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Ulrich Köstlins Pläne für Villa Köstlin

Neuer Uni-Ehrensenator will sich ideell und finanziell für ein künftiges Gesamtkunstwerk engagieren

Die Universitätsgeschichte steckt voller Köstlins. Zehn Generationen nach dem ersten immatrikulierten Köstlin studierte und promovierter hier einer, der am Mittwoch zum Ehrensenator ernannt wurde: Ulrich Köstlin.

09.11.2012
  • Hans-Joachim Lang

Tübingen. Gedanken schwärmten vom Audimax hinüber zu der nur wenige Gehminuten entfernten Villa Köstlin, ein im klassizistischen Stil Mitte des 19. Jahrhunderts errichtetes Wohnhaus. Bauherren waren der Juraprofessor Christian Reinhold Köstlin und seine Frau, die Sängerin und Liedkomponistin Josephine Lang.

Im Audimax erklang das von Josephine Lang komponierte „Hochzeitslied“, dargeboten vom Vokalquartett der Camerata vocalis zu Ehren von Ulrich Köstlin. Rektor Bernd Engler verlieh dem Berliner in feierlichem Rahmen die Ehrensenatorwürde, der Berliner Justizsenator Thomas Heilmann hielt die Laudatio. Engler skizzierte die gegenwärtige Lage der Universität seit der erfolgreichen Exzellenzinitiative, Heilmann würdigte die herausragende Karriere des neuen Ehrensenators. Und dieser selbst blickte auf sein Tübinger Studium zurück, das 1974 begann.

Die Köstlins und die Universität

Für Ulrich Köstlin, gebürtiger Stuttgarter, hatte die Wahl des Studienorts in erster Linie mit seiner Familiengeschichte zu tun. Die Köstlins mit ihren Wurzeln in der württembergischen Ehrbarkeit, eine Art Bürgeradel im alten Herzogtum, stellten zahlreiche bedeutende Vertreter in Staat und Kirche. Seit über 400 Jahren sind auch Mitglieder der Familie an der Tübinger Universität vertreten. Der landesgeschichtlich interessierte Jurastudent – er besuchte Veranstaltungen bei Hansmartin Decker-Hauff – erarbeitete sich die vielfältigen Beziehungen der Köstlins zur Stadt und zur Universität, die wissenschaftlich gut erschlossen sind.

An ein weithin bekanntes Mitglied der Eberhard-Karls-Universität erinnert die Köstlinstraße: den Dichter und Professor Christian Reinhold Köstlin (1813 bis 1856), den am Mittwoch alle Redner erwähnten, insbesondere aber dessen Immobilie, die Villa Köstlin. Denn für dieses Schmuckstück, das dem Land Baden-Württemberg gehört und vorübergehend das Zentrum für Islamische Theologie beherbergt, will sich Ulrich Köstlin finanziell engagieren, damit es von der Universität einmal für kulturelle Zwecke genutzt werden kann.

Eines nicht zu fernen Tages, wenn die Islamische Theologie in den projektierten (jedoch noch nicht etatisierten) Neubau eingezogen ist, soll die Villa wieder für Dichterlesungen und musikalische Soireen zur Verfügung stehen. Nämlich so, wie es Reinhold Köstlin und Johanna Lang hielten.

Ulrich Köstlin, dem viel Sinn für Kunst und Architektur nachgesagt wird, unterstützt auf vielfältige Weise Kulturprojekte, durch ehrenamtliches Engagement ebenso wie durch finanzielle Förderung. Für die Renovierung und Umwidmung der Villa Köstlin hat er einen namhaften Betrag bereitgestellt, über dessen genaue Höhe noch Stillschweigen bewahrt wird. Schon seit mehreren Jahren schmiedet er an seinen Plänen.

„Eine künftige Nutzung könnte im schönsten Fall an die Tradition dieses von dem Architekten Gottlieb Pfeilsticker entworfenen Hauses anknüpfen“, sagte Köstlin nach der Veranstaltung im Gespräch mit dem TAGBLATT. Die am Rande des Botanischen Gartens zwischen der alten Kinderklinik und der ehemaligen Hals-Nasen-Ohrenklinik gelegene Villa verfügte nicht nur über elegante Innenräume, sondern auch über einen biedermeierlichen Obst- und Ziergarten, der mittlerweile zwar zerstört ist, zu dem aber noch die Pläne vorhanden sind, nach denen der alte Zustand wieder hergestellt werden kann. Der in Berlin lebende Mäzen will zwar nicht allein für alle Kosten aufkommen, erbietet sich aber, weitere Sponsoren für das Gesamtkunstwerk zu gewinnen.

Neuer Uni-Ehrensenator will sich ideell und finanziell für ein künftiges Gesamtkunstwerk
Ehrensenator Ulrich Köstlin kam gestern noch zu Besuch in die Tübinger Köstlin-Schule, wo er sich über die Tübinger Köstlins befragen ließ. Bild: Metz

Ulrich Köstlin wurde am 31. Dezember 1952 in Stuttgart geboren, studierte Rechtswissenschaft in Erlangen, Tübingen und Genf, promovierte in Tübingen. 1982 begann er seine Laufbahn im Management der Schering AG. 1994 wurde er zum Vorstandsmitglied des Pharma-Unternehmens bestellt. Er hatte diese Position über zehn Jahre lang inne, danach war er noch fast fünf Jahre Vorstandsmitglied im Nachfolgeunternehmen Bayer Pharma AG, bis er 2010 in den Ruhestand ging. Darüber hinaus ist Köstlin Aufsichtsratsmitglied verschiedener Unternehmen und Vorstandsmitglied des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.

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09.11.2012, 12:00 Uhr

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