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Medizin

Neue Therapie bei Leberkrebs

Das Uniklinikum testet eine Behandlung mit Viren, die gezielt Krebszellen befallen sollen.

08.04.2017
  • ST

Von der Leber ausgehende Krebserkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Trotz aller Anstrengungen haben klassische Therapieverfahren wie Chemo- und Strahlentherapie bei Leberkrebs keinen Erfolg. Die Virotherapie stellt eine neue biologische Krebstherapie dar, mit deren Hilfe Krebszellen gezielt infiziert und zerstört werden. Das Universitätsklinikum Tübingen startet jetzt als erstes von insgesamt neun deutschen universitären Zentren eine Virotherapie-Studie für Patienten mit Leberkrebs.

In der Krebstherapie können Viren nämlich zu Helfern werden. Viren sind in der Lage, Krebszellen gezielt zu infizieren und zu zerstören. Wissenschaftler sprechen von Onkolyse. Der Trick: Die Viren werden so modifiziert, dass sie gezielt Krebszellen befallen. In den Krebszellen angekommen, vermehren sie sich nahezu ungebremst. Am Ende platzen die befallenen Tumorzellen und setzen massenhaft neu gebildete Viren im Tumor frei, die dann auf andere, bis dahin noch nicht infizierte Tumorzellen überspringen, wie bei einem Schneeballsystem. Das Besondere: „Die Onkolyse funktioniert auch dann, wenn die Krebszellen auf keine der herkömmlichen Behandlungsmöglichkeiten wie Chemotherapeutika, Bestrahlung oder Antikörper mehr ansprechen“, dies erläutert Prof. Ulrich Lauer vom Universitätsklinikum Tübingen. Solche onkolytischen Viren könnten außerdem das Immunsystem dauerhaft gegen Krebszellen aktivieren. Innerhalb der jetzt startenden Studie werden Krebspatienten modifizierte Pocken-Impfviren verabreicht, die Tumorzellen gezielt befallen und sich in diesen nahezu ungebremst vermehren können. Durch diesen Mechanismus können große Teile von Tumorgewebe zerstört werden. Da gesunde Zellen im Gegensatz zu Tumorzellen genetisch nicht verändert sind und über eine intakte Virusabwehr verfügen, werden diese nicht befallen.

Eine Besonderheit bei der in Tübingen anlaufenden Virotherapie-studie besteht darin, dass die Viro-therapeutika nicht – wie bei anderen Krebsmedikamenten meist üblich – intravenös verabreicht werden, sondern mittels Leberpunktion direkt in die Tumorherde eingebracht werden. Die Impfviren
werden dreimal im Abstand von
jeweils zwei Wochen verabreicht. Wer an der Studie teilnehmen
oder einen Patienten anmelden will: phocus-studie@med.uni-
tuebingen.de.

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08.04.2017, 01:00 Uhr

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