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Unfreiwillig im Stadtparlament

Neu im Gemeinderat: Dorothea Panetta sitzt für die „Republikaner“ im Rat – neben ihrem Ehemann

Ihre Wahl in den Gemeinderat sorgt für einige Diskussionen: Dorothea Panetta (57) aus Grünmettstetten. Einerseits, weil sie für die Rechtsaußen-Partei „Republikaner“ kandidierte. Andererseits, weil sie sich zunächst geweigert hatte, ins Stadtparlament einzuziehen – auf den Platz neben ihrem Mann.

24.10.2014
  • Vincent Meissner

Grünmettstetten. Die Ehekrise war schon einen Tag nach der Wahl da. Am Nachmittag klingelte Dorothea Panettas Handy. Am anderen Ende der Leitung – ihr Mann. „Ich dachte erst, es sei was passiert“, erzählt Dorothea Panetta. Doch Rodolfo Panetta überbrachte seiner Frau die vermeintlich frohe Botschaft: „Er hat nur gesagt: ,Glückwunsch, du bist gewählt!‘“ Ihre Reaktion fiel jedoch eher verhalten aus. Dorothea Panetta sagte nur: „Damit habe ich nichts zu tun.“

Neu im Gemeinderat: Dorothea Panetta sitzt für die „Republikaner“ im Rat – neben ihrem
Sitzt ohne Parteibuch der „Republikaner“ für die Rechtsaußen-Partei im Horber Gemeinderat: Dorothea Panetta.Bild: Kuball

Um zu verstehen, warum Dorothea Panetta so patzig reagierte, muss man wissen, dass sie eigentlich gar nicht mehr kandidieren wollte. Doch ihr Mann, seit zwei Jahrzehnten im Horber Gemeinderat, überredete sie: „Er hat mich schon ein bisschen gedrängt.“ Zwar stand sie schon öfters auf dem Wahlzettel der „Republikaner“. Allerdings stets nur als Stimmenfängerin für ihren Mann, um dessen Chancen zu verbessern. „Ich war für ihn eine Zählkandidatin“, sagt sie. Und dann kam es doch anders: „Ich hatte nie überlegt, dass das passieren könnte.“

Der zweite Grund, warum sie nicht in den Gemeinderat einziehen wollte, ist ihre Gesundheit: Seit März 2013 ist Panetta angeschlagen. Der Stress in der Schule macht der Grundschullehrerin zunehmend zu schaffen. „Ich mache den Beruf gerne, aber ich bin nicht mehr so belastbar.“ Ende des Monats fährt sie drei Wochen in Kur in eine Klinik ins Allgäu. Das Attest, das sie nach ihrer Wahl bei der Stadt vorlegte, um sich von ihrem Amt als Stadträtin entbinden zu lassen, lehnte der Gemeinderat ab. „Das war wohl nicht gravierend genug“, sagt Panetta.

Deshalb blieb ihr – gezwungenermaßen – nichts anderes übrig, als ihr Mandat anzunehmen. Inzwischen hat sie sich jedoch schon ein wenig damit arrangiert: „Man kann ja nicht immer davonlaufen“, sagt sie. Und jetzt gefällt’s ihr auch: „Als ich dann da saß, dachte ich, es ist doch eine Ehre.“

Was die ganze Geschichte noch kurioser macht, ist die Tatsache, dass Dorothea Panetta im Horber Gemeinderat nun neben ihrem Mann sitzt. Rodolfo Panetta ist seit 20 Jahren Mitglied im Gemeinderat, zudem auch im Kreistag und stellvertretender Landeschef der „Republikaner“. Zunächst hatten die Panettas gehofft, dass ihre Ehe ein Mandat für Dorothea Panetta ausschließt. Doch das gilt nur für kleinere Gemeinden.

Das politische Verhältnis zu ihrem Ehemann beschreibt Dorothea Panetta ambivalent: „Wir diskutieren viel daheim“, sagt sie. Einerseits sagt sie Sätze über ihren Mann wie: „In sozialen Fragen lehnt er viele Dinge ab, bei denen ich einfach denke, dass er inzwischen zu weit weg ist, weil er nicht mehr im Berufsleben steht.“ Oder: „Er ist sehr konservativ, sehr statisch und will, dass alles so bleibt, wie es ist.“ Probleme bereitet ihr auch immer wieder die Art seines Auftretens: „Er ist manchmal sehr direkt und greift Leute persönlich an“, sagt Dorothea Panetta. „Ich würde mich da anders ausdrücken.“ Auch die Zusammenarbeit mit ihm ist nicht immer leicht für sie: „Er ist eben ein Einzelkämpfer.“

Anderseits sagt Dorothea Panetta: „Man muss schon sagen, dass wir in vielen Dingen übereinstimmen.“ Und: „Ich bin immer zu ihm gestanden.“ Oder: „Mit der Zeit lernt man zu sagen, sollen die Leute halt denken, was sie wollen.“ Dorothea Panetta schnauft tief durch. Die Jahre an der Seite eines Mannes, der für eine Rechtsaußen-Partei auftritt, haben sie schon mitgenommen. „Am schlimmsten ist es, wenn er als Nazi beschimpft wird“, sagt Panetta. „Die ,Republikaner‘ sind eine rechte Partei, aber keine Nazis.“

Sie vergleicht das Programm der „Republikaner“ mit dem der CDU in den 1960er Jahren. „Bewahren und Erhalten“, nennt sie das. Von Rechtextremismus will sie nichts wissen: „Die Schmerzgrenze ist da, wo es rassistisch wird“, sagt Panetta. „Oder bei der Verherrlichung, was früher mal gewesen ist im Dritten Reich.“ Und sie ergänzt: „Dieses Abgrenzende geht bei mir gar nicht. Da streite ich mich auch mit meinem Mann. Der ist da härter eingestellt.“

Auch beim Thema Flüchtlinge ist sie moderater eingestellt als ihr Mann. Bei ihr an der Schule sind zwei Flüchtlings-Kinder aus Nigeria. „Für mich ist jeder Mensch gleich“, sagt sie. „Wenn die Menschen hier im Land sind, muss man mit ihnen normal umgehen. Das ist auch christliche Pflicht.“ Der Glaube, das betont Panetta, ist für sie ohnehin ein zentrales Lebensthema: „Das ist meine Leidenschaft. Natur, Schöpfung, Gott – das muss auch in der Politik Einzug halten.“

Info: Mit diesem Porträt sollte die Serie „Neu im Gemeinderat“ über die elf im Mai neu ins Gremium gewählten Horber Ratsmitglieder enden. Nach dem Rücktritt von CDU-Stadtrat Hans-Peter Saur folgt jetzt jedoch noch Michael Kessler.

Geboren ist Dorothea Panetta in Horb, aufgewachsen in Grünmettstetten, wo sie auch heute lebt. Im Ort kennt man sie nur als „Doris“. „Meine großen Schwestern haben eines Tages beschlossen, mich so zu nennen“, erzählt Panetta. Die einstige Hollywood-Schauspielerin und Sängerin Doris Day stand Pate für den Spitznamen. Panetta ist Lehrerin an der Grundschule in Talheim. In Ludwigsburg studierte sie einst Deutsch, Geschichte und katholische Theologie. Mit ihrem Mann hat sie drei gemeinsame erwachsene Töchter. Ihr Mann brachte noch einen Sohn mit in die Ehe. Privat werkelt Dorothea Panetta gerne in ihrem Garten, spaziert durch den Wald oder fährt mit dem Rad: „Natur ist mir ganz wichtig“, sagt sie. Beim Schulförderverein in Talheim ist sie Kassierin, außerdem singt sie im Grünmettstetter Beerdigungschor.

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24.10.2014, 12:00 Uhr

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