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Bahn

„Nerven, nerven, Druck ausüben“

Die Arbeit von Qualitätsmanager Schnaitmann ist beendet. Zahlen der DB Regio zeigen: Es geht bergauf im Schienennahverkehr in Baden-Württemberg. Und doch sind noch viele Probleme zu lösen.

11.04.2017
  • TOBIAS KNAACK

Am Ende gab es ein Geschenk. Grauer Karton mit weißer Schleife, dazu eine Salve warmer Worte aus dem Mund des Verkehrsministers. Winfried Hermann (Grüne) dankte Gerhard Schnaitmann für seine Arbeit und seinen Einsatz in den vergangenen Monaten. Bahnverkehrsexperte Schnaitmann, eigentlich bereits in Pension, war wegen der massiv auftretenden Pünktlichkeits- und Qualitätsprobleme im baden-württembergischen Schienennahverkehr zum Qualitätsmanager bestellt worden und seitdem auf den Schienen des Landes unterwegs, um sich ein Bild zu machen. An Ostern läuft sein Vertrag aus, am Montag gab er neben Hermann sowie dem DB-Regio-Chef David Weltzien Auskunft über den aktuellen Stand.

Er habe „nerven, nerven, nerven und Druck ausüben müssen“, sagte Schnaitmann über seine Arbeit in den vergangenen Wochen. Er sei auf vielen Zügen mitgefahren, habe mit vielen Menschen im Unternehmen gesprochen, erzählte er. Mit Erfolg, wie die drei einhellig betonten. Die Züge würden wieder pünktlicher fahren, die Zugausfälle seien zurückgegangen. Beides belegten sie mit Zahlen: Bei der Pünktlichkeit – also Zügen, die mit maximal 5:59 Minuten Verspätung unterwegs sind – hat sich die Bahn nach 91,4 Prozent Ende Januar in den vergangenen Wochen zwischen 93 und 94 Prozent eingependelt.

Und bei den Zugausfällen (per Zugkilometer) liegt sie nach 1,4 Prozent zu Beginn des Jahres nun bei 0,5 bis 0,7 Prozent und somit „im Zielbereich“, wie DB-Regio-Chef Weltzien sagte. Mit diesen Zahlen liege man in den „Top drei“ im Bundesvergleich.

Die verbesserten Zahlen dürften aber nicht über die weiter bestehenden Probleme hinwegtäuschen, sagte Schnaitmann. Man müsse etwa die Situation der Mitarbeiter im Blick behalten, „die unter relativ hohem Druck arbeiten“. Dieser Druck und „die technischen Probleme“ hätten auch zu dem hohen Krankenstand in der Belegschaft beigetragen, in dessen Folge zu Jahresbeginn viele Züge ausgefallen waren. Schwierigkeiten, die man Jochen Haußmann zufolge auf Seiten des Landes und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) „schon viel früher hätte erkennen“ und auf Seiten der Bahn kommunizieren müssen. Haußmann sitzt für die FDP im Verkehrsausschuss des Landtags.

Und er sieht noch ein weiteres Problem: Nicht alle Strecken haben bisher in gleichem Umfang von den 75 Maßnahmen profitiert, die eine Taskforce erarbeitet hat. Filstal-, Rems-, Franken- und Bodenseegürtelbahn gehören unverändert zu den anfälligsten Strecken im Land. Eine Tatsache, die Zuschriften und Auflistungen von Zugausfällen von Lesern dokumentieren, die die SÜDWEST PRESSE immer wieder erreichen.

Man könne auf diesen Strecken „noch nicht zufrieden sein“, gestand auch Hermann ein. „Dort muss die DB Regio noch weiter intensiv an Verbesserungen arbeiten.“ Eine Forderung, die Weltzien versteht – und Maßnahmen ankündigte: So werden etwa auf der Filstalbahn von 2. Mai an acht Züge morgens früher starten, „um einen Puffer zu haben“. Nach den Sommerferien werde zudem ein weiterer Zug eingesetzt, um Verspätungen auf der Strecke zu kompensieren. „Tiefe Eingriffe ins System“ könne man allerdings erst zum neuen Winterfahrplan im Dezember machen, sagte er.

Bis dahin müsse man mit den anderen Maßnahmen arbeiten: So finanziert das Land aus den Strafgebühren, die es von der Bahn wegen der Ausfälle erhält – ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag –, 30 zusätzliche Zugbegleiter. Zudem soll die Arbeit in den Werkstätten Ulm, Freiburg und Stuttgart optimiert und durch den streckenübergreifenden Einsatz von Wagen sowie durch mobile Reparaturtrupps auf Probleme besser reagiert werden können.

Das Geschenk für Gerhard Schnaitmann, es signalisierte: Hier geht etwas zu Ende – seine Arbeit. Die von DB Regio, NVBW und Land, sie geht weiter. Man werde „im festen Austausch“ bleiben, sagte Hermann, künftig aber nicht mehr wöchentlich, sondern monatlich. Jochen Haußmann fordert, dass weiter Druck auf die Bahn gemacht werden müsse. Da Schnaitmann weg ist, müssten nun das Verkehrsministerium und die NVBW diese Aufgabe noch stärker übernehmen.

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11.04.2017, 06:00 Uhr

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