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Kreis fördert Gastspieltheater

Neben den Platzhirschen LTT und Melchinger Lindenhof werden aber auch kleinere Häuser bedacht

Der Kreis unterstützt Theater wie das LTT und den Melchinger Lindenhof, die von ihrem Standort aus Abstecher ins Umland machen, besonders. Aber auch kleinere Theater gingen in der Haushaltsberatung am Mittwoch nicht leer aus.

11.12.2014
  • Renate Angstmann-Koch

Kreis Tübingen. 86.000 Euro und noch einmal 10.000 Euro zum Decken einer Finanzlücke erhält das LTT. Mit 17.000 Euro (davon 9000 Euro mit Sperrvermerk für den Fall, dass das Geld nicht benötigt wird) bezuschusst der Kreis Tübingen den Melchinger Lindenhof – vor allem, damit er Landesmittel in doppelter Höhe abschöpfen kann. Das entschied am Mittwoch der Kreistag.

Der Lindenhof hatte bisher 8000 Euro jährlich vom Kreis erhalten und im Jahr 2013 zusätzlich 10.000 Euro für sein Stück über den Mössinger Generalstreik. Für 2015 beantragte das Theater 25.000 Euro und untermauerte seine Forderung in einem Schreiben, das kurz vor der Sitzung bei der Verwaltung einging. Der Kreistag verständigte sich jedoch auf die niedrigere Summe.

Dem Beschluss ging eine Grundsatzdebatte voraus, ob der Kreis überhaupt dafür zuständig ist, Theater zu fördern, oder diese Aufgabe allein den Städten und Gemeinden überlässt. Die Mehrheit zeigte sich bereit, jene 123.000 Euro, die in diesem Jahr als Zuschuss eingeplant waren, auch 2015 auszugeben. Allerdings gab es unterschiedliche Auffassungen, ob die großen Häuser bevorzugt werden sollen, die auch kleine Gemeinden bei Abstechern versorgen, oder kleinere Theater, die noch am Anfang stehen und das nicht können. Für letzteres sprach sich Stephan Neher (CDU) aus. Ein Theater von der Größe des LTT könne dagegen „effizienter arbeiten“.

Michael Lucke (SPD) forderte wie Berndt Rüdiger Paul (Grüne) eine Kulturkonzeption ein. Aus ihr ginge gewiss auch hervor, dass beim LTT bereits viel gespart wurde. „Wir wollen bei den kleinen nicht einfach aussteigen, sondern mit den Kommunen reden“, sagte Lucke. Ganz leer mochte der Kreistag die kleineren Theater jedenfalls nicht ausgehen lassen. So erhalten das Tübinger Zimmertheater 10.000 Euro und die Theater Am Torbogen und Hammerschmiede je 5000 Euro.

Stark auseinander gingen die Auffassungen über die Förderung der „Pfunzkerle“. Alle Redner betonten, sie schätzten deren Anti-Gewalt-Training für Männer. Grüne, SPD und Linke unterstützten den Antrag der „Pfunzkerle“ auf Förderung. Landrat Joachim Walter, Klaus Tappeser (CDU) und Dietmar Schöning (FDP) sahen jedoch Möglichkeiten, Therapien auch über den Bewährungshilfeverein abzurechnen. So bleibt es bei einem Kreis-Zuschuss von 5300 Euro und gegebenenfalls einer Abrechnung als Einzelfallhilfe.

Vor der Beratung am Mittwoch hatten sich die Fraktionen schon über eine lange Reihe von „Freiwilligkeitsleistungen“ geeinigt. Sechsstellige Beträge erhalten etwa die Musikschulen und die Lebenshilfe, aber auch die Zentralen Werkstätten, Beratungsstellen für Ältere, die Tagesstätte für psychisch Kranke, Die Drogenhilfe, die Fachberatungsstelle für Wohnungslose, die IAV-Stellen oder die Psychologische Beratungsstelle Brückenstraße.

Im Zug der Haushaltsberatung gab es auch Anträge, die keine unmittelbare finanzielle Auswirkung haben. So versprach Landrat Joachim Walter, im Sozial- und Kulturausschuss zu berichten, wie der Kreis die „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge handhabt. Auch wolle er die durchaus bereits vorhandene Kulturkonzeption des Landratsamts vorlegen und sich über eine Studie der Stadt Tübingen kundig machen.

Die Linke will, dass der Kreis sich der einer Forderung des Städte- und Gemeindetags anschließt. Die kommunale Selbstverwaltung, öffentliche Dienstleistungen und das Vergabewesen müssten vor den Freihandelsabkommen TTIP, TISA und CETA geschützt werden. Außerdem soll Transparenz bei den Verhandlungen eingefordert werden. Der Kreistag oder der Verwaltungs- und Kulturausschuss soll im nächsten Jahr die Auswirkungen der Abkommen behandeln und der Kreistag bei einer öffentlichen Veranstaltung über die Abkommen informieren.

Landrat Joachim Walter, Vizepräsident des Deutschen Landkreistags, zeigte sich wenig begeistert von dem Antrag. Er sehe sich nicht in der Lage, über den Stand der Verhandlungen hinter verschlossenen Türen zu informieren. Außerdem seien die Wünsche der Kommunen bei der Bundesregierung in guten Händen. Walter warb um Vertrauen darauf, dass deren Interessen in den internationalen Verhandlungen gewahrt bleiben. „Das ist, wie wenn man während der Schwangerschaft diskutiert, ob das Kind blond oder rothaarig ist“, sagte er. Der Antrag der Linken erhielt mit den Stimmen der Grünen und der SPD jedoch das notwendige Quorum und wird jetzt behandelt.

Neben den Platzhirschen LTT und Melchinger Lindenhof werden aber auch kleinere Häuser bedacht
Im vergangenen Jahr thematisierte der Melchinger Lindenhof den Mössinger Generalstreik, an dem sich auch Textilarbeiterinnen beteiligten.Archivbild: Franke


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