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„Natürlich flossen Tränen“

Interview mit Marie-Luise Marjan zum Ende der Lindenstraße

Marie-Luise Marjan war von der ersten Folge an die Mutter Beimer und wurde zur TV-Ikone. Die 79-Jährige bedauert das Aus der „Lindenstraße“.

29.03.2020

Von Martin Weber

Helga in einem ihrer letzten Auftritte, umringt von Hans, Benny und Erich. Foto: Steven Mahner/WDR/ARD/dpa

Köln. Seit 1985 verkörperte Marie-Luise Marjan in der ARD-Seifenoper „Lindenstraße“ als Helga Beimer die Mutter der Nation. Doch jetzt ist Schluss mit Spiegeleier braten und Tratsch im Treppenhaus: Am Sonntag ist die letzte Folge der „Lindenstraße“ zu sehen, nach 34 Jahren und vier Monaten geht damit die legendäre Serie zu Ende.

Frau Marjan, Sie waren von Anfang an als Mutter Beimer dabei. Sind Sie traurig?

Marie-Luise Marjan: Ja natürlich, die „Lindenstraße“ ist ein großer Teil meines Lebens. 34 Jahre sind eine lange Zeit. Die Serie ist mir in all den Jahren ans Herz gewachsen.

Wie war die Stimmung am Set, nachdem die letzte Folge im Dezember abgedreht worden war?

Die war unglaublich emotional, so etwas habe ich überhaupt noch nicht erlebt. Nachdem ich meine letzte Szene gedreht hatte, war das ganze Studio voller Menschen, alle haben pausenlos applaudiert. Da wurde mir erst bewusst, dass es vorbei ist, und natürlich flossen auch die Tränen.

Die langjährigen Darsteller der „Lindenstraße“ (von links): Felix Maximilian, Jacqueline Svilarov, Moritz A. Sachs, Marie-Luise Marjan, Andrea Spatzek, Moritz Zielke und Sybille Waury. Foto: Lucas Bäuml/dpa

Waren Sie überrascht, als Sie im vergangenen Jahr erfahren haben, dass es mit der „Lindenstraße“ zu Ende geht?

Ich war zu dem Zeitpunkt mit meiner Kollegin Andrea Spatzek bei einem Eagles-Wohltätigkeits-Golfturnier in Spanien . . .

. . . Sie spielen Golf?

Ja, ab und an, ich mache gelegentlich Schnupperkurse. Für die Eagles greife ich gerne zum Golfschläger.

Und bei diesem Turnier haben Sie dann vom Aus der „Lindenstraße“ erfahren?

Genau, eine Dame sprach mich an und sagte mir, dass die „Lindenstraße“ abgesetzt ist, ich konnte es zuerst überhaupt nicht fassen. Kurz darauf rief mich Produzent Hans Geißendörfer an und teilte mir mit, dass die ARD beschlossen hat, die „Lindenstraße“ nicht fortzusetzen.

Waren Sie sauer, dass das so beschlossen wurde?

Nein, sauer war ich nicht, ich habe es einfach nicht verstanden, dass die „Lindenstraße“ abgesetzt werden soll. Die Akzeptanz für die Serie ist in der Bevölkerung nach wie vor sehr hoch. Klar, die Einschaltquoten waren nicht mehr dieselben wie noch vor 20 oder 30 Jahren, aber das hängt ja auch damit zusammen, dass es heute im Vergleich zu früher viel mehr Sender und Programme gibt. Außerdem hat sich das Zuschauerverhalten total geändert. Viele Leute schauen heutzutage doch auf dem Tablet oder auf ihrem Smartphone die „Lindenstraße“, und die werden von der Quotenzählung gar nicht erfasst.

2002: Helga mit Hausmeisterin Else Kling (Annemarie Wendl). Foto: WDR/Eckbert Reinhardt

Der Serie wurde oft der Vorwurf gemacht, sie sei ein bisschen angestaubt.

Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Die „Lindenstraße“ ist gerade in der letzten Zeit erheblich moderner geworden, etwa mit einem schnelleren Erzähltempo, schnelleren Schnitten und einer anderen Kameraführung. Und die Themen sind aktueller denn je.

Sie sind an Bord geblieben und waren ja auch immer das Gesicht der „Lindenstraße“. Hätten Sie vor mehr als 30 Jahren, gedacht, dass das so eine große Sache wird?

Nein, das hat niemand von uns geahnt. Wir haben damals gedacht, wenn wir das erste Jahr überstehen, sind wir gut dran. Meine Kollegin Ruth Maria Kubitschek hat mir damals aber gesagt, wenn eine Serie auf mehr als 30 Folgen kommt, dann hat das Publikum sie angenommen, und die Serie läuft länger. Heutzutage haben die Sender ja überhaupt keine Geduld mehr mit neuen Serien. Wenn sie nicht sofort einschlagen, werden sie abgesetzt.

Hatten Sie in all den Jahren auch mal den Drang, was anderes als „Lindenstraße“ zu machen?

Ja, hatte ich, ich habe zum Beispiel die ZDF-Reihe „Kein Rezept für die Liebe“ gedreht, bei RTL war ich einmal eine Art Miss Marple in dem Film „Immer wenn sie Krimis liest!“. Und ich liebte meine Pfarrerin in dem Film „Dem Himmel sei Dank“.

Aber in erster Linie waren Sie immer Mutter Beimer.

Damit hatte ich nie ein Problem. Im Gegenteil: Ich habe die Helga Beimer immer gern gespielt. Es gab nie eine Phase, in der ich hinschmeißen wollte.

Ein Bild aus frühen „Lindenstraße“-Tagen (1986): Familie Beimer diskutiert am Esstisch in der Küche. Foto: Fotoreport WDR/WDR/dpa

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an Helga?

Sie hatte es oft schwer, und die eher traurigen Szenen waren immer eine ganz besondere Herausforderung für mich als Schauspielerin. Noch schwieriger aber war es, den Alltag glaubwürdig zu spielen. Die ganz normalen, alltäglichen Szenen mit Leben zu füllen und spannend zu machen.

Sie haben viele Spiegeleier gebraten als Mutter Beimer . . .

Stimmt, immer wenn Helga Probleme hatte, hat sie ein Spiegelei in die Pfanne gehauen. Dann hat sie sich hingesetzt und das ganz langsam und genüsslich gegessen – das war das Zeichen dafür, dass sie mit einem Problem fertigwerden musste, und erfahrene „Lindenstraßen“-Zuschauer haben das auch erkannt. Die wussten schon Bescheid, wenn Helga nur die Bratpfanne aus dem Schrank holte (lacht).

Wie läuft es denn für Helga Beimer in der letzten Folge der „Lindenstraße“?

Das darf ich nicht verraten und das will ich auch nicht, denn damit würde ich ja jedem die Spannung nehmen.

Info Marie-Luise Marjan wurde 1940 als Marlies Wienkötter in Essen geboren und machte zunächst am Theater Karriere, sie war an bedeutenden Bühnen wie dem Schauspielhaus Bochum oder dem Thalia Theater in Hamburg engagiert. In den 70er und 80er Jahren wirkte sie in diversen Filmen und TV-Serien mit, bevor sie mit der Rolle der Mutter Beimer in der „Lindenstraße“ 1985 die Rolle ihres Lebens fand.

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Erstellt:
29. März 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. März 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. März 2020, 06:00 Uhr

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