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Medizin

Neue Uniklinik in Stuttgart?

Das Klinikum der Landeshauptstadt strebt den Status an. Das Land prüft das Ansinnen, das an bestehenden Standorten auf Kritik stößt.

20.03.2018
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Stuttgarts städtisches Klinikum strebt nach dem Status einer Uniklinik und begründet dies mit dem Bedarf an zusätzlichen Medizinstudienplätzen. Die Pläne liegen bei Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zur Prüfung, stark involviert ist auch das Staatsministerium von Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne).

An bestehenden Uniklinik-Standorten und Krankenhäusern im Großraum Stuttgart gibt es Bedenken gegen die Pläne. Am deutlichsten äußert diese der Ulmer Grünen-Abgeordnete Jürgen Filius, der auch Mitglied im Wissenschafts-Ausschuss des Landtags ist. „Ich sehe keine Notwendigkeit, in Stuttgart eine Uniklinik zu installieren. Aus Stuttgarter Sicht ist der Wunsch zwar nachvollziehbar, aus Landessicht aber nicht“, sagte Filius dieser Zeitung. Ein weiterer Standort würde zu Lasten der bestehenden Unikliniken in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gehen, fürchtet Filius. Schon jetzt tue sich das Land schwer, seine Unikliniken baulich auf dem neuesten Stand zu halten. „Ein weiterer Standort wäre nur denkbar, wenn der Kuchen insgesamt größer wird. Aber das halte ich finanzpolitisch für nicht darstellbar“, sagte Filius.

Zurückhaltender äußert sich der grüne Tübinger OB Boris Palmer. „Das Staatsministerium hat mir gesagt, dass auf wirtschaftlicher Grundlage entschieden werde. Die Uniklinik Tübingen sagt mir, dass es viel wirtschaftlicher wäre, zusätzliche Medizinstudienplätze in Tübingen, Heidelberg, Ulm oder Freiburg zu schaffen als einen neuen Standort in Stuttgart. Das lässt sich ja überprüfen“, sagte Palmer dieser Zeitung. Auf keinen Fall, so seine Forderung, dürften neue Studienplätze Abstriche bei den bestehenden Plätzen nach sich ziehen.

Das Stuttgarter Klinikum will in den kommenden Wochen ein fundiertes Konzept vorlegen. Ein Plan könnte sein, dass das Großkrankenhaus den Status einer Uniklinik durch ein „Beleihungsmodell“ von einer bestehenden medizinischen Fakultät erhalten und mit dieser in der Ärzteausbildung zusammenarbeiten würde. Danach könnte Stuttgart in einer solchen Partnerschaft die klinische Ausbildung von Medizinstudenten ab dem fünften Semester übernehmen, die vorklinische Ausbildung bis zum Physikum würde an der „verleihenden“ Universität – in Frage kämen Tübingen und Ulm – erfolgen. Als „Morgengabe“ hat Stuttgart ein Angebot der Stiftung der Waiblinger Unternehmerin Eva Mayr-Stihl im Gepäck: Sie würde offenbar über zehn Jahre je sechs Millionen Euro einbringen, insgesamt 60 Millionen Euro.

Die Vorteile für Stuttgart liegen auf der Hand: Als Uniklinik wäre das Großkrankenhaus für Ärzte wie Patienten attraktiver. Vor allem bekäme das Klinikum für die Leistungen in den defizitären Ambulanzen eine bessere Vergütung von den Kassen – und Stuttgart als bisheriger Träger könnte zumindest einen Teil des Sanierungsstaus ans Land weiterreichen.

Die Pläne, heißt es in der Koalition, haben die Unterstützung von Klaus Peter Murawski, dem früheren Stuttgarter Krankenhausbürgermeister, der als Staatsminister in der Regierungszentrale nun Kretschmanns engster Zuarbeiter ist. Dagegen stehen Bedenken in beiden Regierungsfraktionen, der Hochschullandschaft und an den Standorten. Die größte Sorge ist, dass weniger Geld für die bestehenden Unikliniken übrig bleiben könnte. Kritiker sehen aber auch die erfolgreiche dezentrale Struktur – im jüngsten Fokus-Ranking der besten deutschen Krankenhäuser finden sich alle vier Südwest-Unikliniken in den Top 20 wieder – in Gefahr. Allein durch seine Größe würde das Krankenhaus Stuttgart die Gewichte verschieben. Schließlich steht die Frage im Raum, ob der vor allem im ländlichen Raum akute Ärztemangel wirklich am besten durch Studienplätze in Stuttgart behoben werden kann.

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20.03.2018, 06:00 Uhr

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