke drehen, damit er was verstehen kann. Er, der selber auch gerne mal auf Partys mit Elektromusik geht, weiß, dass die Strandbarmusik keine Chill- oder Hintergrundmusik ist. Man höre dort viel House, also eine Rhythmus betonte elektronische Tanzmusik. Torsten Kockler hat schon die Beats (Schläge) mitgezählt und kam schon auf über 200 pro Minute. Seine Partnerin Ruth Brendle ärgert sich, dass Beschwerden per SMS oder Anrufe ins Leere gehen: „Poliakof ignoriert uns gnadenlos.“

Dabei verstehen die Bewohner der Gartenstraße 14 sich nicht als Miesmacher. Sie betonen, dass sie sich mit der Strandbar arrangiert hätten, wenn man dort die Vorgaben eingehalten hätte. Stattdessen ging die Bar gleich beim WM-Eröffnungsspiel in die Verlängerungsrunde und blieb bis 24 Uhr geöffnet – und laut. Mittlerweile hat sie eine Ausnahmegenehmigung für Spiele mit Deutschland und vor 22 Uhr. Kockler versteht nicht, warum an diesem „lauten Punkt der Stadt“, ohnehin schon durch Musikveranstaltungen der umliegenden Kneipen oder durch Feste und Junggesellenabschiede auf dem Neckar gebeutelt, „noch eins drauf gesetzt“ werden musste. Letztes Jahr habe man schon unterm Parkhaus-„Sturm“ des LTT gelitten. Auch da sei der Bass „erdbebenartig laut gewesen“, aber eben nicht so oft und so lange wie im Barbetrieb.

Mit Betreibern auf Kriegsfuß

Jeanne Lutz, die in der Friedrichstraße wohnt, hatte sich zunächst auf die neue Bar gefreut. Mittlerweile ist die 22-Jährige nur noch vom Geräuschpegel genervt und, wie sie sagt, die Nachbarn um sie herum auch. „Die meisten stehen schon auf Kriegsfuß mit der Bar.“ Gerade mal zwischen 22 und 6 Uhr ist ein Aufenthalt in ihrer Wohnung möglich. Vorne zur Friedrichstraße ist der „Vibrationsfaktor“ durch die Baustelle schon tagsüber groß. Wenn der Baubetrieb zur Ruhe kommt, geht es mit den Bässen der Bar weiter, die höre man auch bei geschlossenem Fen-ster selbst zur Friedrichstraße hin. Vom Betreiber fühlten sich die Geplagten „unwirsch abgebürstet“.

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04.07.2014, 12:00 Uhr

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