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Kein klares Meinungsbild bei Infoveranstaltung zum Europaplatz

Neuer Busbahnhof mit oder ohne Mittelsteig

Zwei mögliche Varianten für den neuen Busbahnhof liegen auf dem Tisch und wurden am Mittwoch den Bürgern vorgestellt. Rund 140 Interessierte kamen. Ein klares Votum für eine der beiden Varianten gab es nicht, aber sehr unterschiedliche Meinungen und Wünsche.

19.06.2015
  • SABINE LOHR

Tübingen. Irgendwann wolle er mal einen Knopf an die Sache machen und zu einer Entscheidung kommen, sagte Oberbürgermeister Boris Palmer den rund 140 Tübingern, die sich am Mittwochabend in der Mensa Uhlandstraße über die Pläne für den neuen Busbahnhof informierten. Immerhin rede man jetzt schon an die 20 Jahre über die Umgestaltung des Busbahnhofs. Bevor der Gemeinderat aber eine Grundsatzentscheidung fälle, wollten Rat und Verwaltung hören, wie die Bevölkerung darüber denkt. Ein klares Meinungsbild bekam Palmer dann aber nicht. Stattdessen viele Wünsche.

Bevor die Besucher der Veranstaltung zu Wort kamen, stellten Baubürgermeister Cord Soehlke und Marietta Rienhardt von der Fachabteilung Stadtplanung die Varianten vor, die in Runden Tischen entstanden waren. Im TAGBLATT haben wir sie bereits ausführlich vorgestellt, darum hier nur die größten Unterschiede:

Variante 1:

Die Busse fahren bei dieser Variante um einen Mittelsteig herum, auf dem die Fahrgäste warten. Wartehäuschen stehen auch relativ nah vor den östlichen und westlichen Bahnhofsgebäuden – auf einem breiten Fußweg. Vor dem Haupteingang öffnet sich ein Platz, der auch den Mittelsteig unterbricht. Über diesen fahren einige der Busse, die vom Trautwein-Eck kommen, um auf der Gegenfahrbahn wieder aus dem Busbahnhof zu kommen. Alle anderen Busse umschleifen den gesamten Mittelsteig. Die Regionalbusse halten bei dieser Variante ebenfalls am Mittelsteig. Variante 1 ist deutlich als Verkehrsanlage zu erkennen, städtebauliche Aspekte treten in den Hintergrund.

Variante 2:

Bei dieser Variante fahren die Busse auf einem Fahrstreifen, der vom Bahnhof weiter abgerückt ist als bei Variante 1. Im Westen ist der Streifen ausgebuchtet, so dass die Busse dort wenden können. Dadurch ist der Platz vor den Bahnhofsgebäuden größer, allerdings reichen die Busfahrsteige dann nicht für die Regionalbusse aus. Für sie gibt es westlich des Bahnhofs eine eigene kleine Anlage mit vier Bussteigen. Anders als in Variante 1 ist an der Ecke des Postgebäudes (vor dem Café Lieb) ein Kreisverkehr angelegt.

Variante 2 ist die städtebaulich anspruchsvollere, die reine Verkehrsanlage tritt etwas zurück.

Bei beiden Varianten ist die Durchfahrt für den Individualverkehr nicht möglich. Wer mit dem Auto von Rottenburg her kommt, muss, um zur Blauen Brücke oder in die Mühlstraße zu gelangen, über die B 28 fahren. Anfahrbar von der Poststraße her sind die Tiefgaragen Post und die geplante Tiefgarage unter einem Neubau auf dem Platz des bisherigen Busbahnhofs. Beide sollen laut Soehlke miteinander verbunden werden.

Für Radfahrer sind jeweils Abstellflächen vor dem Hauptbahnhof vorgesehen sowie die Umgestaltung der Fußgängerunterführung zu einer Fahrradgarage. Fernbusse müssen woanders halten – in beiden Varianten. Beispielsweise in der Hegelstraße.

In der Debatte wurde bei Variante 2 kritisiert, dass die Fußgängerströme schlechter kanalisiert würden als in Variante 1. Um zu den Bussen zu gelangen, müssten die Passagiere immer einen Fahrstreifen überqueren. Vor allem, wenn die Schülerbusse ankommen, könnte das gefährlich werden. Denn Schüler – und nicht nur sie – würden zwischen den Bussen durch über die Fahrbahnen gehen.

„Die Fußgänger gehen bei beiden Varianten zwischen den Bussen durch“, sagte dazu Soehlke. Zudem verwies er darauf, dass die Busse mit einem zeitlichen Abstand von etwa 30 Sekunden verkehren würden, was genug Zeit sei, die Straße zu queren.

Krisiert wurden von mehreren Besuchern der Veranstaltung die Wartehäuschen. Man wolle, hieß es, beim Umsteigen vom einen in den anderen Bus nicht nass werden.

Etliche wünschten sich deshalb eine Überdachung des gesamten Busbahnhofs. Oberbürgermeister Boris Palmer, der die Veranstaltung moderierte, verwies auf die hohen Kosten. „Ein solches Dach ist entweder bezahlbar und hässlich oder es sieht toll aus, kostet dann aber an die 10 Millionen Euro.“

Der Bürger- und Verkehrsverein (BVV) wünschte sich Haltestellen für die Tourismusbusse. Sie gehörten an einen zentralen Ort in der Nähe des BVV an der Neckarbrücke. Den Vorschlag Soehlkes, diese Haltestellen in der dann umgebauten Wöhrdstraße einzurichten, hielt BVV-Geschäftsführerin Gabriele Eberle für nicht machbar. Für Soehlke ist der Busbahnhof nicht der richtige Ort für Tourismusbusse, weil diese längere Wartezeiten haben, was auf dem Gelände nicht umsetzbar sei. Es gibt aber zwei weitere Untervarianten, bei denen zusätzliche Bussteige im Baufenster liegen. Dort könnten sowohl Regional-, als auch Fern- und Tourismusbusse halten. Diese beiden Varianten schloss Palmer aber mit einem klaren Veto aus: „Dann können wir’s auch lassen, wie es ist, und müssen nicht so viel Geld in die Hand nehmen. Mit mir gibt es diese Varianten nicht.“

Auch der Vorschlag Soehlkes, die Fernbusse in der Hegelstraße halten zu lassen, „damit sie gar nicht erst in die Stadt reinfahren müssen“, stieß auf Kritik. Fernbuspassagiere hätten Gepäck, der Weg vom Busbahnhof in die Hegelstraße sei nicht zumutbar. Das sah Palmer anders: „Mit einer Haltestelle dort wären wir noch richtig gut. Wer mit dem Fernbus nach Stuttgart fährt, landet in Vaihungen.“ Auch Soehlke hält die Strecke für zumutbar.

Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) kritisierte, dass es zu wenige Radstellplätze direkt vor dem Bahnhof gebe. Den Vorschlag, in Variante 1 einen Radparkplatz hinter dem so genannten „Kupferbau“ einzurichten, stieß aber ebenfalls auf Kritik: Der Parkplatz sei zu weit weg und würde von Radfahrern nicht angenommen werden. Angeregt wurde ein Radabstellplatz an Gleis 1. „Die Verhandlungen mit der Bahn sind naturgemäß nicht ganz einfach“, kommentierte das Cord Soehlke. Aber auch er sei mit den Radparkplätzen „nicht ganz glücklich“. Die Tiefgarage in der Unterführung sei jedoch ein großes Potenzial. Werde sie realisiert, dann auf jeden Fall so, dass keine dunklen Ecken darin enstünden.

Auf Nachfrage einiger Rollstuhlfahrer sicherte Palmer zu, dass der gesamte Busbahnhof behindertengerecht werde. Von allen Bussteigen gelange man eben in die Busse. Und auch ein öffentliches WC werde es geben – in das auch Rollstuhlfahrer hinein kämen.

Neuer Busbahnhof mit oder ohne Mittelsteig
In Variante 2 fahren die Busse auf einem Fahrstreifen, auf dem sie auch wenden.

Neuer Busbahnhof mit oder ohne Mittelsteig
In Variante 1 fahren die Busse um einen Mittelsteig herum. Grafiken: Universitätsstadt Tübingen

Noch im Juli soll der Gemeinderat eine Grundsatzentscheidung für eine der beiden Varianten fällen. Dann, so OB Palmer, könnten für diese Variante alle noch offenen Fragen genau gepüft und geklärt werden. Für die Gestaltung der Freiräume – Plätze, Grünflächen und so weiter – soll es bis Mitte 2016 einen Wettbewerb geben. Bis Ende 2016 soll dann das beBauungsplanverfahren starten. In dessen Verlauf dürfen Anregungen und Bedenken geäußert werden, die dann vom Gemeinderat abgewogen werden. Baubeginn könnte dann 2017 oder 2018 sein. Die Bebauung des dann frei gewordenen Geländes könnte 2019 beginnen.

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19.06.2015, 12:00 Uhr

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