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Inklusion als Vorwand

Neue Stellungnahme der Sonderpädagogen

In der öffentlichen Diskussion seien die fachlichen Hintergründe des Umzugs der Reutlinger Fakultät für Sonderpädagogik nach Ludwigsburg noch nicht einmal ansatzweise durchgedrungen. Dies bemängelt Studiendekan Jörg Michael Kastl in einer Stellungnahme.

25.08.2012
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Reutlingen. Kastl betont, es werde nicht am aufrichtigen Willen der Ministerien gezweifelt, Inklusion und inklusive Lehrerbildung voranzutreiben. Ob vorrangiges Motiv des Ludwigsburger Teils der Pädagogischen Hochschule aber Inklusion sei, dürfe bezweifeln werden. Die Ludwigsburger Administration verfolge die Zusammenlegung schon seit zwei Jahrzehnten – mit je nach Zeitgeist wechselnden Begründungen. Nun werde eben Inklusion und inklusive Lehrerbildung als Grund vorgeschoben.

„Die angeblich durch den Umzug angestrebten sonderpädagogischen Angebote für alle Lehrämter sind in der Praxis schlicht und einfach nicht machbar. Die Lehrkapazitäten der Noch-Reutlinger Sonderpädagogen sind durch die Prüfungs- und Studienordnung, die die jetzige Landesregierung selbst verabschiedet hat, weitgehend gebunden für die Vermittlung spezialisierter sonderpädagogischer Inhalte“, erklärt Kastl. Für Vermittlung sonderpädagogischer Querschnittskompetenzen an alle werdenden Lehrer und Lehrerinnen hätte Reutlingen keine Kapazitäten.

„Wenn die jetzige Zusammenlegung der Standorte mit dem Argument betrieben wird, die Reutlinger Sonderpädagogen sollten Angebote für alle Lehrämter ausbringen, dann heißt das in der Konsequenz: Lehrerbildung inklusiv gibt es nur exklusiv in Ludwigsburg“, schreibt der Studiendekan und fragt nach: „Wieso aber ausgerechnet nur in Ludwigsburg? Wie soll das gehen, ohne die Vermittlung der spezialisierten Lehrinhalte aufzugeben?“

Für ein tragfähiges gestuftes Studienmodell biete Reutlingen beste Voraussetzungen: gute Infrastruktur, hervorragende Vernetzung mit Schulen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrie und Kinder- und Jugendhilfe sowie der Kulturarbeit, die Kooperation mit den medizinischen und erziehungswissenschaftlichen Instituten und Abteilungen der Uni Tübingen.

Obendrein gebe es auch den vom Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Poreski geforderten, auf Bedürfnisse der hiesigen Trägerlandschaft in der Sozialwirtschaft zugeschnittenen Studiengang. Dieser existiere bereits als Master für außerschulische Sonderpädagogik. Er müsste nur geringfügig weiter entwickelt werden, erläutert Kastl. Der von der Landesregierung propagierte kostenneutrale Umzug werde dagegen nur zu einer nachhaltigen Zerstörung und De-Professionalisierung sonder- und inklusionspädagogischer Infrastruktur und der Abschaffung einer konturierten sonder- und inklusionspädagogischen Lehrerbildung führen.


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