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Sach-Infos schaffen mehr Akzeptanz

Naturschutzpolitischer Grünen-Sprecher Markus Rösler auf Werbe-Mission für den Nationalpark

Ob es im Nordschwarzwald den Nationalpark geben oder ob das Vorhaben vielleicht niemals umgesetzt wird, hängt von der Unterstützung oder Ablehnung der davon betroffenen Bevölkerung ab. Zuhören und informieren lautet deshalb Dr. Markus Röslers Devise. Der naturschutzpolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion war in den vergangenen Tagen viel unterwegs.

08.09.2011

Von MONIKA SCHWARZ

Freudenstadt. 13 Termine in kürzester Zeit liegen hinter Rösler. Über Langeweile kann sich der 49- jährige Landtagsabgeordnete, Naturschutz-Beauftragte und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Wirtschaft und Finanzen nicht beklagen.

Dass die Bereitschaft zuzuhören und eventuelle Informationsdefizite auszugleichen unverzichtbar ist, merkt Rösler immer wieder, wenn er mit Interessengruppen den Nationalpark diskutiert. „Es fehlen teilweise grundlegende Informationen. Was ich da manchmal höre, ist einfach nur verquer?, sagt Rösler nach rund 60 Stunden, in denen er das Thema „draußen? erörtert hat.

Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbands, Förster, mit denen er stundenlang durchs Gelände gelaufen ist, Sägewerker und Vertreter der Holzbearbeitungsindustrie, ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte, Mitarbeiter des Naturschutzzentrums auf dem Ruhestein, kritisch gestimmte „Bürgervereinigungen?, IHK-Vertreter und grüne Parteifreunde ? sie alle hat Rösler in den vergangenen Tagen getroffen, um das im grün-roten Koalitionsvertrag ausdrücklich befürwortete Thema (Zitat: „Dabei streben wir die Einrichtung eines Nationalparks an und suchen hierzu den Dialog mit allen Akteuren vor Ort?) zu erörtern.

Rösler ist nicht erst seit seinem Einzug ins Landesparlament mit dem Thema befasst. Er gilt wegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten und seiner berufspraktischen Erfahrungen als Landschaftsökonom und -ökologe als ausgewiesener Fachmann in Sachen Nationalparks. Dass teilweise große Wissensdefizite bestehen, wundert Rösler nicht. „Woher sollen die Leute denn ihre Informationen haben, wenn es hierzulande noch gar keinen Nationalpark gibt?, sagt er.

Persönlich ist sich Rösler ziemlich sicher, dass am Ende die positiven Aspekte eines Nationalparks überwiegen und die Akzeptanz auch bei den Kritikern wächst ? wenn halt genügend sachliche Information geflossen ist. Das Ganze dreht sich beispielsweise um das „Warum? eines Nationalparks und damit auch um alte Debatte aus den 80-er Jahren, damals von Klaus Töpfer und Richard von Weizsäcker initiiert. „Der Nationalpark dient beispielsweise dazu, die Natur zu schützen, die sich bei ungestörten Abläufen entwickelt?, so Rösler. Anders als der reine Bannwald verknüpft der Nationalpark ökonomische Aspekte und den Tourismus. „Und deshalb halte ich persönlich den Nationalpark auch für sehr viel sinnvoller?, so Rösler. Dass ein solcher Nationalpark eine Mindestgröße von 10 000 Hektar aufweisen soll, wurde nicht etwa von der neuen Landesregierung beschlossen, sondern basiert auf 2006/2007 festgesetzten und für alle Länder verbindlichen Qualitätskriterien.

Festgeschrieben ist darüber hinaus die Länderzuständigkeit für ein solches Vorhaben, die auch die Finanzen umfasst. „Das Land wird den Nationalpark bezahlen, wenn er kommt. Kommunen und Kreise werden definitiv nicht beteiligt, auch nicht in Form einer Taxe oder ähnlichem?, so Rösler. Und die dafür erforderlichen Mittel würden auch nicht an anderer Stelle, etwa beim Naturpark, abgezwackt. In welcher Größenordnung jährlich Gelder bereitgestellt werden müssten, ist derzeit noch unklar. Weil ja weder die genaue Größe noch die präzise Lage eines Parks derzeit fest stehen. Rösler nennt nur einen groben Rahmen: „Zwischen drei und zehn Millionen Euro jährlich.?. Zusätzliche Mittel werden für ein oder gegebenenfalls zwei größere Infozentren nötig ? Letzteres etwa, falls der Nationalpark auf zwei selbständigen Zonen und nicht zusammenhängend entstehen sollte. Vorgesehen sind ausschließlich Staatswaldflächen. Auf Wunsch hin wird allerdings auch mit Kommunen verhandelt, „wenn sie das wollen?, so Rösler. Beim Ochsenkopf und beim Ruhestein, zwei der möglichen Gebiete für einen Nationalpark, könnte das Thema eine Rolle spielen. Auch das Gebiet Kaltenbronn ist in der Diskussion. Darüber hinaus könnte man die Baden-Badener Höhen nach Röslers Auffassung ebenfalls in die Überlegungen einbeziehen, wenn von dort aus entsprechende Wünsche geäußert werden.

Befürchtungen, wonach im Gebiet des Nationalparks weniger Förster benötigt werden, bestätigt Rösler nicht. Eher mehr würden dann gebraucht, das zeigten auch die bestehenden Parks. Rösler relativiert auch die Ängste der Holz-und Sägeindustrie. Ein Entwicklungsnationalpark bedeutet, dass während der kommenden 20 bis 30 Jahre sogar mehr als bisher in den Wald eingegriffen und deshalb auch mehr Holz herausgeholt wird, so Rösler. Für die Betroffenen ändere sich also erst einmal nichts.

Und für die Zeit danach beruhigt er anhand eines Zahlenbeispiels. Auf 12 000 Hektar Nationalparks-Fläche liegen in aller Regel ungenutzte Flächenvon 3000 Hektar. Von den restlichen 9000 Hektar würden laut Konzeption 25 Prozent zur Pflegezone erklärt. „Ergo passiert letztlich gerade mal auf 6000 Hektar nach 30 Jahren nichts mehr.? Bei einem derzeit in Höhenlagen realistischen Holzeinschlag von fünf Festmetern pro Hektar/Jahr kommt man deshalb in der Summe gerade mal auf 30 000 entfallende Festmeter, so Rösler.

Die Zahlen und Dimensionen eines möglichen Nationalparks sind für den Grünen-Sprecher in der ganzen Diskussion sowieso in eine gewisse Schieflage geraten. „Der Mensch ist doch nicht das Maß aller Dinge.? Man solle sich doch einfach einmal trauen, aus einem eng begrenzten Naturreservat „die Finger einfach rauszulassen?.

Dr. Markus Rösler, naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, hat gerade einen Terminmarathon in Sachen Nationalpark absolviert.Bild: mos

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Erstellt:
8. September 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. September 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. September 2011, 12:00 Uhr

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