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So bunt wie noch nie

Neue Bilder von CHC Geiselhart beim 6. Künstlerhoffest

Beim 6. Künstlerhoffest am gestrigen Sonntag in Rottenburg war sein Werk das interessanteste: Curt Hans Chrysostomus, kurz CHC Geiselhart hat sich nach einer schweren Krankheit neu erfunden.

09.07.2012
  • Ulrich Eisele

Rottenburg. Der in den letzten Jahren eher für überdimensionale Skulpturen und Installationen bekannte Künstler hat sein Atelier in der Alten Spitalscheune mit 20 mal 30 Zentimeter großen Drucken tapeziert. Sie zeigen alle dasselbe Motiv, nur aus unterschiedlichen Perspektiven, in unterschiedlichen Auflösungen: seinen eigenen Schädel. Es sind Computertomogramme, die in der Tübinger und Freiburger Universitätsklinik entstanden sind, und die CHC Geiselhart am Computer bearbeitet, bemalt und verfremdet hat.

„Date of Birth 31. 8. 1949, Date of Death 28.3. 2012“ steht auf einem. CHC Geiselhart hat es kurz vor der Operation gezeichnet, bei der eine Fistel in seinem Hirn verschlossen wurde. Davor hatte er „mit dem Leben abgeschlossen, versucht, alles zu ordnen“, wie er erzählt. Die Operation glückte nur teilweise. Seitdem leidet der Nehrener Künstler unter einer Gesichtslähmung. Doch den „Date of Death“ hat sie hinausgeschoben, das Bild ist jetzt ein „historisches Dokument“, wie er sagt.

Das ist ihm bei seinem starken Hang zum Historischen ein Trost: Dass jedes seiner Artefakte zugleich ein Dokument gelebten Lebens ist. „Ich bin ein glücklicher Mensch“, bekennt er in einem anderen der Computertomogrammbilder, „weil ich sehr früh schöpferisch tätig war.“ So kommt ihm die Lebenszeit nicht verschwendet vor. Das Schlimmste, was man sich und der Welt antun kann, ist für ihn eine „Ohne-mich“-Haltung: „Den ,Ohne-mich-Typen‘ ist eines der absolut konstitutiven Merkmale des Menschen abhandengekommen“, findet er: „die Fähigkeit zur Empörung und damit zum Engagement.“

Engagiert hat er sich immer als Künstler – ob als hoch gelobter Botschafter Tübingens mit seinem Pflockfeld in Petrosawodsk oder angefeindeter Künstler mit Pflockfeld in seiner Heimatgemeinde Nehren. Aber auch in aktuelle Debatten um Ortsbild-Verschandelung oder Stuttgart 21 mischte sich CHC Geiselhart immer wieder ein.

Intensiv hat er sich auch schon immer mit der zeitlich begrenzten Existenz des Menschen auseinandergesetzt. Seit Jahren schuf er düstere, archaische Bilder und Skulpturen für seine „Transitus“-Reihe – Übergang. „Aber das ist etwas anderes, wenn man selbst direkt davor steht“, sagt er nun. Die Computertomogrammbilder, in denen er seine Krankheitserfahrungen und -gefühle ausdrückt, gehören witzigerweise „zu den farbigsten, die ich geschaffen habe“.

Schattenrisse von Blättern stellen eine Assoziation zwischen dem Gewächs in seinem Kopf und der botanischen Natur her; typografisch wird in den Bildern die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt, ein Gebet memoriert: „Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnaden . . .“ Obwohl die Religion, wie CHC Geiselhart bekennt, ihm bisher bei der Suche nach diesem Sinn wenig behilflich war.

Neue Bilder von CHC Geiselhart beim 6. Künstlerhoffest
Der Künstler vor einem seiner Bilder: CHC Geiselhart mit verfremdeter Computertomografie Bild: Eisele

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09.07.2012, 12:00 Uhr

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