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Beim Mammut vorbeischauen

Nachtführung für Kinder durch das Museum für Alte Kulturen

In schwachem Höhlenlicht erkundeten etwa 20 Kinder am Samstagabend das Museum für Alte Kulturen im Schloss Hohentübingen. Sie gelangten zu Kostbarkeiten wie dem Vogelherd-Pferdchen aus Elfenbein und in eine ägyptische Grabkammer.

05.01.2015
  • Dorothee Hermann

Tübingen. Eine Taschenlampe ist das wichtigste Werkzeug für Nachwuchsforscher/innen, die im Dunkeln im Museum auf Schatzsuche gehen. Im Schloss Hohentübingen gibt es einen schmalen Durchgang mit gewölbter Decke, der an eine Höhle erinnert und mit Tierfiguren bemalt ist. Im schwachen Licht – ein Junge hatte eine Stirnlampe umgeschnallt wie im Bergwerk – zeigten sich etwa ein Pferd und ein kuhähnliches Tier. Die einstündige Erkundungstour „Nachts im Museum Schloss Hohentübingen“ eröffnete für das Jahr 2015 die Tübinger Themenführungen für Kinder, die der Bürger- und Verkehrsverein anbietet. Sie war für Kinder ab acht Jahren gedacht.

Nachtführung für Kinder durch das Museum für Alte Kulturen
Fast wie in einer steinzeitlichen Höhle: Kinder bei der Samstagabend-Tour im Museum mit der Archäologin Martina Terp-Schunter (im Profil, links).

„Das Pferd hat einen ziemlich dicken Bauch“, sagte die Archäologin Martina Terp-Schunter. „Gibt es solche Pferde im Reitstall in Waldhausen?“, fragte sie. „Nein, es ist ein Wildpferd“, rief ein Mädchen. „Es hat einen dickeren Bauch, ist kleiner als ein Reitpferd und hat ein viel dickeres, dichteres Fell“, erläuterte Terp-Schunter im Gespräch mit den Kindern. Die machten wie richtige Forscher immer auch selbst Vorschläge, was es mit den abgebildeten Tieren auf sich haben könnte. Die wenigen erwachsenen Begleitpersonen hielten sich zurück.

Die Tiermalereien im Tübinger Schloss sind nicht echt, aber denen in einer echten Steinzeithöhle nachempfunden, sagte die Archäologin. Zum Zeichnen verwendeten die Menschen damals Blut, zermahlene Steine oder Erdfarben. Zerriebener Malachit vermischt mit Bindemittel ergibt Grün, rief ein Mädchen.

Selbst in den Höhlen war es gefährlich

Ziemlich mächtig wirkte die vermeintliche Kuh, ein ausgewachsener Auerochse. „Es war ein sehr großes Rind mit ganz langen Hörnern“, sagte die Archäologin. Wie die Wildpferde streiften Auerochsen vor 30.000 bis 40.000 Jahren durch die Lande am Ende der Eiszeit. Die Menschen lebten damals noch in Höhlen. Selbst in solchen Schutzräumen tief im Berg war es nicht ungefährlich, denn auch der Höhlenbär zog sich dorthin zurück, um es warm und trocken zu haben. „Er war ungefähr so groß wie ein Grizzly in Nord-Amerika.“ Auf die Jagd gingen die Steinzeitmenschen, um Essen und Material für Kleidung (Fell und Leder) zu beschaffen.

Nachtführung für Kinder durch das Museum für Alte Kulturen
Auch in die griechische Antike gelangten die jungen Museumsbesucher/innen am Samstagabend. Hier mit der Bronzefigur eines frühen Sportlers.

Ein weiteres beeindruckendes Großtier der Steinzeit war das Mammut. Es sah so ähnlich aus wie ein Elefant, mit langem, zotteligem Fell – und mit mächtigen Stoßzähnen. Die waren aus Elfenbein wie die von Elefanten. „Es ist das gleiche Material wie unsere Fingernägel, nur viel dicker“, erläuterte die Archäologin.

In einem runden Saal ganz in der Nähe sahen die Kinder im Spot von ein paar Taschenlampen, was die Steinzeitbewohner aus Mammutelfenbein fertigten: ein winziges Pferdchen, ein winziges Mammut. „Welche Werkzeuge benutzten sie, um die Stoßzähne zu bearbeiten?“, fragte Terp-Schunter. Axt, Feile und Messer, wussten die Kinder. Die damaligen Messer hatten allerdings eine Steinklinge, denn Metall gab es damals noch nicht. Sie war aus Feuerstein. „Solche Steine findet man heute noch im Allgäu“, sagte die Archäologin. Verwendet wurden die Elfenbeinfigürchen als Schmuck oder als Amulett, vermuteten die Kinder. „Vielleicht wird man kräftiger und geschickter, wenn man es trägt“, sagte ein Mädchen: Als würde etwas von der Kraft des Mammuts auf den Träger übergehen.

So fasziniert die Kinder bei der Museumsführung am Samstagabend von der ägyptischen Grabkammer waren, so gerne hätten sie doch die in Tübingen gelagerten Mumien aus der Nähe betrachtet. Doch die sind im Museum für Alte Kulturen nur für Forscher/innen zugänglich. „Aus Achtung vor den Toten, und weil sie so empfindlich sind“, erläuterte die Archäologin Martina Terp-Schunter. Die Grabkammer des hohen Beamten Seschemnofer III. hatte auch so einiges zu bieten: Allerlei Hieroglyphen (die ägyptische Bildschrift) und ein Wandbild, auf dem eine männliche Figur einem viel größeren Mann eine Lotusblume reicht. „Je größer die Figur, desto bedeutender war sie.“

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05.01.2015, 12:00 Uhr

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