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Neue Ideen-Lieferanten in der Tübinger Geschäftswelt
In der ehemaligen Buchhandlung Gastl wird rechts im „Stadthaus“ Damen- und Herrenmode angeboten. Links zieht demnächst „Vivobase“ ein und wird Geräte zum Schutz vor Elektrosmog verkaufen.Bild: Metz
Bei den Altstadtläden tut sich was

Neue Ideen-Lieferanten in der Tübinger Geschäftswelt

Ob gegen Elektrosmog, für Körperrituale, Nachhaltigkeit und gegen Verpackungsmüll – in Tübingen gibt es ungewöhnliche Ladenkonzepte.

25.04.2017
  • Ulla Steuernagel

Ein Laden, wie es ihn noch nie gab, eröffnet bald an der Ecke Holzmarkt und Neue Straße im ehemaligen Gastl-Haus. „Unser Pilotladen“, sagt Petra Finkbeiner von „Vivobase“ dazu. Die Pliezhäuser Firma verkauft Produkte, die in diesen elektrosensiblen Zeiten voller Smartphones und elektromagnetischer Strahlungen, Schutz vor Elektrosmog bieten sollen. Man präsentiere hier aber keine angeblich helfenden Aluhelme oder Farben. Im Angebot sind Geräte, die strahlenneutralisierend wirken sollen. Geschützt wird in unterschiedlichen Stärken und Reichweiten: für Zuhause, fürs Auto oder mobil am Körper – die Preise dafür liegen zwischen 350 und 200 Euro.

Erklärungsbedürftige Ware

Bislang ließen sich die Geräte, die „ein niederfrequentes elektrostatisches Feld erzeugen, das stärker ist als die elektromagnetischen oder geopathogenen Strahlen“ nur online bestellen. Entwickelt wurden die Schutzsysteme am „Dr. Rilling Institut“, dessen Gründer der mittlerweile verstorbene Tübinger Siegfried Rilling ist. Der Mediziner war der Homöopathie verpflichtet und ist Erfinder der „Biotonometrie“, einem Verfahren zur Messung des Hautwiderstands, mit dem ein „Ionendefizit“ des Patienten und eine daraus folgende Sauerstofftherapie ermittelt wird.

„Wir bleiben auch im Netz“, so Finkbeiner, „aber wir wollen in Dialog mit den Leuten selbst treten.“ Denn, wie sie weiß, sind die Produkte „erklärungsbedürftig“. Es gebe auf diesem Gebiet „sehr viele Scharlatane“. Am Samstag, 29. April, ist Laden-Eröffnung.

Wer in den Tübinger Handel eintritt, verkauft mittlerweile nicht einfach nur Sachen, sondern zugleich auch Ideen. Da ist zum Beispiel „Speicher“ beim Nonnenhaus, wo voraussichtlich im Juli der Verkauf beginnen wird. Das Spezielle hier: Die Ware, vornehmlich Lebensmittel, aber auch Upgecyceltes, wird unverpackt hergegeben. Lebensmittel aus der Region werden in „Bulk Bins“, also Gläsern mit Schütten, präsentiert. Der Kunde kann seine eigenen Gefäße mitbringen, die vorher abgewogen werden. Die (ebenfalls verpackungsfreie) Kooperation mit den Erzeugern der Lebensmittel ist Inhaber Caner Ortanca wichtig, aber genauso wichtig ist ihm, Informationen über Nachhaltigkeit an die Konsumenten weiterzugeben. Aus Konsumenten können über das im Laden abholbare Gemüsekisten-„Abo“ auch „Prosumenten“ werden. Sie unterstützen die regionalen Bauern in „solidarischer Landwirtschaft“, nicht nur indem sie ihnen faire Preise zahlen, sondern auch über direkte Mitarbeit. Auch dafür will der Laden werben, der ganz im Sinne der Nachhaltigkeit mit upgecyceltem Mobiliar ausgestattet wird. Ortanca hat viele Pläne für seinen „Speicher“, mit dem auch er selber in ein neues Leben startet. „Wollen Sie wissen, woher ich komme?“ fragt er. „Aus der Hölle“ und setzt hinzu: „vom Risikomanagement“.

Die Neckargasse, so verwundet ihr Pflaster gerade daliegt, scheint sich mehr und mehr zu einer Duftzone zu verwandeln. Mittlerweile bietet hier nun der vierte Laden Kosmetika und Allerlei in Töpfchen und Tiegelchen an. In „Rituals“, dem neuen Laden am Eingang zur Altstadt, hat die orientalische und fernöstliche Körperkultur ihr Reich. Vedrana Petrovic leitet den Tübinger Shop der holländischen Kette, die mittlerweile 150 Filialen in Deutschland unterhält: „Wöchentlich machen neue auf.“

Werde Serien-Darsteller!

Auch wenn der umgebaute und in angenehme Dunkelheit getauchte Laden vor allem Cremes, Lotionen, Schäume und Düfte birgt, es gibt auch Textilien und obendrein noch Philosophie. „Wir bieten Rituale an“, sagt Petrovic. „In den alltäglichen Dingen soll das kleine Glück wiedergefunden und Körper, Geist und Seele angesprochen werden.“

Der Kundschaft wird grüner Tee gereicht und ein Wasserbecken in der Mitte des Ladens steht für „Probe-Rituale“ bereit. Hier kann man zum Serien-Darsteller werden, von Serien, die„Hammam“ oder „Sakura“ heißen. Der Duft der japanischen Kirschblüte verhelfe dazu, „jeden Tag wie einen Neubeginn“ zu feiern. Die meisten Serien sind unisex. Nur „Samurai“ ist eindeutig männlich. Wie ein Samurai könne sich der Mann damit „für den alltäglichen Kampf schönmachen“, so Petrovic.

Das Eckgeschäft Pfleghof-/ Neue Straße, bis vor kurzem war hier Pröll, wird schon kräftig umgebaut. Barbara Rongen von „Style Affaire“ freut sich auf die vier Schaufenster, die sie hier zusätzlich gewinnt. Mit ihrem bisher einzigen Fenster hatte sie wenig Möglichkeiten. „Aber immer, wenn ich etwas an der Puppe zeigte, wurde es auch gleich nachgefragt.“ Rongen verlässt nun die Marktgasse und wird über ihr Kerngeschäft Textilien hinaus noch Kosmetika, Livestyle, Yoga-Zubehör und Lampen anbieten. Auf zwei Etagen kann sie bald ihre Ware ausbreiten. Sie hofft, möglichst schon im Sommer zum Nachbarn von „Alnatura“ zu werden. Ihren Laden sieht sie als gute Ergänzung zu dem Biomarkt auf der anderen Seite der Pfleghofstraße.

Neue Imbisse kommen in die Stadt

Lange liegt schon das Ladenlokal in der Mühlstraße brach, in dem es fleischartig aussehende, aber dennoch vegane Speisen gab. Nun steht über dem zweistöckigen Laden „Esszimmer“ und demnächst wird hier ein neuer Pächter sein Glück versuchen. Im früheren Waschsalon soll sich ebenfalls ein Imbiss einnisten. In der Neckargasse hat sich „Donkin Donut“ verabschiedet, und statt des Fettgebäcks mit dem Loch in der Mitte, werden hier bald andere Nahrungsmittel angeboten werden. In der Marktgasse 15, die von „Style Affaire“ verlassen wird, gibt es derzeit ebenfalls Verhandlungen um ein Imbissgeschäft. Es könnten japanische Spezialitäten sein.

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25.04.2017, 01:30 Uhr

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