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Der Gäubahn Flügel verleihen

Neuer Vorschlag soll Chancen auf ICE-Anschluss erhöhen

Die Region Neckar-Alb möchte unbedingt, dass die Gäubahn von Zürich über Tübingen und Reutlingen nach Stuttgart fährt. Da ihr Vorstoß auf Widerstand in Horb und Böblingen gestoßen ist, haben die Verantwortlichen nun einen Kompromiss vorgelegt: das „Flügelkonzept“.

04.07.2012
  • Gernot Stegert

Region Tübingen. Nur mit zwei Flügeln kann ein Vogel oder Flugzeug abheben. Das gilt übertragen auch für die Gäubahn. Die ICE-Züge aus Zürich über Singen, Tuttlingen und Rottweil sollen nach dem Flügelkonzept aus zwei gekuppelten fünfteiligen ICE-Neigezügen bestehen und in Horb geteilt werden: Ein Teil fährt durchs Neckartal über Tübingen und Reutlingen und die zweigleisige Wendlinger Kurve zum Flughafen- und Messebahnhof und weiter nach Stuttgart Hauptbahnhof. Der andere Teil bleibt demnach auf der Gäubahntrasse mit Halt in Böblingen und einem Kehrtunnel zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Damit wären zwei bisher konkurrierende Trassen in einem Konzept vereint.

Ursprünglich wollte die Region die Gäubahn ganz ins Neckartal umleiten. Dieser Vorschlag der Bürgermeister von Rottenburg, Tübingen, Reutlingen und Metzingen, der Landkreise Tübingen und Reutlingen sowie des Regionalverbands wird derzeit beim Filder-Dialog diskutiert. Doch Vertreter von Horb, Herrenberg und Böblingen wollten nicht abgehängt werden. Das Flügelkonzept sei nun eine „Win-Win-Situation“, sagt die Regionalverbands-Direktorin Angela Bernhardt dem TAGBLATT. Aus ihrer Sicht hat es nur Vorteile (siehe Kasten).

Den Vorwurf, der Weg über Tübingen und Reutlingen sei teurer, weist sie zurück. Kosten würden für Ausbau und Elektrifizierung der Strecke zwischen Horb und Tübingen sowie für den zweispurigen Ausbau der Wendlinger Kurve anfallen. Doch das eine sei im Interessenverband Gäubahn ohnehin vereinbart, das andere Teil des Schlichterspruchs von Stuttgart 21. Die Ausgaben dürften daher nicht dem Vorschlag aus der Region angelastet werden, betont Bernhardt.

Doch bleibt Widerstand. Der Interessenverband Gäubahn hat am Montag beschlossen, auf der Direktanbindung zum neuen Filderbahnhof zu bestehen. Allerdings wäre dieser auch mit dem Flügelkonzept möglich. Der Regionalverband Stuttgart droht gar, ein Veto gegen den Neckar-Alb-Vorstoß einzulegen. Man besteht auf der Rohrer Kurve. Strikt auf der Antragstrasse der Bahn beharren bisher die CDU-Landtagsfraktion mit Peter Hauk an der Spitze, Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler (SPD) und die Deutsche Bahn.

Die Unbeweglichkeit ärgert Eugen Höschele, Vorsitzender des Regionalverbands Neckar-Alb: „Unser Vorschlag bringt echte Vorteile. Die kann man von Seiten der Bahn und der großen Politik doch nicht einfach vom Tisch wischen.“ Für den CDU-Kreisvorsitzenden geht es „um die Glaubwürdigkeit der Politik“ nach der Stuttgart-21-Abstimmung. Sinnvolle Alternativen müssten geprüft und nicht abgeschmettert werden. Die Trassenführung auf den Fildern ist noch nicht planfestgestellt, betont Hö-schele. „Wenn die Bahn Kunden binden will, muss sie sich bewegen.“ Der Verbandsvorsitzende ist davon überzeugt, „dass unsere Region den Zug voll bekommt“. Die Bahn solle sich „auf den Hosenboden setzen“ und die Variante durchrechnen.

Auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer steht hinter dem Flügelkonzept. Aus seiner Sicht ist der Hauptvorteil eine große Flexibilität. Mit der passenden Infrastruktur – von der Elektrifizierung der Strecke Horb-Tübingen bis zur doppelten Wendlinger Kurve – seien viele Betriebskonzepte möglich: die geflügelte Variante wie auch eine einfache Gäubahn-Linie über Böblingen oder Tübingen – je nach Bedarf. Im Gegensatz zur starren Antragstrasse der Bahn über die teure Rohrer Kurve. Aus Palmers Sicht ist das Flügelkonzept „sachlich besser“, leider scheine es aber politisch zwischen die alten S-21-Fronten zu geraten.

Neuer Vorschlag soll Chancen auf ICE-Anschluss erhöhen

Regionalverbands-Direktorin Angela Bernhardt nennt als Vorteile des Flügelkonzepts:
Der erste ICE-Neigezug (ICE 1) erreicht im neuen Stuttgarter Tiefbahnhof alle wichtigen Anschlüsse. Der Staatsvertrag von Lugano mit der Schweiz, der eine Fahrzeit von zwei Stunden und 15 Minuten von Zürich nach Stuttgart vereinbart, wird erfüllt. Dies ist ein Argument gegen eine Fahrt durchs Neckartal, weil diese rund 20 Minuten länger dauert.
Der Schlichterspruch, der Erhalt und Anbindung der Gäubahn an den neuen Tiefbahnhof vorsieht, wird erfüllt.
Fahrgäste aus dem Süden, die zum Flughafen- und Messebahnhof möchten, nutzen den ICE 2 und gelangen über Tübingen und Reutlingen ohne Umsteigen dorthin. Die Region Neckar-Alb wird in das Fernverkehrssystem der Deutschen Bahn AG integriert und auch nach Süden angebunden. Die durchgehenden Neigezugverbindungen von Rottenburg und Albstadt nach Stuttgart werden durch Elektrifizierung und teils Ausbau der Zulaufstrecken erhalten. Die Obere Neckarbahn zwischen Tübingen und Horb wird durch Elektrifizierung und teilweisen zweispurigen Ausbau ertüchtigt. Die Wendlinger Kurve wird zweigleisig ausgebaut. Die Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21 wird verbessert. Die Kritik der Filderkommunen wird erhört.

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04.07.2012, 12:00 Uhr

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