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Von Hegel zu Webel

Nachtrag zu Iring Fetschers Tübinger Zeit

Richtig ist, dass der Politikwissenschaftler Iring Fetscher 1950 in Tübingen mit einer Arbeit über Hegel promovierte. Allerdings stimmt es nicht, wie vor einer Woche im TAGBLATT-Nachruf auf den im Alter von 92 Jahren verstorbenen Gelehrten zu lesen war, dass sein Doktorvater Theodor Eschenburg war. Wie es sich tatsächlich verhielt, kann man in Fetschers Erinnerungen nachlesen. Genauso gut kann man es sich von Gerhard Lehmbruch erzählen lassen.

26.07.2014
  • Hans-Joachim Lang

Denn der 86-jähige Politikwissenschaftler Lehmbruch war nicht nur Zeitgenosse, sondern in jenen Jahren auch mit Fetscher befreundet. Gemeinsam übersetzten sie (1958 bei Suhrkamp erschienen) das berühmt-provokative Hegel-Buch (Hegel. Eine Vergegenwärtigung seines Denkens – Kommentar zur »Phänomenologie des Geistes«) des russisch-französischen Philosophen Alexandre Kojève ins Deutsche.

Iring Fetscher hatte im Wintersemester 1945/46 zunächst ein Studium der Medizin begonnen, hatte sich aber unter dem Eindruck seiner Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus der Philosophie angenähert und, nach zwei Studiensemestern an der Pariser Sorbonne erneut in Tübingen, vollends von der Medizin abgewendet. Er fand zu Eduard Spranger, wurde dessen Hilfsassistent, promovierte schließlich bei ihm über das Thema „Hegels Philosophie des subjektiven Geistes und die geisteswissenschaftliche Psychologie“. Es folgten Jahre als Assistent am Philosophischen, dann am Pädagogischen Seminar. Auch die Habilitationsschrift über Rousseaus politische Philosophie war von Spranger beeinflusst. Doch die Habilitation selbst erfolgte für das neue Fach der Politikwissenschaft.

Das Interesse dafür war durch den „Studentischen Arbeitskreis für Politik“ gefördert worden. Von Gerhard Lehmbruch kann man erfahren: „Das war eine kleine, sich ziemlich elitär gebärdende Studentengruppe, die 1948/49 mit der tatkräftigen Nachhilfe des damaligen französischen ,Universitätsoffiziers‘ Philippe Webel entstanden war.“ Zu den Mitgliedern gehörten auch Gerhard Lehmbruch und Johannes Agnoli, den Vorsitz hatte einige Jahre lang Fetscher, der in diesem Zusammenhang auch Eschenburg kennenlernte.

Theodor Eschenburg, der nach der Auflösung des Bundeslandes Württemberg-Hohenzollern aus der Politikverwaltung ausschied und 1952 Ordinarius für Politikwissenschaft wurde, band bald Lehmbruch (als Hilfsassistent), Agnoli (als wissenschaftliche Hilfskraft) und Fetscher (als Dozent) an sein Institut. Im Habilitationsverfahren übernahm er – stöhnend zwar ob des abstrakten philosophischen Themas – das Erstgutachten und verschaffte ihm eine vergütete Dozentenstelle. Doch als Assistent wollte er ihn nicht haben, was zum Zerwürfnis der beiden führte. Als voriges Jahr die Abschaffung des Eschenburg-Preises diskutiert wurde, argumentierte Fetscher dagegen und unterzeichnete einen von Lehmbruch initiierten Offenen Brief.

Nachtrag zu Iring Fetschers Tübinger Zeit
Iring Fetscher Archivbild: Metz

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26.07.2014, 12:00 Uhr

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