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„Näher an die Kernklientel“
Ex-SPD-Chef Kurt Beck: Auch auf die Sprache kommt es an. Foto: Gregor Fischer/dpa
SPD

„Näher an die Kernklientel“

Das Votum für den Koalitionsvertrag befreit die SPD nicht von ihrer Aufgabe, sich zu erneuern, sagt Ex-Parteichef Kurt Beck. Er wünscht sich, dass die Kernklientel wieder mehr beachtet wird.

05.03.2018
  • MATHIAS PUDDIG

Bei aller Uneinigkeit sind sich Befürworter und Gegner wohl einig, dass die Parteierneuerung in der Regierung etwas schwieriger wird als in der Opposition?

Kurt Beck: Da bin ich mir nicht so sicher. Die Erneuerung ist ohne Frage ein schwieriger Prozess. Aber sie ist nicht entscheidend schwieriger in der Regierung. Man muss nur immer deutlich machen: Das ist Koalitionsvereinbarung, daran wird sich gehalten, und das ist Zukunftsperspektive für sozialdemokratische Politik, die in einer Koalition nie zu 100 Prozent umsetzbar ist.

Welche Perspektiven hat die Sozialdemokratie denn?

Sozialdemokratische Werte sind so notwendig wie eh und je. Der Frieden ist bedroht – denken Sie etwa an Putins Verhalten, an den Kurs des US-Präsidenten oder an den Verrückten in Nordkorea. Für Frieden zu sein, für ein freiheitliches System, das zugleich tolerant ist und nicht vergisst, dass wir die Schwächeren in unserer Gesellschaft mitnehmen müssen – wenn das keine sozialdemokratischen Herausforderungen sind, dann gibt's keine.

Wie kann die SPD denn mitregieren, wenn sie auf so drängende Fragen die Antwort noch sucht?

Willy Brandt hat gesagt: „Jede Zeit braucht ihre Antworten.“ Und genau das ist jetzt wieder geboten, wenn es um Digitalisierung, Fragen der Demographie und die weltweite Flüchtlingsbewegung geht. Wir müssen außerdem wieder näher an unsere Kernklientel. Wir müssen die Lebenssituation von Menschen in bestimmten Stadtvierteln wieder besser begreifen und diese Lehre in reales Handeln umsetzen. Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr in solche Stadtviertel gehen, zu Versammlungen mit Gewerkschaftern und Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Wir dürfen nicht belehren, sondern müssen sehen, wie wir eine verantwortliche, tolerante und solidarische Antwort formulieren.

Ist das auch ein Sprachproblem?

Häufig ja. Ich kämpfe, seit ich in der Partei bin, darum, dass man miteinander so redet, dass ein normaler Mensch das noch versteht. Wenn man sagt, wir brauchen eine Erklärung, was sozialdemokratische Politik noch bedeutet, dann versteht das jeder. Wenn man vom Narrativ redet, meinen viele, es geht um Fastnacht. Wir dürfen nicht von oben herab reden. Mathias Puddig

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05.03.2018, 06:00 Uhr

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