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Plötzlich ist der Baum weg

Naturschützerin Lupp kritisiert das oft allzu schnelle Abholzen / Stadtgrün ist wichtig

Im Frühjahr, wenn alles wieder grün wird, klaffen Lücken an manchen Wegen und Straßen: Bis Ende Februar dürfen Bäume gefällt werden. Dann klingelt oft das Telefon in der Tübinger BUND-Geschäftsstelle, sagt Geschäftsführerin Barbara Lupp. Die Umweltschützerin sieht viele Fäll-Aktionen durchaus kritisch.

19.04.2016
  • Volker Rekittke

Tübingen. Wer in den letzten Wochen den Neckarbegleitweg beim Freibad entlanggegangen oder -geradelt ist, dem dürften die großen Baumstümpfe regelrecht ins Auge gesprungen sein. Drei mächtige Pappeln – Stammdurchmesser: gut 1,50 Meter – fielen hier. Dazu ein Ahorn und eine Hainbuche.

All diese Bäume sind in der aktuellen städtischen Baumfällliste vermerkt, die auch im Internet zu finden ist. „Absterbend“ ist als Begründung bei den drei Pappeln angegeben. Dabei sieht zumindest die Baumscheibe der ersten Pappel alles andere als absterbend aus (siehe Bild oben). Auf nochmalige Nachfrage liefert die städtische Pressestelle dann eine andere Erklärung: „Diese Pappel wurden wegen Sturmschäden gefällt.“

Zwar gehöre die Pappel zu den schnell wachsenden Baumarten, sagt Barbara Lupp – und doch brauche so ein Baum Jahrzehnte, bevor er einen Durchmesser von 1,5 Metern erreicht. „Abgestorbene oder beschädigte Äste könnte man auch rausmachen“, sagt die Geschäftsführerin des BUND Neckar-Alb. Doch „wenn’s nicht gerade die Platanenallee ist“, werde meist der ganze Baum gefällt, so Lupp: „Die Verkehrssicherungspflicht ist damit zu hundert Prozent erfüllt.“ Leider habe solch ein Vorgehen dann Nebenwirkungen für Mensch und Natur: Vor allem alte, große Bäume sind Lebensraum für Tiere, sie nehmen viel CO2 auf, sind Schattenspender und sorgen im Sommer wegen ihrer Verdunstung für angenehme Kühle. Ein Ersatz für die gefällten Pappeln beim Freibad sei nicht geplant, heißt es vonseiten der Stadt – wegen „Lichtkonkurrenz“ mit anderen Bäumen.  

Kahlschlag ist „wirtschaftlicher“

„Wir kriegen laufend solche Fälle rein“, sagt Barbara Lupp. Auch im Wennfelder Garten seien einige Bäume gefällt worden – allerdings nicht von der Stadt. Am Neckar auf Höhe der Kläranlage mussten unlängst ebenfalls Bäume weichen – weil Stadt und Regierungspräsidium dort Teile des Hochwasserschutzdamms erneuern wollen.

Ein weiteres „typisches“ Argument für den auch in diesem Frühjahr wieder zu beobachtenden Kahlschlag hörte Lupp unlängst bei einer Begehung am Neckar von einem Tübinger Behördenvertreter: Es sei eben „wirtschaftlicher“, alles auf einen Schlag „wegzumachen“ – dann habe man „für zehn Jahre Ruhe“.

Wenn schon gefällt werde, möge die Stadt wenigstens für Ersatz sorgen, fordert Lupp – aber bitte nicht mit pflegeleichten Mini-Bäumchen.

Die Baumfällliste gibt’s unter: tuebingen.de/gemeinderat/suchen01.php, dort „403/2015“ eingeben.

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19.04.2016, 01:00 Uhr

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