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Ein Kick mit kräftig Kalorien

Nationalmannschaft der Spitzenköche gewann in Erpfingen nur die dritte Halbzeit

Der Ball ist auch bei der „Deutschen Fußballmannschaft der Spitzenköche und Restaurateure“ rund. Ein Spiel dieser Truppe hat aberdeutlich mehr als 90 Minuten, satt Kalorien und meist einen wohltätigen Hintergrund. Am Montag traten die Küchenprofis in Erpfingen gegen die Firmenelf von Hugo Boss und für Aids-Waisen in Südafrika an.

08.09.2010
  • Matthias Stelzer

Erpfingen. Normalerweise laufen die Balltreter unter Deutschlands Spitzenköchen vor allem in größeren Städten oder zumindest an den mondäneren Orten dieser Welt auf. Kein Wunder – ist ihre Branche doch zumindest vordergründig mit Champus und Kaviar belegt. Dabei kann die Sterneküche in den letzten Jahren gerade auch ohne dieses Klischee: Albdinkel und Hefezopf(strudel) eben. Die deutsche Spitzenküche ist regionaler und damit ländlicher geworden.

Eine Entwicklung, die am Montag nun auch die Nationalmannschaft der sternedekorierten Köche nachvollzogen hat. Auf Einladung ihres Rechtsaußen, „Hirsch“-Wirt Gerd Windhösel“, kamen die Fußballer auf die rauhe Alb, wo sie von rund 300 Zuschauern, Fifa-Schiedsrichter Knut Kircher, einem frischen Ostwind und einer voll austrainierten Werkself von Boss erwartet wurden.

Nationalmannschaft der Spitzenköche gewann in Erpfingen nur die dritte Halbzeit
Ralf Allgöwer (ganz links) und Guido Buchwald (am Ball) halfen den Spitzenköchen um Gerd Windhösel so gut es ging. Bild: Haas

Um das Zählbare vorwegzunehmen: In Erpfingen gab es für die Küchenkünstler nichts zu holen. Sie verloren die ersten beiden Halbzeiten mit 9 : 4 Toren deutlich. Und das, obwohl sie auf ein Spielgerät aus anderen Sphären setzten: Dem Ball verschaffte CDU-Politiker, Ex-Turner und Fallschirmspringer Eberhard Ginger einen strahlenden Auftritt aus 1200 Metern über dem Rasen. Eine Tatsache, die in erster Linie, den inzwischen verrenteten SWR-Reporter Guido Dobbratz als Stadionsprecher in Verzückung versetzte. „Unser Ebse landet im Mittelkreis“, schwärmte er, als Gienger an der Strafraumgrenze niederging.

Und genau dort gingen zu Beginn des Kicks meist auch die Sturmspitzen der Spitzenköche nieder. Weil sie den Boss-Herren athletisch und läuferisch mächtig unterlegen waren. „Ich bin nicht unzufrieden, schließlich sind wir zum Teil 20 Jahre älter als das Boss-Team“, analysierte Windhösel, der jetzt am Samstag 50 Jahre alt wird, das Spiel. Eine Tatsache, auf die sich der Erpfinger Sternekoch auch schon in der Vorbereitung eingestellt hatte. Spätestens als klar war, dass etliche seiner jüngeren Teamkollegen, wie zum Beispiel die Fernsehköche Mario Kotasa und Ralf Zacherl, auf der Alb nicht auflaufen können, stellte Windhösel seinen Routiniers (darunter der Tübinger Gastronom und Dehoga-Präsident Ernst Fischer) zwei Ex-Profis zur Seite. Ralf Allgöwer (ehemals VfBler und jüngerer Bruder des „Wasenkarles“) und der heimische Weltmeister Guido „Diego“ Buchwald“ gingen den Küchenchefs zur Hand – oder besser für die Sternekicker mit dem Fuß zum Ball. Dem aus Wannweil stammenden Buchwald gelang sogar ein sehenswertes Fernschuss-Tor.

Ein Wannweiler war es dann auch, der als Führungsspieler der dritten Halbzeit fungierte. Claus-Peter Lumpp, der mit drei Sternen ausgezeichnete Chefkoch des „Bareiss“ in Baiersbronn, bereitete in der „Hirsch“-Küche das nach den Spielen übliche Galamenü zu. Vier Gänge (siehe unten) für die fachkundigen Kollegen, die Promi-Helfer vom Platz, gegnerische Mannschaft und die Sponsoren wurden bereitet. Letztere öffneten in dieser von einem Elvis-Imitator flankierten Nachspielzeit dann auch kräftig den Geldbeutel. 5000 Euro für das Aids-Waisen-Projekt kamen in Erpfingen zusammen. Insgesamt haben die kickenden Köche seit 1996 schon über 300 000 Euro für Hilfsprojekte gesammelt. „Man kann sagen: Spätestens in der dritten Halbzeit gewinnen wir immer“, sagt Gastgeber Gerd Windhösel deshalb.

Der Verlauf der dritten Halbzeit im „Hirsch“

Claus-Peter Lumpp überzeugte als Teamchef in der Erpfinger Küche einmal mehr mit regionalen Tugenden auf hohem spielerischen Niveau. Nach einem aus Frankreich gesponserten Champagner-Aperitif ließ der der 46-jährige Wannweiler Lumpp als Vorspeise „Tatar, Praline und Sülze vom Albbüffel“ auflaufen.

Danach spielte ein „Saibling auf Albdinkelrisotto mit Traubenkernöl“. Ins zentrale Mittelfeld stellte der Drei-Sterne-Koch eine „Gefüllte Schulter vom Alblamm mit Wiesenkräutern“.

Und für die Nachspielzeit übergab Lumpp die Verantwortung an seinen Spezialisten für späte Erfolge. „Bareiss“-Chefpatissier Stefan Leitner setzte im Erpfinger „Hirsch“ auf einen „Hefezopfstrudel auf Zwetschgenragout mit Albkräutereis“.

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08.09.2010, 12:00 Uhr

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