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Löschautos aus Zeiten, als die Schläuche noch aus Hanf waren

Nehrener Feuerwehr richtet am Sonntag das dritte Landes-Feuerwehr-Oldtimertreffen aus und feiert damit ihr 150-jähriges Bestehen

Tausende Gäste erwartet die Nehrener Feuerwehr zur Oldtimer-Ausstellung: 85 glänzend rote Fahrzeuge, jedes mindestens 50 Jahre alt, reihen sich dann in den Straßen aneinander. Zugleich ist Kirbe beim Musikverein.

24.09.2014
  • Gabi Schweizer

Nehren. Oldtimer haben viele Leute in der Garage stehen, Oldtimer-Feuerwehrfahrzeuge nur wenige. Und genau genommen hat auch Karl Hermann, der in Nehrener lebende ehemalige Kreisbrandmeister, keins vor der Haustür. Denn seine beiden historischen Fahrzeuge hat er dem Oldtimer-Museum Zollernalb geliehen. Ein Cadillac aus dem Jahr 1919 und ein Chevrolet von 1926 sind nun dort zu besichtigen. Will Hermann damit eine Ausfahrt machen oder sie, wie nun, zu einem Oldtimer-Treffen bringen, holt er sie einfach ab. Wobei das mit dem „einfach“ so eine Sache ist. Keinesfalls nämlich darf er im Gebäude den Motor anlassen. Sonst würde die Brandmeldeanlage auslösen. „Deswegen brauche ich immer jemand, der mir schieben hilft.“ Bräche tatsächlich ein Brand aus, wären die schön restaurierten Autos übrigens keine Hilfe. Denn als es noch keinen Kunststoff gab, wurden die Schläuche aus Hanf gefertigt: „Die sind heute nicht mehr dicht“, weiß Hermann.

Der ehemalige Kreisbrandmeister hat 1986, als er gerade mal ein Jahr im Amt war, das erste Nehrener Oldtimertreffen initiiert – übrigens das allererste im Bundesgebiet. 10 000 Besucher kamen damals. Beim zweiten im Jahr 1999 waren es trotz Eintritts immerhin noch 8000. Und so erwarten die Nehrener auch dieses Mal wieder einen gewaltigen Ansturm. Zwar sind Feuerwehr-Oldtimertreffen nach Nehrener Vorbild mittlerweile häufig geworden, aber immerhin ist es nun ein Landestreffen – zufällig auch das dritte.

Zugleich richtet der Musikverein am Wochenende seine Kirbe aus. Bewusst haben die Feuerwehrleute sich mit den Musikern zusammengetan – die Brand-Experten müssen sich ein bisschen weniger um die Verpflegung kümmern, und die Musiker haben zusätzliche Gäste. Hilfe bei Bewirtung und Logistik leisten zudem die Motorradfreunde der Obst- und Gartenbauverein, die Nachbar-Wehren aus Dußlingen und Ofterdingen, das Technische Hilfswerk Ofterdingen und die Rotkreuz-Ortsgruppe Gomaringen-Nehren. Auch die Jugendfeuerwehr ist im Einsatz. Alleine, das sagen Bürgermeister Egon Betz, der ebenfalls Oldtimer-begeisterte Kommandant Rüdiger Nädele und Karl Hermann klar, könnten sie ein solches Event nicht stemmen. Schon die Navigation so vieler Feuerwehrautos ist eine Herausforderung, die die Feuerwehr mit zahlreichen Lotsen und einem Farbleitsystem lösen will.

Ehrengäste dürfen aus verschiedenen Gruppen jeweils das Fahrzeug küren, das ihnen am besten gefällt. Zur Wahl stehen Lösch- und Tanklöschfahrzeuge mit 16er-Pumpe von Magirus und Mercedes, kleinere Feuerwehrautos und Vorkriegsfahrzeuge. Die Feuerwehrleute reisen mit ihren Oldtimern aus dem ganzen Land, aus Bayern und, wenn sich das Problem mit dem Sonntagsfahrverbot irgendwie regeln lässt, sogar aus dem Elsass an. Prämiert werden auch die Oldtimer mit der längsten Anfahrt, die Feuerwehr mit den meisten Oldtimern und die ältesten Fahrzeuge – wobei Hermann, dessen 95 Jahre alter Cadillac den Preis eigentlich gewinnen müsste, als Organisator außen vor ist. Die Nehrener Feuerwehr ist nicht die einzige, die nun ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Viele Freiwillige Feuerwehren sind etwa zur selben Zeit entstanden. Ofterdingen etwa hat aus dem Anlass vor einigen Wochen den Kreisfeuerwehrtag ausgerichtet. Nehren feiert hingegen mit dem Oldtimer-Treffen. Der Aufwand lohnt sich, davon ist Hermann überzeugt: Man müsse die Feuerwehr, die ja ein Ehrenamt sei, „in allen Facetten darstellen“, um Werbung für sie zu machen. Vielleicht würden die Kinder, die nun begeistert alte Feuerwehrautos anschauen, eines Tages selbst Mitglieder.

Nehrener Feuerwehr richtet am Sonntag das dritte Landes-Feuerwehr-Oldtimertreffen aus und feiert
Auch die Nehrener Feuerwehr besitzt einen Oldtimer, nämlich ein Fahrzeug mit Drehleiter aus dem Jahr 1938, ein sogenanntes KL 20. Bild: Feuerwehr

Ab 10.30 Uhr sind am Sonntag in der Hauchlinger Straße, der Hauptstraße und der Bubengasse 85 Feuerwehrautos ausgestellt, die Fahrer beantworten Fragen dazu. Die drei Straßen sind dann für den Verkehr gesperrt. Offiziell eröffnet wird das dritte Landes-Feuerwehr-Oldtimertreffen um 11 Uhr beim Feuerwehrhaus, wo ein Festzelt aufgebaut wird. Dort werden um 16.30 Uhr auch die schönsten Fahrzeuge prämiert . Auch Innenminister Reinhold Gall, selbst Feuerwehrmann, will kommen. Essen und Getränke gibt es nicht nur direkt bei der Feuerwehr, sondern auch im Bürgerhaus und natürlich in der Musikantenscheune, wo der Musikverein seine Kirbe feiert. In der Dußlinger Straße soll ein Bierbrunnen sprudeln. Einen weiteren Getränkestand gibt es in der Hauchlinger Straße. Parkplätze sind ausgeschildert. Der Eintritt ist frei.

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24.09.2014, 12:00 Uhr

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