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Hartmut Nill seit einem Jahr Schulleiter

Neuer Rektor der Friedrich-List-Realschule zieht Bilanz

Es ist ruhig geworden um die Realschulen – alles drehte sich in jüngster Zeit um das achtjährige Gymnasium oder um die Reformen an den Hauptschulen. Die Realschule aber, sagt Friedrich-List-Rektor Hartmut Nill, sei nach wie vor eine gefragte Institution. Vielleicht sogar gefragter als zuvor – schließlich wollen viele ihr Abitur erst nach neun Jahren machen.

25.09.2010
  • Gabi Schweizer

Mössingen. Warum ist Lügen schlecht? Was hat Ehrlichkeit mit Vertrauen zu tun? Darum ging es neulich in einer neunten Klasse. Auslöser war natürlich ein konkreter Vorfall. Aber das Thema interessierte beileibe nicht nur den Betroffenen. Und für den Moment war es wichtiger als Mathe, Deutsch oder Englisch. „Der erzieherische Anteil nimmt zu, und der braucht auch Raum“, sagt Hartmut Nill und stimmt damit keineswegs ein Klagelied auf die Jugend von heute an: „Es ist so, dass sich jede Generation über die Kinder beklagt, die sie gerade hat. Ich wehre mich gegen das Wort ‚schwierige Schüler‘.“ Doch die Wertvorstellungen der Eltern seien heterogener geworden, die Gesellschaft brüchiger. Und eine Schule müsse eben auch Kompetenzen wie Empathie, Rücksicht, Verantwortung vermitteln.

Neuer Rektor der Friedrich-List-Realschule zieht Bilanz
Hartmut Nill

Seit einem Jahr ist der 48-Jährige Leiter der Friedrich-List-Realschule in Mössingen, an der er zuvor schon als Lehrer tätig war. 2009 löste er Rainer Wahl ab, der aufs Regierungspräsidium wechselte. Seither hat sich an der Schule einiges verändert. Es gibt nun beispielsweise das „Poolstundenmodell“. Jeder Lehrer stellt eine bestimmte Stundenzahl für Diskussionen wie die oben beschriebene zur Verfügung. Zuvor hatte der jeweilige Klassenlehrer eben alles in den Stunden besprochen, die er selbst unterrichtete. Mit dem Resultat, dass in manchen Klassen der Matheunterricht zu kurz kam, in anderen der Englisch-Stoff. Noch eine Neuerungt: Die Schule kooperiert nun mit der Leichtathletikgemeinschaft Steinlach. Und jedes Jahr gibt es ein anderes Motto. Dieses Jahr heißt es ebenso schlicht wie umfassend: „Wir begegnen uns mit Respekt.“

88 Fünftklässler/innen besuchend derzeit die Friedrich-List-Realschule. Das sind zwar acht Kinder weniger als im Vorjahr, aber angesichts sinkender Schülerzahlen hat das nichts zu sagen. „Die normale Realschule“, davon ist Nill überzeugt, „ist hoch akzeptiert, sie scheint von den Turbulenzen um das achtjährige Gymnasium und die Werkrealschule nicht betroffen“. Auch im Gespräch mit Unternehmern hat er immer wieder das Gefühl, Realschulabgänger seien gefragte Azubis. Diese Woche bauten Firmen in der Aula eine Berufsinformationsbörse auf, bei der Dienstleister, Handwerker und Industrie-Unternehmen sich vorstellten. Einen solchen „Markt der Möglichkeiten“, das steht bereits fest, soll es auch im kommenden Jahr wieder geben. „Es war auch ein Wunsch der Industrie- und Handelskammer, mit der Realschule zu kooperieren“, sagt Nill.

Allerdings: Viele Schüler gehen nach der Mittleren Reife erstmal auf ein Berufliches Gymnasium oder ein Berufskolleg. Heute ist die Realschule zudem ein Weg für Kinder, die das Abitur nach dem alten neunjährigen Modell machen wollen. Bei der Infoveranstaltung für Viertklässler im vergangenen Sommer hat Nill gemerkt: Es waren Familien da, deren Kinder eine Gymnasialempfehlung hatten. Eine durchaus neue Situation. Zugleich hat er festgestellt, dass Eltern sich intensiver mit der Schule ihrer Kinder auseinandersetzen, statt sie einfach in die nächstgelegene zu schicken. Insofern stehe Mössingen in Kokurrenz zu den Realschulen in Hechingen und auf dem Höhnisch.

Und wie war das erste Jahr als Rektor? „Anstrenged“, sagt Nill, verweist aber mehrmals auf das nette Kollegium. Und er versichert: „Ich hab’s zu keinem Zeitpunkt bereut.“

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25.09.2010, 12:00 Uhr

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