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Verwirrung um schweres Flüchtlingsunglück im Mittelmeer

Neue Katastrophe?

Die Flucht nach Europa über das Mittelmeer ist gefährlich. Immer wieder kommen Migranten dabei um. Womöglich sind nun erneut mehrere hundert Menschen bei der Überfahrt Richtung Italien ertrunken.

19.04.2016
  • MARTIN GEHLEN

Kairo/Rom. Die Meldungen sind widersprüchlich. Noch gibt es keine Klarheit, auch wenn Italiens Präsident Sergio Mattarella in Rom von einer "neuerlichen Tragödie, in der offenbar mehrere hundert Menschen gestorben sind" sprach. Ähnlich äußerte sich Italiens Außenminister Paolo Gentiloni. Doch weder ägyptische noch italienische oder griechische Stellen konnten bis Montagabend ein solch schweres Seeunglück offiziell bestätigen. Auch die italienische Küstenwache erklärte, ihr lägen keine entsprechenden Informationen vor.

Nach Angaben der BBC, die sich auf lokale Medien und Twitter-Nachrichten von Angehörigen berief, geriet ein Flüchtlingsboot mit mehr als 400 Menschen am späten Sonntagabend vor der Küste Ägyptens in schwere See und kenterte. Lediglich 29 der Insassen aus Somalia, Eritrea und Äthiopien hätten bisher gerettet werden können, hieß es. Die meisten anderen seien ertrunken. Der somalische Regierungssprecher Abdisalan Aato sagte der dpa, auf den verunglückten Booten seien rund 500 Migranten gewesen. "Unseren Informationen zufolge sind viele Somalis in dieser Tragödie ums Leben gekommen."

Ungeachtet dieser verwirrenden Meldungen - nach der Blockade der Balkanroute rückt nun die zweite große Flüchtlingsroute, der Seeweg von Nordafrika nach Italien, wieder ins internationale Blickfeld. Nach UN-Angaben nutzten im Jahr 2015 rund 150 000 Menschen die Überfahrt nach Italien, 20 000 weniger als im Jahr zuvor. Denn in der zweiten Hälfte 2015 nahm die Mehrzahl der 1,2 Millionen Migranten von der Türkei aus den Landweg über Griechenland nach Norden.

Das könnte sich wieder ändern. Die schweren Winterstürme auf dem Mittelmeer gehen zu Ende. Vergangene Woche kamen 6000 Menschen von Libyen aus mit Schlauchbooten und Fischerkähnen nach Lampedusa. Die meisten wurden unterwegs von Nato-Schiffen an Bord genommen. Unter anderem rettete Italiens Küstenwache am Wochenende 108 Menschen aus einem halb gesunkenen Schlauchboot, die inzwischen in großer Zahl aus China über die Türkei oder Malta nach Libyen geliefert werden. Acht Insassen ertranken dabei.

Schlepper sind vor allem in Libyen und Ägypten tätig. Nach Schätzungen warten derzeit 150 000 bis 200 000 Migranten in Libyen auf ihre Überfahrt. Auch nach Ägypten kommen jeden Monat tausende Menschen illegal, die sich weiter nach Europa durchschlagen wollen.

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19.04.2016, 06:00 Uhr

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