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Blaulicht statt Böller

Neckarabschwimmen der Feuerwehr dauerte keine halbe Stunde

Über 200 Zuschauer säumten die Strecke: Beim traditionellen Neckar-Abschwimmen der Tauchergruppe der Tübinger Feuerwehr waren an Dreikönig fast 100 Kameraden aus ganz Baden-Württemberg dabei.

06.01.2015
  • Michael Sturm

Tübingen. Thomas Henne, Pächter des Tübinger Campingplatzes, ist gut vorbereitet: Auf seinem Grill brutzeln rote Würste und die gehen weg wie warme Semmeln – die Teilnehmer am Neckarabschwimmen stärken sich vorher ausgiebig. Die Mössingerin Tanja Diez belässt es bei zwei Tassen Glühwein, „um mich von innen zu wärmen“. Obwohl sie keiner Feuerwehrstaffel angehört, ist sie seit 24 Jahren dabei. Ihr Vater Horst Diez bildete Jahre lang die Taucher der Tübinger Gruppe aus. Was nimmt sie mit auf die Strecke? „Gute Laune!“

Die hatten alle im Gepäck, die sich am Dienstag im Tübinger Uhlandbad in die Neoprenanzüge zwängten, um am Campingplatz in den wenige Grad kalten Neckar zu steigen. Riki Rathjen von der studentischen Tauchgruppe Uni-Dive verpasst beinahe den Start, als sie sich mit Mühe in ein zweites Paar Handschuhe zwängt. Das wäre nicht gut. An diesem Tag sollen nämlich alle möglichst gleichzeitig ins Wasser, denn die Fließgeschwindigkeit ist recht hoch. „Bitte zügig ins Wasser“, ruft Martin Gaißer von der Tübinger Feuerwehr ins Rund der Teilnehmer. Und er weist darauf hin, dass man bitte links an den Bojen vorbeischwimmen soll, die etwa auf Höhe der Bundesstraßen-Brücke im Wasser verankert wurden. Immerhin kann die Traditions-Veranstaltung stattfinden. Noch zwei Tage zuvor stand sie auf der Kippe – das Neckarwasser war zu hoch und floss zu schnell. Doch dann blieb weiterer Regen ebenso aus wie die befürchtete Unmenge von Schmelzwasser aus dem Schwarzwald.

Im Vergleich zu den letzten Jahren hat sich beim diesjährigen Neckar-Abschwimmen eine geringfügige Änderung ergeben. Nach dem Start-Böller gehen keine verspäteten Silvester-Raketen in die Luft. „Um deutlich zu machen, wer hier runter schwimmt“, so der Reutlinger Feuerwehrmann Ulrich Meyer, haben er und seine Kameraden ein Martinshorn und ein Blaulicht dabei. Das haben sie auf ihr schwimmendes Tablett montiert. Davon sind nun einige zu Wasser. Die meisten transportieren Thermoskannen, die mit Glühwein oder Punsch gefüllt sind. Die meisten Teilnehmer haben ihre Plastiktassen an einem Bändel um den Hals hängen. Zum Ausspülen hat man das Neckarwasser.

Früher ging die Strecke bis zur Jugendherberge. Das Neckarabschwimmen war gleichzeitig eine gute Übung zur Wasserrettung. Die Reutlinger Kollegen hatten im Dezember zwei echte Wasser-Einsätze. Da war’s auch kalt, sagt Ulrich Meyer. So wäre man am Dienstag gerne geschwommen, um warm zu werden. Doch an diesem Dienstag macht es mehr Sinn, sich einfach treiben zu lassen. Statt der eleganten Stilart Schmetterling sieht man daher vor allem den Toten Mann – die Taucher treiben rücklings im Wasser und zeigen dabei nur zu gern ihre Flossen.

Die Reutlinger Kameraden lassen die gut 30 Zuschauer an der Alleenbrücke an ihrem Spaß teilhaben: „Wir haben noch einen Platz frei“, rufen sie hinauf. Hier endlich bekommen Petra und Dennis Hartmann aus Ofterdingen samt der 18 Monate alten Tochter Amelie einen Blick aufs Geschehen. „Wir sind seit zehn Uhr da, weil nirgendwo stand, wann es anfängt“, sagt Petra Hartmann. Macht nichts. Jetzt werde man eben die Taucher auf ihrer weiteren Strecke begleiten. Nur eben zu Fuß auf der Neckarinsel.

Neckarabschwimmen der Feuerwehr dauerte keine halbe Stunde
„Flossen hoch!“ An das Kommando der TAGBLATT-Fotografin hielten sich beim diesjährigen Neckarabschwimmen gestern ohnehin fast alle. Bild: Faden

Der Rekord muss gut 15 Jahre alt sein: „Damals hatten wir auch eine hohe Fließgeschwindigkeit. Wir waren in 20 Minuten an der Eberhardsbrücke“, erinnert sich Bernd Gugel von der Tübinger Feuerwehr. Der Durchschnitt liege bei 40 Minuten. Seine Erwartung, man könne heuer in Rekord-Nähe kommen, trog: Der erste Teilnehmer der gestrigen Neckar-Abschwimmens stieg nach 28 Minuten aus dem Wasser. „Die Strömung ging auf Höhe der Insel-Spitze massiv zurück“, erklärte Gugel später.

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06.01.2015, 12:00 Uhr

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