Ofterdingen · Bestattung

Neue Friedhofsgebühren aufgrund steigender Todesfälle

Gemeinderat beschloss neue Friedhofsgebühren. Was gar nicht gefragt ist: ein Urnenwahl-Familienbaumgrab.

03.12.2022

Von Susanne Wiedmann

Ein „Urnenwahl-Familienbaumgrab“ wird die Gemeinde von Januar an nicht mehr anbieten. In den vergangenen zehn Jahren ist es laut Gemeindeverwaltung kein einziges Mal nachgefragt worden. Somit werden auch keine entsprechenden Bäume für das Familienbaumgrab mehr vorgehalten. Stattdessen können sie fortan als Urnenwahl-Gemeinschaftsbaumgrab genutzt werden. Dafür ist der Bedarf anhaltend hoch. Derzeit wird bereits ein viertes Gemeinschaftsbaumfeld errichtet.

In der vergangenen Gemeinderatssitzung stellte Kämmerer Michael Henne die Gebührenkalkulation vor. Die Friedhofsgebühren für die kommenden fünf Jahre werden neu kalkuliert – und sie sollen die Kosten zu 100 Prozent decken. „Das allgemeine Steuergeld wird nicht verwendet für den Friedhof. Er soll sich selber tragen“, betonte Henne.

Letztmals wurden die Gebühren im Jahr 2017 neu berechnet. Der Gemeinderat hatte sich damals mehrheitlich dafür entschieden, die Gebührenhöhe schrittweise anzupassen: Zum 1. Januar 2018 wurden sie an einem Kostendeckungsgrad in Höhe von 80 Prozent ausgerichtet, vom 1. Januar 2020 an sollten die Kosten zu 100 Prozent gedeckt werden.

Nun werden sie an die Kostenentwicklung angepasst. „Wir haben mit einer Preissteigerung von 2,5 Prozent gerechnet. Das ist sehr niedrig, wenn man die Inflation sieht“, erklärte Henne. In der Kalkulation gebe es ein paar Verschiebungen von einer Grabart zur anderen: So sinkt die Benutzungsgebühr für ein Erdreihengrab leicht, während sie für ein Rasenreihengrab etwas steigt. Gründe für die steigenden Benutzungsgebühren seien etwa die Arbeitsstunden des Bauhofs, die konkret zugeordnet werden, und die externen Kosten für die Grabherstellung oder Räumung, die seit fünf Jahren deutlich gestiegen seien.

Zwischen 2013 und 2016 starben durchschnittlich 28 Ofterdingerinnen und Ofterdinger pro Jahr. Die Prognose 2017 für die folgenden Jahre lag bei rund 33 Todesfällen. Durchschnittlich starben in den vergangenen fünf Jahren jedoch mehr Menschen in Ofterdingen: durchschnittlich 42 Personen jährlich. Für die nächsten fünf Jahre rechnet Henne mit etwa 38 Beerdigungen pro Jahr.

Nicht weniger als 37 Seiten umfasst die Gemeinderatsvorlage zum Friedhofswesen. „Ich bin überrascht und erstaunt“, sagte SPD-Rat Hartmut Blaich, „wie aufwändig die Gebührenkalkulation ist. Das ist ja fast eine halbe Doktorarbeit.“ Einstimmig beschloss der Gemeinderat die Gebührenkalkulation und Friedhofssatzung.

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Erstellt:
03.12.2022, 01:00 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 03.12.2022, 01:00 Uhr

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