Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Mit internationalem Profil in die Zukunft

Neuer Schickard-Chef will Schülern aus nichtakademischen Familien Studium ermöglichen

WSS – dieses Kürzel steht für die Wilhelm-Schickard-Schule. Aber auch für den Leitsatz „Wir stärken Schüler.“ Joachim Maurer ergänzt es um drei Ks – Konsens, Kommunikation, Kooperation – und zwei Ws – Wahrnehmung und Wertschätzung. So stellt sich der neue Chef das Klima an der kaufmännischen Schule vor.

13.11.2012

Von Ute Kaiser

Tübingen. Das Schaubild zur Qualitätsentwicklung ziert neben dem Stichwort „Offenheit“ ein rotes Herzchen. Ein Zeichen dafür, dass der Prozess auch spielerisch sein darf. Als sehr offen und herzlich hat Joachim Maurer erlebt, wie das Kollegium ihn aufnahm. Die selbe Wertschätzung, so seine Vorstellung von Schulkultur, sollen auch die 1450 Schüler/innen erfahren.

„Ist das, was wir in der Schule machen, wichtig fürs Leben?“ Diese Frage muss mit „ja“ beantwortet werden können, will die WSS ihrem Anspruch gerecht werden. Sie soll „ein Sprungbrett“ in den Beruf oder ins Studium sein, sagt der 55-Jährige. Deshalb müssten die Schüler/innen lernen, wirtschaftliche Themen selbstständig zu erarbeiten.

Aus den Kommentaren Konsequenzen ziehen

Gelingt das? Wo muss die Schule etwas verbessern? Danach sollen die Lehrer/innen ihre Klassen mindestens ein Mal im Jahr fragen – und, wenn nötig, Konsequenzen aus den Antworten ziehen. Diese „Feedback-Kultur“ der WSS hat der neue Chef vorgefunden. Aber sie passt zu seinem Verständnis von Schule. Das hat er gut drei Jahre lang als Schulleiter in Überlingen umzusetzen versucht. Aus familiären Gründen hat sich der Vater eines Sohns und zweier Töchter von 14 bis 22 Jahren für die freigewordene Stelle in Tübingen beworben. Die Schule liegt näher bei seinem Wohnort Mössingen.

Maurer hat Bankkaufmann gelernt, anschließend Betriebs- und Volkswirtschaft sowie Geschichte in Tübingen studiert und nach dem Referendariat in Reutlingen auch gut ein halbes Jahr auf Kreta Deutsch unterrichtet. Mit der WSS hat er viel vor. Er will sie auf „internationales Niveau bringen“. Seit diesem Jahr gibt es neben dem klassischen Profil im Wirtschaftsgymnasium das Profil Internationale Wirtschaft. „Es trägt der Globalisierung Rechnung.“ Die Absolventen werden in einigen Fächern auf Englisch unterrichtet. Ihr Abschluss berechtigt sie, in drei Jahren europaweit eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen.

Seit fünf Jahren können die Schüler/innen der WSS schon Chinesisch lernen und es seit 2008 als mündliches Prüfungsfach im Abi wählen. Das bieten im Bereich des Regierungspräsidiums Tübingen nur noch fünf andere berufliche Schulen an. Nachdem die Tübinger Uni jetzt (wie berichtet) einen Chinesisch-Studiengang fürs Lehramt eingerichtet hat, möchte Maurer Praktikanten für seine Schule gewinnen. Und denkt perspektivisch über einen Ausbau des Fachs Chinesisch nach.

Schon neu eingeführt hat die WSS, dass Berufsschüler mit mittlerer Reife durch Zusatzunterricht und eine Prüfung die Fachhochschulreife erwerben können. Diesen Abschluss strebt Maurer auch für Erwachsene nach ihrer Ausbildung in einem einjährigen Berufskolleg an. Er ist sicher, dass das in individueller Förderung erfahrene Kollegium das hinbekommt. Hinter dieser Idee steht das Anliegen, mehr Schüler/innen aus nichtakademischen Familien ein Studium zu ermöglichen.

Den Kontakt zur Universität verstärken

Aufgeschlossen neue Dinge aufgreifen, pädagogisch auf der Höhe sein und als Dienstleister auftreten: So stellt sich der in Unterhausen geborene Schulchef mit Informatik-Qualifikationen die WSS vor. Diese Haltung soll auch die Partnerschaft mit den Unternehmen prägen: Banken, dem Einzelhandel oder Industriebetrieben. Aber auch den Kontakt zur Universität will Maurer verstärken. Zum Beispiel einen Wirtschaftswissenschaftler an die Schule einladen oder Klassen einen Vortrag an der Uni besuchen lassen: „Dafür bietet sich Tübingen an.“

Knapp die Hälfte der Abiturienten in Baden-Württemberg kommt von beruflichen Gymnasien. Sie haben wie die anderen die allgemeine Hochschulreife. Die beruflichen Schulen, das wünscht sich Joachim Maurer, sollten selbstbewusster auftreten, „denn wir schaffen Zukunft durch berufliche Bildung“. An der kaufmannischen Schule seit fast vier Jahrzehnten. Die WSS will am 8. März kommenden Jahres ihr 40-jähriges Bestehen groß feiern.

Teamarbeit auch in der Leitung: Das gehört für Joachim Maurer, den neuen Schulchef, zum zeitgemäßen Konzept der kaufmännischen Wilhelm-Schickard-Schule. Sie will Unternehmen Partner sein und die Kontakte zur Universität ausbauen. Bild: Metz

Zum Artikel

Erstellt:
13. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. November 2012, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen