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Dußlingens neue „Piazza della Galleria“

Neuer Bürgerpark über dem B 27-Tunnel wurde eröffnet – und gleich tüchtig begossen

Der Park auf dem Dußlinger Tunneldach ist mehr als ein durchdachtes Fleckchen Landschaftsarchitektur: Als Angelpunkt zwischen den beiden Ortshälften ist er dabei, Dußlingens neues Herzstück und ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt zu werden.

29.06.2015
  • Susanne Mutschler

Neuer Bürgerpark über dem B 27-Tunnel wurde eröffnet – und gleich tüchtig begossen

Dußlingen. Wie gut, dass sich der Dußlinger Gemeinderat bei der Planung des Tunnelparks zu einer großzügig bemessenen Pergola durchringen konnte. Als die schwarze Wolke am Himmel ihre Schleusen öffnete, fand das gesamte Festpublikum inklusive der lokalen Prominenz, die Wurstbraterei und der komplette, von Ernst Herrmann geleitete Dußlinger Musikverein darunter Platz. „Die Donnerschläge werten wir als Böllerschüsse“, sagte Bürgermeister Thomas Hölsch gut gelaunt und machte aus der Parkeinweihung kurzerhand „eine Taufe, bei der Petrus nicht mit Wasser spart“. Dass außer dem Rauschen des Regens kein anderes Geräusch zu vernehmen war, war für ihn gleichzeitig ein gelungener Praxistest für den Tunnel. „Unter uns fahren täglich über 30.000 Fahrzeuge durch und wir hören nichts“, sagte er stolz.

Die stinkende und lärmende Blechlawine auf der B 27, die den Ort in zwei Hälften teilte, ist nach vier Jahren Tunnelbauzeit spurlos verschwunden und von den Anwohnern schon beinahe vergessen. Der „Bürgerpark“ auf der Überdachung oder die „Piazza della Galleria“, wie Hölsch zur Freude seiner Gäste aus dem italienischen Partnerort Mezzocorona sagte, sei eine „grüne Lunge“ und ein gemeinsamer Begegnungsraum für alle Generationen geworden.

Neuer Bürgerpark über dem B 27-Tunnel wurde eröffnet – und gleich tüchtig begossen
Bild oben: Dass es bei der Eröffnung des Bürgerparks nicht in die Tuba regnete, hatte der Musikverein Dußlingen der neuen Pergola am zentralen Platz des Parks zu verdanken. Bild unten: Bürgermeister Thomas Hölsch (ganz links) schneidet mit Gästen aus Politik, Bau und Gestaltung das Eröffnungs-Band des Bürgerparks in acht Teile. Bilder: Rippmann

Dass Ost- und West-Dußlingen durch den Grünzug wieder glücklich vereint sind und der Ort „eine neue Mitte“ bekommen hat, ließ Landrat Joachim Walter von einem „Dußlinger Sommernachtstraum“ schwärmen. „So wuchsen wir zusammen, einer Doppelkirsche gleich“, zitierte er aus Shakespeares Werk, „dem Scheine nach zwei Körper, doch ein Herz“. Die Dußlinger Tunnelbegrünung mache bereits Schule bei ähnlichen Bauvorhaben in München und Hamburg, wusste er. Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid sprach von einem „Leuchtturmprojekt“. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, bestätigte Bürgermeister Hölsch schwäbisch bescheiden.

Am Nordende des Parks wurde – ein Geschenk der Firma Klaus Zürn - Dußlingens erster Bücherbaum eingeweiht. Bevor der zwei Tonnen schwere und 90 Zentimeter dicke Eichenstamm aus Altersschwäche umfiel, stand er im Rottenburger Forst. Jetzt ähnelt er einer blank polierten Litfaßsäule, trägt ein aufgeblättertes Metallbuch auf seinem Haupt, und in seinen Leib sind drei verschließbare Regale eingefräst. Daraus können sich die Parkbesucher mit Lesestoff versorgen. Im untersten Fach liegen auf Kinderhöhe die Bilderbücher. Die erste Lesebaumfüllung besteht aus aussortierter Büchereilektüre. Man könne aber auch ausgelesene private Bücher dort zur Zweitbenutzung deponieren, sagte Büchereileiterin Monika Schramm.

Neuer Bürgerpark über dem B 27-Tunnel wurde eröffnet – und gleich tüchtig begossen
Auch der neue Bücherbaum im Dußlinger Bürgerpark wurde enthüllt. Die Abgeordneten Poreski (Grüne, Land, links) und Rosemann (SPD, Bund, rechts) sowie Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (vorne) staunen.

„Der Ort profitiert gewaltig von dem Park“, findet Dietmut Alber. Die Dußlinger Anwohnerin sieht von ihrem Fenster aus, dass draußen im Grünen „immer was los ist“. „Die Sitzbänke sind ständig belegt“. Es freut sie, dass auch die ausländischen Mitbürger Gebrauch vom neuen Park machen. „Für uns Ältere ist das ein schöner Treffpunkt“, sagt Ursula Maier, „hier ruhen wir uns aus“. Auch Lore Huber kommt gerne zum Spazieren her. „Vor allem der Spielplatz wird angenommen“, beobachtet sie. Auf die Frage, wie sie die Klettergeräte finden, recken der achtjährige Benett und seine neunjährige Schwester Carlotta bloß alle ihre vier Daumen hoch. Geschickt steigen sie zwischen den hölzernen Stelzen hindurch und balancieren auf wackligen Holzstreben. Dass ihre Spielfreude manchmal zu laut sein könnte, glauben sie nicht. „Kinderlärm ist doch kein richtiger Lärm“, findet Carlotta. Der 14-jährige Daniel Kocher hängt gerne mit seinen Kumpels auf den drehbaren Stühlen unter der Pergola ab. „Hier unterhalten wir uns“. Für die 15jährige Julia Schaupp und ihre Freundinnen hat sich der Park als idealer Zwischenstopp auf dem Schulweg zum Höhnisch eingespielt. Wenn Larissa Kocher (16) als Babysitterin unterwegs ist, nimmt sie die Kleinen mit in den Park. Das Dach der Pergola findet sie zum Unterstellen „total geschickt“.

„Der Park ist so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben“, erklärte Landschaftsarchitekt Ralph Wölffing-Seelig. Für seinen „Streifzug Richtung Alb“, wie er seine Planungsidee nennt, habe er sich viele Elemente aus der umgebenden Landschaft abgeschaut. Vom nächtlich angestrahlten Baumhain beim Nordportal bis zu den Sitzstufen im Süden ist der Blick auf die schwäbische Alb ausgerichtet. Auch bei den Farben der Wege und Sitzsteine orientierte er sich an den warmen Gelbtönen des heimischen Jura. Heckenriegel, schmale Felder, lockere Zierbäume wie auf den Streuobstwiesen umgeben die drei wegeverbundenen Plätze. Die gegenwärtig noch dürftig grünen Wiesen werden im kommenden Frühjahr voller bunter Wildblumen und Insekten sein, versprach er: „Eine ökologische Wiese braucht einfach Zeit“.

Zeitnah feiert Dußlingen ein weiteres Mal, und diesmal vermutlich bei besserem Wetter: Am kommenden Samstag, 4. Juli, ist die offzielle Eröffnung der neuen Kinderkrippe am Rathausplatz. Der große Neubau, der im Erdgeschoss unter anderem die neue zentrale Kinderbetreuung der Gemeinde beherbergt, ist das letzte Stück des architektonischen Ensembles, das den Rathausplatz einschließt. Von 13 bis 18 Uhr gibt es anlässlich der Eröffnung einen Tag der Offenen Tür und ein Fest. Nach der offiziellen Einweihung folgen Führungen durch die Krippe und ein kleines Programm mit Kinderschminken, Schatzsuche, einem Barfußpfad und einer Farbschleuder.

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29.06.2015, 12:00 Uhr

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