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Narren reißen die Macht in Horbs Teilorten an sich

Auch wenn mancher sich insgeheim wünschte, dass die Mini-Revolutionen in den Horber Teilorten länger andauerten als es der Brauch vorschreibt, so sind die Schlüsselübergaben natürlich rein symbolischer Natur. Dennoch halten die Narren zumindest für die kommenden Tage das Zepter fest in der Hand. Die Ortsvorsteher hatten hier das Nachsehen, denn sie waren ihnen ganz und gar ausgeliefert. Den Narren fallen dazu mehr oder weniger rabiate Zeremonien ein. Der Nordstetter Häuptling Manfred Bok wurde etwa an einem Büßer-Brettchen aus dem Rathaus gezogen. Das nahm er aber ganz auf die leichte Schulter. Wie sich in Bildechingen zeigte, mischten sich auch die Ortsvorsteher von morgen in das nicht ganz so ernste politische Treiben. Genau wie auf bundespolitischer Ebene brachten die Kinder auch hier dem politischen Establishment das Fürchten bei. Gegenwehr kam in diesem Jahr von Ortsvorsteher Hartmut Göttler aus Ahldorf. Doch am Ende schaute auch hier ein Narr aus dem Fenster seiner Rathaus-Residenz. Provokativ brachte der Schelm erst seine Meinung zu politischen Querelen im Ort zum Ausdruck, musste dann aber auch widerwillig seine Macht an das niedere Volk weitergeben – nur auf Zeit versteht sich. Mühringens Ortsvorsteherin Monika Fuhl konnte mit einer launigen Büttenrede aufwarten. Nachdem sie ihren inneren Goethe zum Besten gab, fügte auch sie sich tapfer ihrem Schicksal. Den Mühlener Ortsvorsteher Michael Eitelbuß traf das Schicksal gleich zweimal, als er auch noch den Spickzettel für seine Rede nicht fand.

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Stadtoberhäupter und Horber Narren inszenierten gestern Abend vor dem Rathaus eine pointiert choreografierte Schlüsselübergabe. Im Hintergrund am Mikrofon Hofmarschall Daniel Wagner, vorn das Grafenpaar mit dem Schlüssel, rechts Oberbürgermeister Peter Rosenberger, vorne darniederkniend Bürgermeister Ralph Zimmermann. Bild: Karl-Heinz Kuball
„Das Tor bleibt zu, damit ihr’s wisst, weil es aus deutscher Eiche ist. Mir haltet des no lang, lang aus. Mir hend Wein und Brot im Haus“, zeigte sich Ortsvorsteher Andreas Schad von der Belagerung des Betraer Rathauses zunächst unbeeindruckt. Dennoch musste er letztlich den Rathausschlüssel an Zunftmeisterin Jutta Hellstern aushändigen, welche zuvor androhte: „Alles, was eich no retta ka, isch Wein und Bier für jeden Maa. Ruck dr Schlüssel endlich raus, sonscht mache mir dr Garaus.“ Text und Bild: Andreas Wagner
Ungern gab Mühringens Ortsvorsteherin Monika Fuhl den Schlüssel ab, obwohl sie doch eigentlich viel Grund zum Klagen hatte. Krattenmacher-Zunftmeister Florian Ranft blieb jedoch standhaft und forderte vehement das Symbol der Macht ein. Schließlich musste auch die gestandene Kommunalpolitikerin im Pumuckl-Kostüm ihren Widerstand aufgeben. In scharfen Mundart-Reimen gestand sich die Ortsvorsteherin ein: „I gebs jo zua, do hosch du recht, / doch sieh mol ällas et so schlecht. / I sag es dir, es isch halt schad, / dass manches immer erst lauft grad, / wenn de bockig bisch ond ma narrat duat, / uff dauer duat des halt et guat. / Dromm be i jetzt au frei / vo unserer OB Partei. / Dean Stress, dean duat ganz gwies koiner braucha, / letztendlich duats nur älle schlaucha“, sprach sie und gab den Schlüssel her. Text und Bild: Philipp Eichert
Dettingen war 126 Tage in Frauenhand, wird aber bis Aschermittwoch von den Narren regiert. Die ganze Schneckengraberzunft versammelte sich gestern Abend vor dem „Schloss“ und forderten lautstark von der Ortsvorsteherin Andrea Haigis den Rathausschlüssel. Der Zunftmeister Karl-Heinz Hurm meinte die Dettinger haben ihren eigenen Plan, „wir brauchen die Horber nicht“ und sprach sich für den Dexit aus. Andrea Haigis rückte schließlich den Schlüssel schweren Herzen raus. Text und Bild: Michael Henger
Trägt sich Ahldorfs Ortsvorsteher Hartmut Göttler da etwa mit Rücktrittsgedanken? Bei der gestrigen Schlüsselübergabe und der Rede an die örtliche Narren- und „Schmorra“-Schar vom Fenster „seines“ Rathauses aus merkte er jedenfalls – und ziemlich amtsmüde wirkend – unter anderem an, dass es um die Bürgerinitiative „Hau und Holzwiese“ merkwürdig ruhig geworden sei, was auch für deren Sprecherin und Stadt- und Kreisrätin Christina Nuss gelte. Jedenfalls freue er sich nun, zumindest vorerst die Bürde des Amtes abgeben zu können. Worte, die Zunftmeister Stefan Lachenmaier (Bild) gerne aufnahm. Er wird mit seinen Ahldorfer Narren nun bis zum Fasnets-Dienstag dort regieren und wer weiß – vielleicht gelingt es ihnen ja, wieder Bewegung in die Ahldorfer BI zu bringen? Text und Bild: Willy Bernhardt
Da hat‘s ihn erwischt, gerade mal ein paar Monate im Amt und schon muss Nordstettens Jungspund-Ortsvorsteher an den Pranger. Wenigstens nimmt es Manfred Bok recht sportlich, so viel lässt zumindest sein Häs vermuten. In einem Traum aus Babyblau und Pink zeigt die Nordstetter Nummer 1, dass er auch stiltechnisch in einer der oberen Ligen mitspielt. Geholfen hat es ihm jedoch absolut nichts. Gegen zwei gestandene Geißböcke hilft nun mal kein Frottee-Stirnband. Den Rathausschlüssel konnte er da nicht lange in Händen halten. So ein Büßer-Brettchen kratzt ja doch ziemlich am Hals. Deswegen hatten die Nordstetter Narren im Endeffekt auch keine großen Probleme, ihrem Ortsvorsteher die Macht zu entreißen, der nahm es – wie könnte es in diesem Outfit auch anders sein – sportlich. Text: bbm / Bild: gaw
Altheims Ortsvorsteherin Sylvia Becht musste am gestrigen Schmotzigen der hiesigen Narrenzunft den Rathausschlüssel aushändigen. In seiner Schmährede kritisierte der „Schütz“ unter anderem, dass der Zebrastreifen in Altheim verlegt wurde. „Se hend ihn verschoba Richtung Ochsa nom. Des isch ed guad. Noa, des isch domm“, stellte der Schütz fest und ging auf den Unmut des ansässigen Gastronomen ein: „Dr Ochsenwirt hot gscholta wie an Rohrspatz. Mo sollad meine Gäste naparka? I hau doch eh koan Platz.“ Auch der dort errichtete Laternenmasten sei laut den den Narren völlig fehl am Platz. „Dia Situation isch doch viel gefährlicher als dr alde Zebrastreifa. So ein Blödsinn, dean musch erst amol begreifa.“ So war es kein Wunder, dass auch in Altheim die Narren die Macht an sich rissen. Text und Bild: Andreas Wagner
Den Rexinger Narren händigte Ortsvorsteherin Birgit Sayer am gestrigen Tag den Rathausschlüssel aus und wurde zum Zwangsurlaub verdonnert. „Königin Birgit, gib dich geschlagen. Du musst uns nun tapfer bis Fasnetsdienstag ertragen“, kündigten die Narren der Ortsvorsteherin an. In ihrer Schmährede thematisierten Tobias Bleher (Muggaverbrenner) und Maik Sothmann (NZ Rexingen) unter anderem das Gasthaus Sonne. „Bei der Gastronomie sind wir Rexinger weiterhin bescheiden. Dafür haben unsere Ziegen die schönsten Weiden“, stellten die Narren fest. „Das Gasthaus Sonne ist mittlerweile verkauft. Ich bin auch ganz gespannt, was da wohl lauft“, verkündete Sayer und verriet ferner: „Scheinbar wurden dort Chinesen gesehen. Ob die wohl bald hinter dem Tresen stehen?“ Text und Bild: Andreas Wagner
Auch Mühlens Narren kennen keine politischen Freunde, musste der neue Ortsvorsteher Michael Eitelbuß (links) gestern bei der Schlüsselübergabe erfahren. Sein Ratskollege Michael Zörner verkündete als Schonka-Chef zwar etliche Neuerungen in der diesjährigen Mühlener Fasnet, doch die Verschonung des OV war damit offensichtlich nicht gemeint. Vermutlich auch nicht, dass der Narrenchef seinen Zettel mit dem Redetext nicht fand und improvisieren musste. Zu den zuvor angekündigten Neuerungen gehörte auch nach der Schulbefreiung der Umzug zum Rathaus. Diesmal ging es in Begleitung der Narrenkapelle „Muggeseggele“ direkt zur Schlüsselübergabe – mit Halt an zwei Aufwärmstationen; eine davon war beim Ehrenpräsidenten Erich Müller eingerichtet. Mit der Folge, dass der Zug eine halbe Stunde zu spät zur Übergabe ans Rathaus kam. Text und Bild: Philipp Eichert
Ihren neuen Ortsvorsteher Anton Ade haben die Talheimer nicht nur in ihr Herz, sondern auch fest in ihre Narrengemeinschaft eingeschlossen. Da brauchte es keinen Schlüssel mehr. Ade bat seine Freunde, in den drei Tagen der närrischen Regierung für das beabsichtigte, massiv klemmende Baugebiet einen Hektar Ausgleichsfläche aufzutreiben, was ihm im nüchternen Alltag bisher nicht gelang. Text und Bild: hmg
Ehe sich Bildechingens Ortsvorsteher Uli Beuter und Zunftmeister Mathias Hegle über die Regierungsübergabe einigen konnten, hatten kleine Medrachkeiler, Riedhexen und Gardemädle den Schlüssel stibitzt. Da blieb Hans Schick nichts anderes übrig, als nach dem Blockstrecker-Marsch noch „Kinder an die Macht“ zu spielen. Text und Bild: Hans-Michael Greiß
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