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Richtungskampf beim HGV entschieden

Neuer Kurs nach turbulenter Mitgliederversammlung

Der Tübinger Handel- und Gewerbeverein (HGV) hat einen neuen Vorstand. Doch gewählt wurde dieser am späten Dienstagabend erst nach einer emotionalen Debatte und einem gescheiterten indirekten Misstrauensvotum.

25.10.2012
  • Gernot Stegert

Tübingen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählte Christian Riethmüller am Tag nach der Mitgliederversammlung am Dienstagabend im Saal der Volksbank Tübingen. Emotional sei es hergegangen. Am Ende wurden er, Jörg Romanoswki und Roberto Nedorna als neuer dreiköpfiger Vorstand gewählt (wir berichteten gestern). Aber die Versammlung ging bis in die Nacht und war turbulent.

Es begann damit, dass Sabine Lüllich Zettel verteilte. Die Altstadthändlerin und CDU-Stadträtin stellte einen Antrag, der von Riethmüller als versuchte Entmachtung des Vorstands gewertet wurde. Dem Antrag zufolge sollte die Satzung des HGV so verändert werden, dass der Vorstand „in wichtigen Entscheidungen von besonderer Bedeutung“ nichts ohne Beschluss des Beirats tun darf. Als wichtig waren im Antrag benannt: Citymaut, Straßensperrungen, Verkehrsführung, Parkplatzgebühren, Umgestaltung des Europaplatzes, Erweiterung von Fußgängerzonen und Sitzplatzverbot in 1a-Lagen. Damit sind genau die Themen aufgeführt, die auch die Plakataktion der in der Altstadtinitiative organisierten Händler prägten.

Der Antrag fiel nach langer leidenschaftlicher Aussprache durch. Nur 26 von 106 Stimmberechtigten schlossen sich Lüllich an, darunter waren etliche mitgebrachte Stimmrechte von Händlern, die gar nicht zur Mitgliedersammlung gekommen waren.

Kein Händler aus dem Zentrum Süd im Beirat

Riethmüller sprach gestern von einem „absolut bescheuerten Antrag“, weil er Misstrauen gegenüber dem Vorstand zeige, polarisiere und rechtlich bedenklich sei. Der HGV-Anwalt habe in der Versammlung klar „haftungsrechtliche Probleme“ für den Beirat aufgezeigt.

„Der Anwalt hat den Beiräten Angst eingeflößt“, meinte Lüllich gestern. Sie wolle ihren Antrag nicht als Misstrauensvotum verstanden wissen, aber die öffentlichen Stellungnahmen des Vorstands „gedeckelt“ haben. Nun will die Händlerin nach vorne blicken: „Die Sache ist entschieden, das ist Demokratie.“ Sie wünscht sich ersatzweise, dass künftig häufiger „bei wichtigen Dingen“ die HGV-Mitglieder befragt werden. „Bei Verkehrsthemen bin ich weiter anderer Meinung als der Vorstand“ und beim Europaplatz fürchtet sie, dass Neuansiedlungen nicht zum Magneten, sondern zum Staubsauger für die Altstadt werden.

Nachdem die Machtprobe Satzungsänderung für die Vorstandskandidaten ausging, wurden die Meinungsunterschiede im HGV bei den Wahlen dann im Ergebnis doch deutlich. Nedorna, der bei der Plakataktion der Altstadtinitiative mitgemacht hatte, erhielt 82 Stimmen, Riethmüller und Romanowski bekamen 62 und 64. Der Osiander-Geschäftsführer erklärte, der Unterschied entspreche in etwa der Zahl der mitgebrachten Stimmrechte. „Ich habe von den Anwesenden 75 Prozent der Stimmen bekommen.“ Das sei nicht schlecht. Bedauerlich finde er jedoch, dass einige Kritiker „noch nicht einmal persönlich erschienen sind“, sondern sich vertreten ließen.

Romanowski erklärte seine Stimmenanzahl ähnlich wie Riethmüller. Er wolle jetzt Brücken bauen. So verteidigte er die geplanten Umgestaltungen im Zentrum Süd, forderte aber auf, diese „kritisch zu begleiten“. Romanowski bedauerte allerdings, „dass angesichts der anstehenden Veränderungen kein Händler vom Zentrum Süd im Beirat vertreten ist“. Er und Riethmüller möchten daher, dass Karl-Frieder Graul (ehemals Modehaus Zinser) als Berater dem Vorstand zur Verfügung steht. Riethmüller sieht Händler vom südlichen Zentrum im Beirat unterrepräsentiert. Nedorna begrüßten beide im Vorstand ausdrücklich.

Der neue Vorstand des HGV besteht aus drei Personen: Roberto Nedorna (Einzelhandel, Jeansladen Bezahlbar), Jörg Romanowski (Werbeagentur Uhland 2 im TAGBLATT-Verlag) und Christian Riethmüller (Einzelhandel, Osiander). In den sechsköpfigen Beirat des HGV wurden neu gewählt: Martina Neef (Gastronomie, Ranitzky), Petra Wilhelm (Einzelhandel, Limon) und Nicole Demmer (Einzelhandel, Schuhhaus Gahn). Wieder gewählt wurden: Alexander Stagl (Gastronomie, Hotel Krone/Ludwigs), Armin Müller (Dienstleister „zu Diensten“) und Thomas Schmid (Einzelhandel, Amasia).

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