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Für Stockach nur Windrädchen

Nehren und Gomaringen weisen Potenzialflächen aus

Nehren möchte nur am östlichen Ortsrand Windräder zulassen– dort böte sich ein interkommunales Projekt mit Dußlingen und Ofterdingen an. Falls die Technik eines Tages so weit ist, dass sie mit bescheidenen Windverhältnissen klar kommt. In Gomaringen gibt es zwei Potenzialflächen – eine im Osten und eine bei Stockach. Diese aber nur für Kleinanlagen. Die Orte sollen nun weiter untersucht werden.

15.11.2012
  • Gabi Schweizer

Nehren/Gomaringen. Die Nehrener „Potenzialflächen“ sind seit der Sitzung vor zwei Wochen ordentlich zusammengeschrumpft. Das Planungsbüro Heyder und Partner hatte ein paar Details nicht berücksichtigt, die auch dem Bürgermeister beim Drüberschauen nicht aufgefallen waren. Viele Augenpaare sehen mehr: In der Gemeinderatssitzung vor zwei Wochen wurden die Fehler entdeckt. Eine Fläche fiel ganz weg – die Mössinger Schulen am Firstwald lagen zu nahe. Eine weitere Fläche auf dem westlichen Gemarkungsteil wurde kleiner – wegen des bewohnten Bahnwärterhäuschens. Allerdings schloss der Nehrener Gemeinderat dieses Areal wegen der vielen Biotope und des Waldes ohnehin aus und einigte sich – wie sich bereits zuvor abgezeichnet hatte – auf den kleinen Zipfel an der Gemarkungsgrenze zu Dußlingen und Ofterdingen.

Man wolle Windkraft nicht behindern, betonte CDU-Rat Andreas Neuscheler, der nach den langen Diskussionen beim vorigen Mal Missverständnisse befürchtete: „Es geht um einen sinnvollen Standort.“ Sein Fraktionsvorsitzender Werner Nill (CDU) befürchtete gar, man verbaue sich Chancen für die Zukunft, wenn der ganze westliche Teil ausgeschlossen würde – wer wisse schon, was der Gemeinderat in zehn Jahren gut finde. Womöglich wolle er dann Windräder auf der Pfäffe, weil das Geld bringt. Und schließlich gehöre das Land größtenteils der Gemeinde. Sie kann dann ohnehin selbst entscheiden, wo Windräder hinkommen und wo nicht.

Bürgermeister Egon Betz präzisierte: Die Potenzialflächen werden in den Flächennutzungplan eingeschrieben, der Rat trifft aber keine Entscheidungen für die Ewigkeit. „Wir weisen Vorrangflächen aus“, ergänzte Helmut Frank (AL). Also Gebiete, in denen ohne Genehmigungsverfahren Windräder entstehen dürfen. „Ich finde es eigentlich einen positiven Ansatz, dass die Landesregierung das Verfahren so geöffnet hat“, sagte Gerhard Ziersch (ebenfalls AL): In der letzten Sitzung hatte vor allem Antje Warth moniert, die Gemeinden würden unter Druck gesetzt. Ziersch erklärte: Bisher stammen nur 0,5 Prozent des Stroms, der im Land verbraucht wird, aus Windenergie – im Jahr 2020 will Baden-Württeberg aber ein Zehntel seines Bedarfs daraus beziehen.

Einen großen Beitrag wird Nehren nicht dazu leisten können. Tenor: Es gibt nur wenige Flächen. Die einzig mögliche hält Betz, ehemaliger Förster, aber für besonders gut geeignet: Er schätzt sie als ökologisch unbedenklich ein. „Und das Umspannwerk ist nicht weit weg.“

Die nahe Stromleitung ist auch ein Pluspunkt für die „Potenzialfläche“ östlich von Stockach – Windkraft war vorgestern auch in Gomaringen Thema. Allerdings liegt die Stockacher Konzentrationsfläche so nah an den Wohnhäusern, dass nur ein 400-, nicht der eigentlich vorgesehene 700-Meter-Abstand eingehalten wird. Planer Norbert Menz, der seine Untersuchungsergebnisse dem Ortschaftsrat und anschließend dem Bau- und Umweltausschuss vorstellte, schlägt den Platz deswegen für „Kleinanlagen“ vor. Also für Windräder, deren Nabenhöhe höchstens 30 Meter über dem Boden liegt. Je nach Rotorblatt ragen die Anlagen dann bis zu 50 Metern in die Höhe. Die heute üblichen, 100 bis 140 Meter hohen Windräder wären dort „sicher nicht genehmigungsfähig“, erklärte Menz. Er möchte sich jedoch nicht auf die Fläche im Westen der Gemarkung beschränken, die weit genug von den Wohnhäusern entfernt liegt. Begründung: Wenn es damit rechtliche Probleme geben sollte, etwa, weil dort Vögel gefährdet wären, stünde Gomaringen ohne Teilflächennutzungsplan für die Windkraft da. Dann muss sie jeden einzelnen Antrag prüfen.

„In dem Moment, wo ich befürchten müsste, dass es Lärmbelästigung gibt, wäre das ein absolutes K.o.-Kriterium“, kommentierte der Stockacher Ortsvorsteher Wolfgang Braun den kleinen Windkraft-Standort. Jeder Betreiber müsse, ehe er bauen darf, ein entsprechendes Gutachten vorlegen, erklärte Menz. Und der Schlagschatten?, fragte Ortschaftsrätin Christa Stöhr. „Klar, gibt es“, entgegnete der Planer. „Aber aufgrund der geringeren Höhe gibt es weniger Wirkungsradius.“

Alle Ortschaftsräte stimmten zu, beim Bau- und Umweltausschuss waren mit Ausnahme von Susanne Horn (Grüne Liste), die sich enthielt, ebenfalls alle einverstanden. Horn war nicht überzeugt, ob bei der größeren Konzentrationsfläche im Westen alle Abstände, etwa zu Naturschutzflächen, richtig eingehalten waren. Für die weitere, detailliertere Untersuchung soll Norbert Menz nun ein Angebot vorlegen.

Nehren und Gomaringen weisen Potenzialflächen aus
Windkraft-Potenzialanalyse für Gomaringen: Am westlichen Ortsrand und bei Stockach möchten Orts- und Gemeinderat nun Platz für Windräder vorhalten – teils ein bisschen zähneknirschend. Geo Pflumm von den Freien Wählern etwa meinte unverhohlen, am liebsten wär’s ihm, wenn sich gar kein Betreiber fände. Die blauen Flächen sind windig genug für entsprechende Anlagen, alles Schraffierte ist verbotenes Terrain.

Tabuzonen (Bannwälder, Naturparks) gibt es auf dem Gemeindegebiet Gomaringens nicht. Allerdings ragt der Sicherheitsabstand um ein Bronnweiler Vogelschutzgebiet in die Gomaringer Gemarkung hinein. Zu Vogelschutz- und Wohngebieten schlägt Planer Nobert Menz, wie vom Windenergieerlass empfohlen, einen Abstand von 700 Metern vor, zu Naturschutzgebieten 200 Meter Distanz, zu Gewerbegebieten 400 Meter. Der Windenergieerlass besagt hier: 700 Meter oder weniger. Bei sogenannten „Misch- und Dorfgebieten“ dürfte der Abstand theoretisch kleiner als 700 Meter sein – das hält Norbert Menz aber nicht für sinnvoll.
Der Teilflächennutzungsplan ist Bestandteil des Flächennutzungsplans, den die Gemeinden Gomaringen, Dußlingen und Nehren gemeinsam bis zum Jahr 2025 fortschreiben wollen (siehe nebenstehenden Artikel).

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15.11.2012, 12:00 Uhr

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