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Neue Baustelle für Dietrich
Für eine vierjährige Amtszeit gewählt: Wolfgang Dietrich, der neue Präsident des VfB Stuttgart. Foto: Eibner
VfB-Präsidentenwahl

Neue Baustelle für Dietrich

Mit 57,2 Prozent der Stimmen: Der einstige Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 will den VfB einen und verspricht mehr Mitbestimmung.

10.10.2016
  • WOLFGANG SCHEERER

Knapp fünf Monate nach dem Bundesliga-Abstieg und dem Rücktritt von Bernd Wahler hat der VfB seit gestern, 17.43 Uhr, wieder einen Präsidenten: Unternehmer Wolfgang Dietrich. Groß war die Erleichterung bei der Vereinsführung, wütend und mit „Spalter, Spalter!“-Rufen reagierten einige Mitglieder, darunter Ultras des Vereins, die den Ex-Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 verhindern wollten. Doch Ideen, Konzepte und einen Konkurrenten präsentierten die Dietrich-Gegner nicht.

Der 68-Jährige bekam gleich im ersten Wahlgang 1689 Ja-Stimmen (57,2 Prozent), 1263 Mitglieder votierten gegen ihn, 57 enthielten sich. „Ich will alles dafür tun, um der Präsident aller VfBler zu werden“, versprach Dietrich und fügte hinzu: „Auch für die, die mich heute Spalter nennen. Sie sollten sich fragen, wer hier spaltet.“ Dietrich ist für vier Jahre gewählt und im Gegensatz zu den Vorgängern ehrenamtlicher Präsident.

Die Versammlung in der Schleyerhalle, zu der rund 3000 der 48 600 Mitglieder gekommen waren, hatte mit einem anderen wichtigen Erfolg für die VfB-Führung begonnen: Mit 1565 Stimmen wurde abgelehnt, einen Antrag zur Abwahl des Aufsichtsrates auf die Tagesordnung zu setzen. „Weil wir dieses Jahr und nicht irgendwann wieder aufsteigen wollen, müssen wir den VfB vor weiterer Unruhe schützen“, appellierte Sitzungsleiter Stefan Heim. „Es braucht jetzt Kontinuität.“ In seinem Bericht als Finanzvorstand (siehe auch Info-Box) versicherte Heim: „Die wirtschaftliche Lage des VfB ist trotz des größten Umsatzeinbruchs in der Geschichte stabil.“

Sportvorstand Jan Schindelmeiser betonte: „Ich habe keine Lust auf Mittelmaß – und Sie sicher auch nicht. Dieser Verein hat so viel Kraft! Wir müssen gemeinsam und geschlossen sein nach innen und außen, auch mal streiten, aber ein Wir-Gefühl entwickeln.“ Der VfB werde künftig wieder stark auf junge, entwicklungsfähige Spieler setzen und sie im Verein ausbilden. Das unterstrich später auch Dietrich in seiner kämpferischen Rede. Klares Ziel: „Der VfB muss wieder ein Magnet werden für die besten Talente.“ Martin Schäfer als Vorsitzender des umstrittenen Aufsichtsrats musste sich am Rednerpult einige Pfiffe und Buh-Rufe anhören, als er sich über gallige Kritik in den Fan-Foren beklagte. Den Mitgliedern in der Halle sagte er: „Wir haben den Krisenmodus längst verlassen. Wir gehen aus dieser Krise gestärkt hervor.“

Dennoch gab es bei der folgenden Mitglieder-Aussprache einige Kritik, weil der Aufsichtsrat nur einen Präsidentschaftskandidaten vorgeschlagen hatte und der, Dietrich, noch Anteile an der Firma Quattrex hält, die unter anderem Kredite an Fußballklubs vergibt. Als Uwe Hück, prominenter Porsche-Betriebsratsvorsitzender, für viele zu vehement und überdreht Partei für den Aufsichtsrat und für Dietrich ergriff, erntete er großen Unmut. Wenig später endete die Debatte abrupt nach einem Drittel der fast 30 gemeldeten Redner. Grund: Ein Antrag zum Abbruch der Diskussion wurde angenommen. Eine kitzlige Situation.

Ohlicher jetzt im Aufsichtsrat

Den nach Abstieg und erneutem Trainerwechsel nicht überraschenden Denkzettel für Vorstand und Aufsichtsrat gab es unmittelbar danach: Beiden Gremien wurde mit Mitgliedermehrheit die Entlastung verweigert. Der Aufsichtsrat erlebt das nun schon zum dritten Mal nacheinander.

52,1 Prozent der VfB-Anhänger votierten dagegen, Heim, Marketingvorstand Jochen Röttgermann und die Ex-Vorstände Robin Dutt und Bernd Wahler zu entlasten.

Auch die Aufsichtsräte Schäfer, Wilfried Porth, Hartmut Jenner und die zurückgetretenen Eduardo Garcia und Joachim Schmidt bekamen für ihre Arbeit im Bilanzjahr 2015 kein komplettes Okay (54,6 Prozent Nein-Stimmen). Die Mitglieder halten dem VfB so die Möglichkeit offen, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden Ex-Profi Hermann Ohlicher, 66, und Franz Reiner, der 49-jährige Vorstandsboss der Mercedes-Benz-Bank. Nach rund sieben Stunden endete die Mitgliederversammlung. Sie war vielleicht weniger hitzig als befürchtet. Trotzdem wartet auf Dietrich ein heißer Tanz.

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10.10.2016, 06:00 Uhr

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